Curiosa Kolumne Wissenschaft

Die tiefe Schönheit der Natur

Kolumne »Schöne Gedanken« Physik und Schönheit – für viele Menschen ist das kein harmonisches Paar. Doch für die besten Physiker ist Schönheit eine wichtige Wegweiserin […]

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Gesellschaft HOHE LUFTpost Kolumne

HOHE LUFTpost – Prostitution

HOHE LUFTpost vom 21.08.2015: Prostitution Deutschland hat ein ziemlich freizügiges Prostitutionsgesetz. Seit Jahren wird über eine Novellierung diskutiert. Die große Koalition hat sich das 2013 […]

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HOHE LUFTpost – Hitchbot

HOHE LUFTpost vom 14.08.2015: Hitchbot

Die Aufregung war groß, als letztes Jahr die Giraffe Marius im Kopenhagener Zoo getötet wurde. Eine Welle der Empörung und der Mitgefühls mit dem Tier ging um die ganze Welt.
Nun ist wieder etwas Ähnliches geschehen: Der autonome Roboter Hitchbot wurde auf seiner Tour durch die USA per Anhalter von Unbekannten misshandelt und geköpft. Ein Rettungsversuch kam zu spät, die kleine Maschine war nicht mehr reparabel. Wieder war das Internet voller Mitgefühl.
Mitgefühl? Mit einem – ausgesprochen einfach konstruierten – Roboter? Im strengen Sinn geht das natürlich nicht. Wir wissen nicht, wie es ist, ein Roboter zu sein. Wir wissen aber auch nicht, wie es ist, eine Giraffe zu sein. Ganz strenggenommen wissen wir bei keinem anderen Menschen, wie es ist, sie oder er zu sein. Und dennoch reden wir sinnvollerweise von Mitgefühl. Offenbar hängt das weniger vom Mitgefühlten als vom Mitfühlenden ab.

– Tobias Hürter

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Was nützt die Nutzenfrage?

Prognosen über den Arbeitskräftemangel in Deutschland, verursacht durch den demografischen Wandel, begegnen einem gerade in den Beiträgen zur Flüchtlingsdebatte. Werden nicht in den nächsten Jahren tausende Arbeitskräfte aus dem Ausland hinzugezogen, haben wir hier höchstwahrscheinlich ein großes Problem, sagen die Zahlen. Sie werden von den Verfassern verwendet, um auf den volkswirtschaftlichen Nutzen hinzuweisen, den Deutschland aus denen ziehen kann, die hier Zuflucht suchen vor Krieg, Verfolgung, Hunger und Tod. Aber kann die Frage, welchen Nutzen Flüchtlinge bringen, dafür relevant sein, ob sie Hilfe verdienen? Den ganzen Artikel lesen

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HOHE LUFTpost – Das Gebot der Kurzweiligkeit

HOHE LUFTpost vom 07.08.2015: Das Gebot der Kurzweiligkeit

So gut wie jeder Mensch kennt die Situation: Man hängt in einem Gespräch fest. Der Gesprächspartner erzählt langatmig irgendetwas, das einen überhaupt nicht interessiert. Man fühlt sich zunehmend gelangweilt, sucht immer dringender nach einem Ausweg, wird innerlich immer ungeduldiger und ärgerlicher.
Es ist ja auch wirklich eine ärgerliche Situation. Nur, auf was ist man da gerechtfertigterweise ärgerlich? Tut man dem Anderen Unrecht, wenn der Ärger sich gegen ihn richtet? Er tut doch nicht mehr, als etwas erzählen, scheinbar ohne böse Absicht.

Dennoch bin ich überzeugt, dass es in vielen solchen Situationen OK ist, ärgerlich auf sein Gegenüber zu sein. Ein Gespräch ist eine soziale Situation. Darin hat jeder die Pflicht, das Wohlergehen der anderen zu berücksichtigen. Also auch, darauf zu achten, ob die eigene Rede zum Wohlbefinden der anderen beiträgt. Du sollst die anderen nicht langweilen – das ist eines der Gebote für gelungene Gespräche.

Daraus schließe ich, dass es in solchen Lagen gerechtfertigt ist, auch mal den schnellen, abrupten Ausweg zu nehmen. Umgekehrt ist es aber auch eine Erinnerung, das Gebot der Kurzweiligkeit selbst zu beherzigen.

– Tobias Hürter

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HOHE LUFTpost – Das fliegende Spaghettimonster und die GEZ

HOHE LUFTpost vom 31.07.2015: Das fliegende Spaghettimonster und die GEZ

Muss Gott Rundfunkgebühr bezahlen? Nein, wenn es nach dem Rundfunkstaatsvertrag geht. Darin steht, dass Betriebsstätten, die gottesdienstlichen Zwecken dienen, von der Gebühr befreit sind. Ein schlauer Münchner Unternehmer weihte daraufhin sein Büro mit Nudelwasser dem »Fliegenden Spaghettimonster«, einer aus den USA stammenden Gottesparodie, und wollte ebenfalls von der Rundfunkgebühr ausgenommen werden. Diese Woche wurde die Sache vor Gericht entschieden. Urteil: Die Anbetung des Spaghettimonsters enthebt nicht von der Rundfunkgebühr, im Gegensatz zum christlichen Gott.

So ganz ernst meinte der Unternehmer seine Aktion nicht. Doch sie hat einen tiefernsten Hintergrund: Was kann als Religion gelten? Warum das Christentum und nicht der Glaube ans Fliegende Spaghettimonster – da doch die Geschichten, die gläubige Christen erzählen, manchen Außenstehende nicht weniger absurd scheinen? Das Gericht sprach etwas hilflos von einem »gesellschaftlichen Konsens«, der zum Christentum bestehe, nicht aber zum Spaghettimonster. Ich glaube jedoch, der Unterschied liegt tiefer. Das Spaghettimonster ist einfach ausgedacht, und zwar von einem humorvollen Amerikaner namens Bobby Henderson. Der christliche Gott ist nicht ausgedacht. Selbst wenn er ein Irrtum ist, haben die Gläubigen ihn gefunden, nicht geschaffen. Es ist daher gerechtfertigt, einen Unterschied zwischen Gott und dem Spaghettimonster zu machen.

Aber es gibt noch eine zweite Frage: Ist es am Staat, diesen Unterschied zu machen? Warum sollen die einen Rundfunkgebühr zahlen, die anderen nicht? Warum zieht der Staat Kirchensteuer ein, aber keine Spaghettisteuer? Mir fällt kein guter Grund ein.

– Tobias Hürter

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HOHE LUFTpost – Über Moral lässt sich streiten

HOHE LUFTpost vom 24.07.2015: Über Moral lässt sich streiten

Was halten Sie von Ehrenmorden? Richtig oder falsch? Wahrscheinlich falsch – hoffentlich! Aber wie begründen Sie es? Wie würden Sie versuchen, jemanden aus einer traditionell islamischen, von der Sharia-Gesetzgebung geprägten Gesellschaft davon zu überzeugen, dass Ehrenmorde nicht OK sind?

Oder grundsätzlicher gefragt: Lässt sich über Moral sinnvoll diskutieren? Die Philosophen sind da geteilter Meinung. Empiristen wie David Hume waren überzeugt, dass die Moral ihrem Wesen nach subjektiv ist, dass also moralische Urteile letztlich auf einem Moralgefühl gründen, das man halt hat oder nicht. Immanuel Kant hingegen versuchte, die Moral mit raffinierten Argumenten in der Vernunft zu verankern – wobei ich bezweifle, ob sie die Ehrenmord-Frage befriedigend lösen würden.
Der amerikanische Philosoph Alex Rosenberg betrachtete all dies kürzlich in einem Artikel auf der Website der New York Times und kam zu dem Schluss: Über Moral lässt sich nicht streiten.

Ich muss Rosenberg widersprechen. Was wäre eine Moral wert, über die sich nicht streiten ließe? Ich bin überzeugt, dass es sinnvoll ist, mit Muslimen darüber zu streiten, ob ein Mord ein geeigneter Weg ist, einen Ehrenkonflikt zu lösen – vorausgesetzt, sie sind ebenfalls bereit, darüber zu streiten. Die Basis dafür liegt weder im Gefühl noch in der Vernunft, sondern darin, dass wir alle zivilisierte Menschen mit gemeinsamen Werten sind.

– Tobias Hürter

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Verändern wir die Welt! – Philosophisches Manifest

Unter dem Titelthema der neuen Ausgabe „Mutig, weiblich, wichtig – Manifest für eine Philosophie, die uns bewegt“ haben wir in zehn Punkten zusammengefasst, wie unserer Ansicht nach eine relevante, moderne Philosophie aussehen sollte. Uns interessiert, wie Sie darüber denken. Welche Erwartungen haben Sie an zeitgemäße Philosophie? Welche Rolle sollte sie in der Gesellschaft spielen?

Das ganze Manifest können Sie nun hier lesen und uns in den Kommentaren, auf Facebook oder Twitter Ihre Meinung dazu sagen. Wir freuen uns sehr über zahlreiche Stimmen und sind gespannt auf Ihre Ideen und Vorschläge für eine Philosophie, die uns alle angeht und bereichert.

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Mutig, weiblich, wichtig – das neue Heft ist da!

Mutig, weiblich, wichtig – Manifest für eine Philosophie, die uns bewegt 

HoheLuft0515_CoverWas soll Philosophie heute leisten? Moderne Philosophie ist für uns weder rein akademischer Diskurs noch ein weiterer Ableger der Wellness-Industrie. Vielmehr lässt sie uns die wirklich wichtigen Fragen für unser Zusammenleben stellen, regt uns an, die Dinge zu hinterfragen und neu zu denken.
Unser Titel widmet sich darum dieses Mal einem Manifest für eine zeitgemäße Philosophie, die sich selbst als wichtigen Teil der Gesellschaft versteht und keine Angst hat, sich einzubringen.

Weitere Themen dieser Ausgabe: Fokus Nachhaltigkeit – Was bedeutet es, nachhaltig zu leben? Die Vernunft auf dem Prüfstand, der kosmopolitische Philosoph Kwame Anthony Appiah im Interview, Über das Eigentum, das Schicksal des Mittelalter-Philosophen Peter Abaelard, Stoiker vs. Epikureer. Plus: 14 Seiten Themenschwerpunkt über den wohl einflussreichsten Denker der abendländischen Philosophie Immanuel Kant.

Hier geht’s zum Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 5/15.

Hier können Sie das Heft versandkostenfrei bestellen.

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HOHE LUFTpost – Veganismus und das gute Gewissen

HOHE LUFTpost vom 17.07.2015: Veganismus und das gute Gewissen

Essen Sie Fleisch? Eier? Tragen Sie Leder? Der Veganismus gewinnt derzeit merklich an Anhängern. Im Gegensatz zur Vegetarier-Bewegung von früher stehen dabei oft ethische Gründe im Vordergrund, nicht die Gesundheit. Wer Fleisch konsumiert, unterstützt Massenschlachtungen. Wer Eier isst, finanziert die industrielle Haltung von Hühnern. Kurz gesagt: Wer tierische Produkte kauft, vermehrt das Leid in der Welt. Und Leid ist schlecht. Folglich ist Veganismus gut.

Einfach, oder? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Denn nicht immer führt der Konsum tierischer Produkte zu vermehrtem Leid. Man kann sich Eier von wirklich glücklichen Hühnern in die Pfanne hauen. Man kann Milch von Kühen trinken, die auf saftigen Bergweiden leben. Oder Insekten essen, die nach der Auffassung von Biologen gar nicht in der Lage sind, Schmerzen zu empfinden.

Ethischer Veganismus ist zunächst mal ein erfreuliches Phänomen. Doch so richtig überzeugt er mich nur, wenn er konsequent ist in seiner ethischen Ausrichtung – und wenn er Teil eines Lebensstils ist, der auch in anderen Bereichen so konsequent ist in seiner Vermeidung von Leid. Darf ein strikter Veganer mit dem Auto zur Arbeit fahren? Ich bezweifle es. Aber gleichzeitig denke ich mir: Es ist immer noch besser, inkonsequent ethisch zu sein, als gar kein Gewissen zu haben.

– Tobias Hürter

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HOHE LUFTpost – Doping und Sportkultur

HOHE LUFTpost vom 10.07.2015: Doping und Sportkultur

Die Tour de France rollt wieder durch Frankreich, wie immer begleitet von der Frage: Sind die denn jetzt sauber? Immerhin scheint die Zahl der erwischten Doper zurückzugehen. Aber wenn man den Experten glauben kann, dann wird munter weitergedopt, nur eben etwas geschickter, knapp unter der Nachweisgrenze.

Wie kann man diesen Missstand aufräumen? Gar nicht, sagt der australische Philosoph Julian Savulescu. Er plädiert dafür, Doping freizugeben. Sein Hauptargument ist, dass es keine schlüssige Definition von Doping gebe. Es gebe harmlose Mittel, die verboten sind, und schädliche, die erlaubt sind. Das Antidoping-System sei großteils Willkür.

Ich sehe das anders. Es gibt faire Leistungssteigerung und unfaire. Die Rennfahrer müssen unter vergleichbaren Voraussetzungen starten. Wer sich einen pharmazeutischen Vorteil zu erschleichen versucht, muss bestraft werden. Ich sehe allerdings auch, dass die Verlockung zum Doping so gewaltig ist, dass die Fahrer nicht ohne weiteres davon abzubringen sind.

»Im Radsport ist kein Platz für Ethik«, zitiert Savulescu die Fahrer. Dann brauchen wir einen Radsport, in dem Platz für Ethik ist. In dem nicht einzig und allein der Sieg zählt, sondern auch die sportliche Haltung, die Persönlichkeit, die spannende Geschichte. In dem auch die Underdogs in den Medien vorkommen, und auch die Rookies eine Chance auf gute Sponsorenverträge haben. Wir brauchen eine bessere, menschliche Sportkultur. Dann, so glaube ich, löst sich auch das Dopingproblem.

– Tobias Hürter

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HOHE LUFTpost – Die Schuldenfrage

HOHE LUFTpost vom 03.07.2015: Die Schuldenfrage

Die Europäische Union steckt in einer beispiellosen Krise, und schuld sind die Schulden. Die Geberländer haben Griechenland Geld geliehen, und Griechenland zahlt nicht zurück. Einfache Angelegenheit, oder?

Aber näher betrachtet sind Schulden alles andere als eine einfache Angelegenheit. Der amerikanische Ethnologe David Graeber, der an der London School of Economics lehrt, hat ein dickes Buch darüber geschrieben: “Schulden – die ersten 5000 Jahre”. Darin legt er dar, wie tief unsere Gesellschaft vom Konzept der Schulden geprägt ist. Nicht nur der Handel, sondern auch Institutionen wie Familie und Freundschaft, Staat, Gesetz und Religion sind in der uns bekannten Form nicht ohne Schulden denkbar.

Graebers These ist, dass ein gutes, menschliches Zusammenleben nur funktioniert, wenn die Beteiligten nicht ständig in Begriffen von Schulden denken. Zum Beispiel bei der Reparatur einer Wasserleitung. Wenn dabei einer sagt »Reich mir die Zange«, dann wird der andere nicht antworten »Und was kriege ich dafür?«, sondern ihm ohne weiteres die Zange geben. Gemeinschaft lebt von spontanem Geben und Nehmen. Schulden schaffen ein ganz anderes Klima. Sie sind ein Machtinstrument.

In größerem Maßstab ist das der aktuelle Konflikt in der EU: Gemeinschaftlichkeit und ökonomische Logik stehen gegeneinander. Ich hoffe, den verantwortlichen Politikern gelingt, beides zu versöhnen.

– Tobias Hürter

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