HOHE LUFT
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Reich wie nie

Superreiche versus Habenichtse – in Deutschland wird intensiv diskutiert über die Umverteilung von Vermögen, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und exorbitant hohe Managergehälter. Es geht um die Verteilungsgerechtigkeit. Nur die Gehälter im Profi-Fußball werden nicht erwähnt. Dabei steht die WM vor der Tür.

Zum Vergleich: Philipp Lahm verdient inklusive Werbeeinnahmen um die 14 Millionen Euro. Volkswagen Chef Martin Winterkorn hat 2013 15 Millionen Euro verdient und  2011 waren es sogar 17,4 Millionen. Das hat in der öffentlichen Diskussion so hohe Wellen der Empörung hervorgerufen, dass sich der VW-Aufsichtsrat auf neue Vergütungsregeln geeinigt hat. Manager Gehälter werden also als ungerecht empfunden, Gehälter im Profi-Fußball hingegen werden akzeptiert.
Wie kann das sein?

Man könnte mit den Utilitaristen argumentieren und nach dem Nutzen fragen: „Richtig ist, was das größte Glück für die größte Zahl von Menschen bewirkt“. Gerechtigkeit ist im utilitaristischen Verständnis wertvoll, wenn sie etwas zur allgemeinen Glücksvermehrung beiträgt. Im Gegensatz zum Manager schafft ein Fußballer keine Arbeitsplätze, produziert keine Güter und hat keine Mitarbeiterverantwortung. Aber ein Millionenpublikum will ihn auf dem Platz spielen sehen. In seinem Fall ergibt sich der Nutzen aus dem Wunsch eines großen Teils der Gesellschaftsmitglieder. Hier werden Ungleichheiten zugelassen, um den Gesamtnutzen maximal zu steigern.

Der Philosoph John Rawls (1921-2002) hingegen betrachtet Fairness als den zentralen Begriff von Gerechtigkeit. Nicht die Maximierung des Allgemeinnutzens steht im Vordergrund wie bei den Utilitaristen, sondern dass alle Gesellschaftsmitglieder den Gerechtigkeitsgrundsätzen in Hinblick auf ihr eigenes Wohlergehen zustimmen können. Für Rawls folgt daraus, dass ökonomische und soziale Ungleichheit in Ordnung sein kann, wenn sie zum maximal zu erwartenden Vorteil der am schlechtesten Gestellten beiträgt. Das impliziert aber nicht, dass Spitzensportler es auch moralisch betrachtet verdienen, mehr Geld zu bekommen als eine Krankenschwester. Und es bleibt die Frage, wie durch überbezahlte Fußballer andere bessergestellt werden?

Und was wenn Lahm zu langsam ist und Schweinsteiger nicht fit genug? Dann erscheinen die hohen Gagen nicht mehr so gerecht. Da man als Fan einen beträchtlichen Anteil am Erfolg eines Fußballers hat, sollte Lahm bei schlechter Leistung, also für den Fall, dass er seine Millionen nicht wert ist, einen Teil seines Verdienstes an die zahlreichen Fans umverteilen. Damit wäre nicht nur der Verteilungsgerechtigkeit sondern auch der ausgleichenden Gerechtigkeit genüge getan. Schließlich sind enttäuschte Erwartungen eine Schädigung, die Wiedergutmachung erfordert. Allerdings stößt hier die Theorie an die Grenzen der Realität.
Doch bei aller (berechtigten) Kritik an den Millionenverdiensten eines Profifußballers, wünschen wir uns, dass Deutschland gewinnt und werden mitfiebern, wenn Philipp Lahm und seine Kollegen auf dem Platz stehen. Geld hin oder her.

– Pia Jaeger

1 Kommentare

  1. Fabian Schwitter sagt

    Stossend an der Sache sind doch nicht die Zahlen, sondern der Gedanke, der hinter diesen Zahlen steckt:

    1. Mein Wert als Person bemisst sich an der Höhe meines Gehalts.
    2. Alles ist käuflich zu erwerben und wird käuflich. (Für den Verein, der die WM organisiert, gilt dies ganz besonders.)

    Zwar ist es ein Fortschritt, dass nicht mehr nur Nationalismus (wobei das auch nicht bei allen Mannschaften sicher ist) die Spieler zum Auflaufen für ihre Nationalmannschaften bewegt. Hingegen ist es ätzend, wenn einzig und allein die Höhe der Prämie Ansporn zu guter Leistung ist. Wer für die Nationalmannschaft spielt, sollte dies freiwillig tun – und zwar wirklich freiwillig.

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