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Großbritannien geht

Überraschung und Entsetzen weithin in Europa: Die Briten haben sich dafür entschieden, die Europäische Union zu verlassen.

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HOHE LUFTpost – Wir gewinnt

HOHE LUFTpost vom 17. Juni 2016: Wir gewinnt In Europa grassiert das Fußballfieber, und auch meine Temperatur ist leicht erhöht. Es ist noch viel zu […]

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Na logisch! Der Ad-ignorantiam-Fehlschluss

Daniel-Pascal Zorn schreibt in seiner Kolumne Na logisch! über Logik, Rhetorik und Argumentationstheorie. Heute: Der Ad-ignorantiam-Fehlschluss 

Es klingt vielleicht auf den ersten Blick unglaubwürdig: Aber manche der hier verhandelten Fehlschlüsse waren verantwortlich für die Entscheidung über die gesellschaftliche Ächtung oder sogar über Leben und Tod vieler Menschen. Zwei Beispiele können das illustrieren: Den ganzen Artikel lesen

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HOHE LUFTpost – Gift oder nicht?

HOHE LUFTpost vom 10. Juni 2016: Gift oder nicht?

In Brüssel tobt gerade ein Lobbykampf um die Zulassung von Glyphosat. Es ist das weltweit meistverwendete Unkrautbekämpfungsmittel, in Deutschland wird es auf 40 Prozent der Ackerfläche eingesetzt. Wie giftig ist Glyphosat? Kann es Krebs auslösen? Unzählige wissenschaftliche Studien beschäftigen sich mit den Wirkungen des Mittels. Jede Seite beruft sich auf die Studien, die ihr ins Konzept passen. Warum können Forscher keine klare Antworten auf diese Fragen finden? Die Glyphosat-Debatte zeigt auch, wie verbreitet Missverständnisse über die Wissenschaft sind. Einzelne Studien haben wenig Aussagekraft – das ist zwar den Wissenschaftlern selbst klar, nicht aber vielen Laien. Was zählt ist das große Bild, das alle Studien zusammengenommen ergeben. Doch das sieht man nur mit unvoreingenommenem Blick. Wer einzelne Studien herauspickt, kann so ziemlich alles begründen. »Eine neue Studie zeigt, dass Zucker Krebs fördern kann«, meldete kürzlich ein großer Fernsehsender. »Fürze riechen kann Krebs verhindern, behaupten Wissenschaftler«, schrieb ein großes Nachrichtenportal. Damit illustrieren sie, wie gefährlich die interessengebundene Instrumentalisierung wissenschaftlicher Studien ist. Auch in Sachen Glyphosat sollten wir daher auf die Interessen selbst schauen, nicht auf die Studien, hinter denen sie versteckt werden sollen.

– Tobias Hürter

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Na logisch! Selbst-Heroisierung: Die zweite Hauptrolle im Immunisierungs-Drama

Die Na logisch!-Kolumne über Logik, Rhetorik und Argumentationstheorie schreibt normalerweise Daniel-Pascal Zorn. Nach seinem Text über Selbst-Viktimisierung hat die Soziologin Paula-Irene Villa (Braslavsky) einen Gastbeitrag zur Selbst-Heroisierung verfasst. Die Autorin hat den Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Gender Studies an der LMU München inne. 

Wie in dieser Kolumne und auch anderweitig bereits trefflich analysiert, erfreut sich die rhetorische Strategie der Selbst-Viktimisierung medial und politisch derzeit besonderer Beliebtheit. Sie beinhaltet im Kern, sich ohne Differenzierung und jenseits von Fakten oder nachvollziehbarer Praktiken – letztlich also nicht selten schlicht gelogen – als Opfer einer Übermacht zu inszenieren, der man (meist viel zu lange schon) ausgeliefert sei. Den ganzen Artikel lesen

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Die Philosophie des Eierkraulens

Die Philosophie des Eierkraulens

Wie kann man sich nur vor Fernsehkameras an den Eiern kraulen – und dann auch noch an der eigenen Hand schnüffeln? Das fragen sich seit einigen Tagen alle, die dieses Video von Bundestrainer Jogi Löw gesehen haben. Und das sind weltweit eine ganze Menge. Zu sehen ist, wie der deutsche Bundestrainer am Spielfeldrand gründlich in seiner Bügelfaltenhose herumstochert und die Hand anschließend an die Nase führt. Das ist unappetitlich und unangemessen. Dennoch ist es nicht nur die Handlung selbst, die den Vorfall so brisant macht. Vielmehr staunt die Welt darüber, dass sich der Bundestrainer so verhält, als säße er unbeobachtet zu Hause auf der Couch, obwohl er stattdessen vor Millionen von Zuschauern steht.

Dabei müsste Jogi Löw eigentlich ein Medienprofi sein. Seit 2006 trainiert er die deutsche Nationalmannschaft, unter seiner Führung wurden wir Weltmeister. Wie viele Live-Interviews, Nachgespräche, öffentliche Trainings und Länderspiele muss ein Mensch absolvieren, um zu wissen, dass alles genauestens beobachtet wird, was er tut?

Wie Lukas Podolski in seiner direkten Art anmerkt, kraulen sich wahrscheinlich viele Männer mal an den Eiern. Allerdings zu Hause, nicht im Fernsehen. Die klare Trennung zwischen einer öffentlichen und einer privaten Sphäre ist für unser Leben von fundamentaler Bedeutung. Dabei bedingen sich beide gegenseitig: »Ohne das Private lässt sich das Öffentliche nicht denken« schreibt der Berliner Philosoph Volker Gerhard. Öffentlichkeit sei die Grundbedingung, in der sich das menschliche (Zusammen-)Leben entfalte. Genauso brauchen wir den privaten Raum, der uns vor dem Licht der Öffentlichkeit verbirgt, damit wir ganz bei uns selbst sein können (was auch immer das bei Jogi Löw konkret bedeutet).

Mit dem Internet hat sich eine Öffentlichkeit gebildet, die sich für viele oft ganz privat anfühlt. Man sitzt alleine vor dem Rechner,  während man gleichzeitig Informationen mit der ganzen Welt teilt. Je mehr man sich im Netz bewegt, desto leichter vergisst man spontan seine Öffentlichkeit – und gibt eventuell ganz persönliche Sachen preis. Das kann ein intimer Post auf Facebook sein oder der Besuch einer Pornoseite, was ebenfalls Spuren im Netz hinterlässt. Vielleicht ist Jogi Löws Eierkrauler das Ergebnis eines ähnlichen Prozesses: Einerseits hat sich im Zuge der EM das mediale Interesse an seiner Person enorm erhöht. Kameras beobachten jeden seiner Schritte, vom Training ins Hotel bis in die Coaching-Zone. Mit der Gewöhnung an diese Form der Öffentlichkeit schwand sein Bewusstsein für sie. Gleichzeitig verkleinern sich für Löw durch die ständige Beobachtung die für jeden Menschen essentiellen privaten Räume. Kombiniert man das mit dem Druck durch einen nicht gerade exzellenten Auftritt der deutschen Mannschaft, ist es vielleicht plötzlich nicht mehr so abwegig, sich spontan ganz privat zu verhalten. Jedem, der im Netz schon mal etwas getan hat, was er nicht unbedingt auf einem Marktplatz tun würde, ist im Grunde etwas Ähnliches passiert – auch wenn dabei (hoffentlich) keine Eier im Spiel waren.

Robin Droemer

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Der Markt soll Verantwortung für die Philosophie übernehmen

Universitätsprofessor Peter Trawny antwortet auf den letzten Beitrag von HOHE LUFT-Chefredakteur Thomas Vašek und macht konstruktive Vorschläge, wie sich die Sphären von Philosophie und Markt auf fruchtbare Weise verbinden lassen könnten. Alle Beiträge zur Debatte um die Popularisierung der Philosophie finden Sie unten. 

Ich teile mit Thomas Vašek die Ansicht, dass die Philosophie eine Öffentlichkeit braucht. Diese Öffentlichkeit entspringt der Philosophie selbst, dieser spezifischen Denkform. Niemand ist von ihr ausgeschlossen. Jede und jeder, die und der ihre Voraussetzungen anerkennt, ist eingeladen. Ja, sogar der oder die, der oder die sie nicht anerkennen kann oder will, wird aufgerufen, sich an ihr zu beteiligen. Eine zentrale Voraussetzung dieser Öffentlichkeit ist übrigens, dass ihr Öffentlichsein nicht beeinträchtigt werden darf. Ich sehe z.B. bei Hannah Arendt und natürlich in der „Kritischen Theorie“ ein Interesse an ihrer theoretischen Ausarbeitung.    Den ganzen Artikel lesen

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Die rhetorischen Spielchen der AfD

Die Fußball-Europameisterschaft beginnt in dieser Woche – und Alexander Gauland von der AfD hat, passend dazu, einen Kommentar abgegeben. Angeblich auf Nachfrage von Journalisten der FAS (Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung) erklärte er: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Zwei unverfängliche Sätze, in denen Gauland außerdem gar nicht selbst spricht, sondern scheinbar nur referiert, was „die Leute“ finden und haben bzw. nicht haben wollen. Etwas seltsam klingt nur die Formulierung „ein Boateng“ – denn in der Fußballnationalmannschaft spielt ja nur ein Boateng – Jérôme Boateng eben. Den „die Leute“ als Fußballspieler, so Gauland, gut finden. „Einen Boateng“ wollen sie aber „nicht als Nachbarn haben“. Den ganzen Artikel lesen

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HOHE LUFTpost – Ich kann das, ich darf das, ihr nicht

HOHE LUFTpost vom 03. Juni 2016: Ich kann das, ich darf das, ihr nicht

Letzthin hätte ein Autofahrer mich beinah vom Rad geholt. Er telefonierte gerade am Handy. Zahlreiche Studien zeigen, dass der Gebrauch von Mobiltelefonen beim Autofahren die Unfallgefahr deutlich erhöht. Eine Untersuchung amerikanischer Psychologen wirft ein neues Licht auf die Angelegenheit: Eine große Mehrheit der Autofahrer unterstützt ein Verbot von Handys am Lenkrad – und eine große Mehrheit der Autofahrer ist überzeugt, dass sie selbst sicher fahren können, während sie telefonieren. Bei anderen ist es vor allem gefährlich, bei sich selbst ist es vor allem praktisch, man kann noch ein paar Dinge erledigen und die Kontakte zu Freunden pflegen. Das klingt nach systematischer Selbstüberschätzung. Ich glaube jedoch, es steckt etwas anderes dahinter. Bei der Betrachtung unseres eigenen Tuns – nicht nur beim Telefonieren im Auto – sehen wir andere Aspekte im Vordergrund als bei der Betrachtung der Handlungen anderer: den potenziellen Nutzen statt des Risikos. Dieser Asymmetrie sollten wir uns bewusst sein, und nicht vergessen, uns in den richtigen Momenten in die Schuhe unserer Mitmenschen zu versetzen.

– Tobias Hürter

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Nerven Internet-Debatten? Pro & Contra

Das Netz verändert unsere Diskussionskultur von Grund auf. Rasend schnell werden dort Themen aufgegriffen, verhandelt und bewertet, jeder kann mitmachen – egal, ob er etwas zu sagen hat oder nicht. Vergiftet das den Diskurs? 

Ja, meint HOHE LUFT-Chefredakteur Thomas Vašek.
Wenn alle gleichzeitig reden, ist kein Gespräch mehr möglich.

Nein, sagt HOHE LUFT-Redakteurin Greta Lührs.
Diese Debatten müssen sein, wenn man Demokratie ernst nehmen will.

Hier finden Sie die Pro & Contra-Meinungen aus dem aktuellen Heft (04/16 »Die Zeit ist knapp«) in voller Länge.

Was halten Sie von Netz-Debatten? Wir freuen uns auf Ihre Meinungen!

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HOHE LUFTpost – Gesellschaft oder Gesellschaften?

HOHE LUFTpost vom 27.05.2016: Gesellschaft oder Gesellschaften? 

Am Anfang letzter Woche kamen zwei politische Ereignisse zusammen, die in dieselbe, bedenkliche Richtung weisen. In der Wahl zum österreichischen Staatspräsidenten unterlag der Rechtspopulist Norbert Hofer von der FPÖ nur um Haaresbreite dem von einem breiten Bündnis der übrigen politischen Kräfte unterstützten Kandidaten Alexander Van der Bellen. Und in Berlin kam die AfD-Vorsitzende Frauke Petry mit dem Zentralrat der Muslime zusammen – für nicht einmal eine Stunde, dann ließ Petry das Gespräch platzen. Noch kläglicher war ein Gesprächsversuch von Hofer und Van der Bellen gescheitert, bei einem unmoderierten Fernsehduell blieben sie gerade mal 20 Minuten sachlich, dann brachten sie bloß noch Beschimpfungen und Polemik hervor.
Das verheißt nichts Gutes für die Wahlkämpfe, die da kommen: US-Präsidentschaft 2016, deutscher Bundestag 2017. Wenn die konkurrierenden politischen Kräfte gar nicht mehr ernsthaft miteinander reden wollen, steht eine wichtige Voraussetzung einer funktionierenden Demokratie in Frage. Solange die Zickereien kalkulierte Inszenierungen von Berufspolitikern sind, hält der Schaden sich in Grenzen. Sollten sie aber Symptome für eine tiefere Entwicklung sein, dann wird es wirklich gefährlich: Wenn unsere Gesellschaft in Gesellschaften zerfällt, die einander nicht mehr verstehen.

– Tobias Hürter

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Na logisch! Die Selbst-Viktimisierung

Kolumne von Daniel-Pascal Zorn über Logik, Rhetorik und Argumentationstheorie. Heute: Die Selbst-Viktimisierung

In dieser Kolumne bespreche ich normalerweise argumentationslogische Fehlschlüsse, wie sie in der logischen Tradition bis heute überliefert werden. Dieses Mal möchte ich mich mit einer Strategie beschäftigen, die eine Besonderheit aufweist: Sie basiert zwar auf einem fehlschlüssigen Schema (mehr dazu unten). Aber genau dieses Schema sorgt dafür, dass diese Strategie nur sehr selten als problematisch erscheint. Sie wird dadurch zu einer der gebräuchlichsten Weisen, sich mit einem Fehlschluss ins Recht zu setzen – jeder von uns hat sie schon einmal, in der einen oder anderen Weise, angewendet. Den ganzen Artikel lesen

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