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Na logisch! Der psychologistische Fehlschluss

Daniel-Pascal Zorn schreibt in seiner Kolumne »Na logisch!« über Rhetorik, Logik und Argumentationstheorie. Heute: Der psychologistische Fehlschluss

Wer den öffentlichen Diskurs in den vergangenen Monaten beobachtet hat, dem konnte eine Entwicklung nicht verborgen bleiben: Die gegenseitige Zuschreibung von ideologischen Haltungen als Kampfmittel in der rhetorischen Auseinandersetzung. Mittlerweile vergeht kein Tag auf Facebook, an dem man nicht von „rechtsbraunverdrehten Nazis“, „linksgrünversifften Gutmenschen“ oder anderen seltsamen Konstruktionen lesen kann, die die Leute sich in einer beliebigen Kommentarspalte gegenseitig an den Kopf werfen. Die Welt, sie scheint eingeteilt in feste ideologische Positionen – davon profitieren dann immer die, die immer profitieren, wenn es um Alles oder Nichts gehen soll.

Doch nicht nur ideologische Zuschreibungen haben den öffentlichen Diskurs erobert. Allenthalben bezeichnen sich die Gesprächsteilnehmer als „psychisch krank“ oder als „vollkommen gestört“. Sie hängen sich gegenseitig pseudowissenschaftlich begründete psychiatrische Diagnosen an oder simulieren Gelehrsamkeit, indem sie die Abweichung einer Meinung von ihrer eigenen, vermeintlich fachmännisch, mit psychoanalytischem Blick bewerten. Überhaupt bietet die Psychoanalyse ein bequemes Schema an, um sich dem Anderen gegenüber uneinholbar ins Recht zu setzen: Akzeptiert er die Diagnose nicht, kann man eben diese Ablehnung wieder auf die diagnostizierte Krankheit schieben.

In solchen Bezugnahmen auf die Psyche des Gegenübers steckt allerdings ein Fehlschluss. Er beruht darauf, dass wir von der Äußerung unseres Gegenübers auf einen von uns konstruierten Ursprung dieser Äußerung schließen. Wir nehmen also ein Argument und machen es zum Symptom eines psychischen Zustandes. Wir schließen von der Äußerung auf eine generelle psychische Disposition oder eine ideologische Einstellung.

Wir setzen Grenzen durch psychologische Zuschreibungen

Der Effekt dieses Fehlschlusses besteht darin, dass wir unser Gegenüber tendenziell nicht mehr als gleichberechtigten Teilnehmer ernst nehmen müssen. Wir haben ihm, durch unsere psychologische Zuschreibung, Grenzen gesetzt. Und weil alles, was er sagen wird, von diesem Zeitpunkt an für uns nur noch in diesen Grenzen erscheint, haben wir, so scheint es uns, ihm gegenüber einen Vorteil gewonnen. Er versetzt uns nicht nur in die Lage, jede weitere Äußerung als Bestätigung unserer Diagnose zu nehmen. Wir können ihn auch dafür verantwortlich machen, was wir ihm mit unserem psychologistischen Pappkameraden zugeschrieben haben.

Wer Argumente vorbringt, die wir als „sozialistisch“ definiert haben, den machen wir verantwortlich für die Gräuel der stalinistischen Säuberungen. Wer so argumentiert, dass er uns als „Nazi“ erscheint, bei dem steckt der Wille zum Völkermord dahinter. Wer sich als Frau gegen den Vorwurf verteidigt, „hysterisch“ zu sein, scheint mit dieser Verteidigung den Vorwurf nur umso mehr zu bestätigen. Und wer in einer Gesprächssituation ein Argument vorbringt und dabei zufällig als Mann mit einer Frau diskutiert, der sieht sich dem Vorwurf des „mensplaining“, eines herablassenden und herabwürdigenden Erklärverhaltens älterer Herren ausgesetzt.

Was uns in diesen extremen Formen als polemische Strategie erscheint, basiert allerdings zunächst auf einem gebräuchlichen Verständnis des gemeinsamen Gesprächs, das von der Wahrnehmung der eigenen Erfahrung ausgeht. Jeder kann sich stillschweigend Gedanken machen, ohne sie aussprechen zu müssen. In unserer privaten Gedankenwelt überlegen wir uns dies und das, finden zu festen Überzeugungen oder zweifeln an uns. Nichts davon teilen wir mit – so entsteht der Eindruck einer privaten Hinterwelt, eben einer Welt der Psyche. Wenn wir dann mit anderen Menschen sprechen, gehen wir davon aus, dass sie dieselbe Wahrnehmung teilen – jeder von uns nimmt also vom anderen eine Welt der Psyche an, für die die Welt der Sprache, des gemeinsamen Gesprächs, nur Ausdruck und Vehikel ist. Anders gesagt: Was jemand sagt, das erscheint uns – von unserer Selbstwahrnehmung her – auch als Abbild seiner eigenen, privaten Welt.

Die private Hinterwelt ist in unserer Erfahrung immer da. Wir können nachdenken, ohne jemals etwas sagen zu müssen. Aber wir können nicht nicht nachdenken. Wenn wir das versuchen, haben wir schon wieder nachgedacht. Wir können freilich versuchen, uns auf etwas Besonderes zu konzentrieren und so dem ‚monkey mind‘, wie die Buddhisten unsere Plappermaschine im Kopf nennen, einen Job geben. Aber trotzdem bleibt eine Aufmerksamkeit darauf, dass wir eine Aufmerksamkeit auf etwas richten.

Der psychologistische Fehlschluss verabsolutiert die Selbst- und Fremdwahrnehmung

Weil wir die private Hinterwelt als etwas wahrnehmen, was immer schon bei uns ist, kommt sie uns wie eine Sache vor. Denn auch Gegenstände erscheinen uns als immer schon da – bevor ich sie wahrnehme und nachdem ich sie wahrgenommen habe. So schließen wir von unserem Verhältnis, das wir still zu uns selbst einnehmen können, auf eine Sache, die so und so ist. Und dann schließen wir von uns auf andere.

Der psychologistische Fehlschluss heißt nun aber psychologistisch, weil er diese Selbst- und Fremdwahrnehmung verabsolutiert. Er geht davon aus, dass das Psychische, die als unmittelbar wahrgenommene Selbstwahrnehmung – oft auch ausgedrückt in Instanzen wie Gespür, Spürsinn, ahnendes Gefühl und dergleichen – bei jedem Menschen immer die Grundlage bildet. Aus dieser Sicht ist der Einsatz von Logik und Argumentation immer nur Ausdruck einer tiefer liegenden psychologisch beschreibbaren Schicht. Der psychologistische Fehlschluss basiert also auf dem dogmatischen Fehlschluss, dass eine mögliche Beschreibung des reflexiven Selbstbezugs von vornherein die einzig mögliche oder grundlegende ist. Wer einen psychischen Vollzug beschreibt, der tut so, als sei das die einzig authentische Weise, über das zu sprechen, was jeder immer schon voraussetzen muss.

Der Fehlschluss wird dadurch aufgelöst, dass man darauf hinweist, dass auch eine psychologische Beschreibung eine psycho-logische Beschreibung sein muss. Das heißt, dass sie vor jeder Thematisierung eines Inhalts als Psyche oder psychischen Vollzug logische Verhältnisse und Gesetze vorausgesetzt haben muss. Um für den Gegenstand der Psychologie zu argumentieren, muss man eben argumentieren. Und wer diesem Befund widerspricht, der hat die logische Ordnung von Argument und Gegenargument ebenso vorausgesetzt, wie das logische Prinzip des ausgeschlossenen Selbstwiderspruchs.

Dass sich der psychologistische Fehlschluss auch im öffentlichen Diskurs so hartnäckig durchgesetzt hat, liegt aber wahrscheinlich nicht nur an der scheinbaren Evidenz der beschriebenen Selbsterfahrung. Diese Selbsterfahrung kann sich nämlich auf ständig aktualisierte Forschungsergebnisse der Psychologie und Kognitionswissenschaften berufen. Auch in diesen Wissenschaften gibt es aber Unterschiede. Es gibt Forscher, die ihre Perspektive ernst nehmen und ihre Grenzen anerkennen. Sie wissen, dass eine bestimmte Blickrichtung nicht gleich alle anderen dominieren muss, nur weil man sie selbst gewohnt ist. Es gibt aber auch Forscher, die den psychologistischen Fehlschluss zum Ausgangspunkt ihrer Forschungen machen. So bieten sie fatalerweise eine wissenschaftliche Legitimation für diesen Fehlschluss an.

Wir dürfen ein Argument nicht von vornherein als Ausdruck der psychischen Verfassung deuten

Für die psychologische Beschreibung des Menschen gilt also, was auch für die empirische Beschreibung gilt: sie ist eine mögliche, aber nicht die einzig mögliche Beschreibung. Sie kann Motivationen, Emotionen und Probleme beschreiben, die Menschen mit sich und anderen haben. Aber was beschrieben wird, das ist, nur weil es reflexiv ist, nicht deswegen schon Grundlage von allem anderen. Was psychologisch beschrieben wird, das muss außerdem wissenschaftlich und methodisch gesichert beschrieben werden. D. h. es muss immer den Zweifel zulassen, dass die Beschreibung falsch oder nicht zutreffend ist.

Der psychologistische Fehlschluss verweist uns darauf, dass wir das Argument unseres Gegenübers nicht von vornherein als Ausdruck seiner psychischen Verfassung deuten dürfen. Tun wir das, widersprechen wir uns selbst: wir schwingen uns zu seinem Therapeuten auf und wollen zugleich, dass er unserem Urteil zustimmt, obwohl wir ihn durch dieses Urteil soeben entmündigt haben. Vielleicht sollte das psychologische Urteil, wenn es nicht wissenschaftlich abgesichert ist, also besser dort bleiben, wo es hergekommen ist: in den stillen Gedanken, die man sich macht, die man aber nicht ausspricht.

22 Kommentare

  1. Max von Karais sagt

    Wie immer sehr interessant und aufschlussreich. Alle Folgen dieser Kolumne sollten irgendwann zu einer Art Standardwerk zusammengebunden werden.

  2. Sehr interessant.
    Ich bezweifele aber deinen Annahme und das Argument, dass eine Befreiung vom Denken prinzipiell nicht möglich sei. Wenn man sich die beschriebenen Erfahrungswelten von Yogis beispielsweise anschaut, dann berichten sie von Einheitserfahrungen jenseits des Denkens. Meine Vermutung ist ,dass du selber hier ein Fehlschluss begehst- nämlich den Schluss von deiner Person auf einen allgemeinen Sachverhalt. Wenn dem nicht so sein sollte- wie willst du beweisen und bloß spekulieren, dass es ein Zustand jenseits des Denkens nicht gibt????

  3. Sören Saldiani sagt

    der schwächste Beitragg bisher in der grundsätzlich interessanten Reihe: hier begeht der Autor selbst Fehler, die in den Kolumnen zuvor bemängelt hat. So degradiert er zum Beispiel durchaus sinnvolle Spekzulationen über die psychischen Gründe oder impliziten Motivationen von Aussagen zu „dogmatischen Urteilen“ – mindestens Pappkamerad.
    Woher nimmt er ausserdem die „autorität“ uns darauf zu verweisen, dass wir ein Argument nicht als Ausdruck einer geistigen verfassung nehmen dürfen? Natürlich dürfen wir, es ist nämlich vielmehr umgekehrt anzunehmen, dass jedes Argument mit einer „pschischen Verfassung“ korreliert. Allein welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind, wäre die Fragestellung. (bzw darf man niemals ein Argument auf die ps V reduzieren).
    So gedeutet versucht der Autor jede Zuschreibung psychischer Verfassung abzuwehren. Welche Angst steckt dahinter? Zuschreibungen psychischer Verfassung sind auch diskutierbar und kommen nicht mit Verdikten überein. Das als „Aufschwingen zu einem Therapeuten“ zu lesen ist – ist das nicht „slippery slope“? Davom abgesehen kann auch ein Urteil Arbeitshypothese sein, ist jedenfalls in keinem Fall automatisch mit „Entmündigung“ gleichzusetzen. Ein weitere logischer Fehler.
    Auch suggeriert der Artikel („d.h.“), dass nur was wissenschaftlich gesichter sei, Zweifel zuließe.

    • Vielen Dank für Ihren Beitrag.

      „So degradiert er zum Beispiel durchaus sinnvolle Spekzulationen über die psychischen Gründe oder impliziten Motivationen von Aussagen zu ‚dogmatischen Urteilen'“ – Sie verwechseln die Beschreibung von Spekulationen über psychische Gründe oder implizite Motivationen ALS dogmatische Urteile – also die Annahme, dass die eigene Spekulation schon gilt – mit der pauschalen Beurteilung solcher Aussagen. Insofern ist das, was Sie als einen Pappkameraden wahrnehmen, leider selbst einer – vgl. „Der psychologistische Fehlschluss heißt nun aber psychologistisch, weil er diese Selbst- und Fremdwahrnehmung verabsolutiert [!].“

      „Woher nimmt er ausserdem die ‚autorität‘ uns darauf zu verweisen, dass wir ein Argument nicht als Ausdruck einer geistigen verfassung nehmen dürfen?“ – Zunächst einmal stelle ich hier begründete Behauptungen auf und argumentiere nicht deswegen schon „autoritär“, weil Ihnen das so vorkommt (wieder ein Pappkamerad). Und dann erklärt Ihnen ja die Kolumne, warum diese Schlussfolgerung, setzt man sie a priori in Geltung, ein Fehlschluss ist: sie ist, formal, eine petitio principii bezüglich der Person des Aussagenden. Als solche ist sie übrigens dann auch noch ein Argument ad personam bzw. ad hominem, fällt also grundsätzlich aus dem Rahmen sachlicher Argumentation (vgl. dazu den bald erscheinenden Teil II zu den Derailment-Verfahren)

      „Natürlich dürfen wir, es ist nämlich vielmehr umgekehrt anzunehmen, dass jedes Argument mit einer „pschischen Verfassung“ korreliert“ – „Natürlich dürfen wir….“, „es ist … anzunehmen“ und „Allein…“ sind unbegründete Selbstlegitimationen, also dogmatische Fehlschlüsse. Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass Sie bei mir Pappkameraden entdecken wollen. Ich empfehle Ihnen entsprechend noch einmal eine genaue Lektüre der Kolumne zur Confirmation bias.

      „… welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind, wäre die Fragestellung“ – Nein, weil das ja bereits voraussetzt, dass der erste Schluss vom Argument auf die psychische Verfassung korrekt ist. Weil er aber das eben nicht ist, sondern eine petitio principii, gilt für alle daraus folgenden Schlussfolgerungen non sequitur.

      „bzw darf man niemals ein Argument auf die ps V reduzieren“ – Das tun Sie aber, genau dann, wenn Sie „ein Argument … als Ausdruck einer geistigen verfassung nehmen“. Dass Sie es auch noch sachlich lesen können, ändert nichts daran, dass dieses „[N]ehmen“ ein Fehlschluss ist.

      „So gedeutet versucht der Autor jede Zuschreibung psychischer Verfassung abzuwehren.“ – Nein. Das ergibt sich einzig aus Ihrem eigenen Pappkameraden (s. o.)

      „Welche Angst steckt dahinter?“ – Und diese Frage ergibt sich daraus, dass Sie annehmen, Ihre Auffassung gilt schon alleine deswegen, weil Sie „Natürlich…“, „Allein…“ und „es ist … anzunehmen“ hingeschrieben haben.

      Bis hierhin haben Sie aus meinem Argument einen Pappkameraden gebastelt und es dann an Ihre eigene, verabsolutierte These angemessen, die darin besteht, sich selbst dazu ins Recht zu setzen, jederzeit ad personam schließen zu dürfen. Interessant ist, dass Sie das in demselben Kommentar machen, in dem Sie mir nachzuweisen versuchen, dass „der Autor selbst Fehler [macht], die [er] in den Kolumnen zuvor bemängelt hat“. Entsprechend setzt bereits Ihre Inanspruchnahme des Pappkameraden denselben als argumentationslogischem Vorwurf voraus- egal ob er trifft oder nicht. Dann können Sie aber selber keine Pappkameraden in Anspruch nehmen.

      „Zuschreibungen psychischer Verfassung sind auch diskutierbar und kommen nicht mit Verdikten überein.“ – Um Zuschreibungen psychischer Verfassung durch Ärzte oder im Alltag geht es hier nicht – sondern um ihre argumentative Verabsolutierung. Deswegen steht im Text ja auch der Satz: „Es gibt Forscher, die ihre Perspektive ernst nehmen und ihre Grenzen anerkennen. Sie wissen, dass eine bestimmte Blickrichtung nicht gleich alle anderen dominieren muss, nur weil man sie selbst gewohnt ist.“

      Was das bedeutet, kann man sich an Ihrem Beispiel gut klarmachen: Wo ein Arzt an wissenschaftliche Kriterien gebunden ist, reicht es für Sie aus, ein „Natürlich…“ vor den Satz zu setzen, um über eine „Angst“ zu spekulieren, die Grund für meine angebliche (und pauschale) Abwehr von Zuschreibungen psychischer Verfassung sein sollen. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer psychologischen Aussage im guten, wissenschaftlichen Sinn und dem psychologistischen Fehlschluss. Danke also für die nochmalige Exemplifizierung.

      „Das als ‚Aufschwingen zu einem Therapeuten‘ zu lesen ist – ist das nicht ’slippery slope‘?“ – Nein, weil es keine Entwicklung hin zum Schlimmsten beschreibt, sondern die Verabsolutierung der eigenen These. Dazu ist nur ein einziger Schritt nötig – wie man in Ihrer Rede oben sehen kann.

      „Davom abgesehen kann auch ein Urteil Arbeitshypothese sein, ist jedenfalls in keinem Fall automatisch mit ‚Entmündigung‘ gleichzusetzen.“ – Richtig. Deswegen weist der Text an der entsprechenden Stelle ja auch auf genau die Differenz von guter, wissenschaftlicher empirischer Arbeit und psychologistisch fehlschlüssiger Schlusspraxis hin.

      „Ein weitere logischer Fehler.“ – Nein. Nur ein weiterer Versuch, aus dem eigenen Pappkameraden Schlussfolgerungen zu ziehen.

      „Auch suggeriert der Artikel (‚d.h.‘), dass nur was wissenschaftlich gesichter sei, Zweifel zuließe.“ – Nein, das „suggeriert“ er nicht. Die Aussage, dass wissenschaftliche Aussagen Zweifel zulassen müssen (Falsifikationskriterium) lässt nicht den Rückschluss zu, dass nur wissenschaftliche Aussagen Zweifel zulassen.

      Mein Rat: Lesen Sie sich noch einmal durch die Kolumne und legen Sie nachdrücklich Wert auf ein präzises Verständnis des dogmatischen Fehlschlusses und der Confirmation bias, sowie des Pappkameraden. Wenn Sie meine Kolumne auf sich selbst anwenden wollen, sollten Sie zuerst in der Lage sein, die Kriterien auch korrekt anzuwenden (oder gute Gründe einwenden, warum man sie anders anzuwenden hat).

  4. Sören Saldiani sagt

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort meiner Replik.

    dazu im Einzelnen:

    07.11.2016 / 12:43:20 / DPZ sagt:
    Sie zitieren mich:
    „So degradiert er zum Beispiel durchaus sinnvolle Spekzulationen über die psychischen Gründe oder impliziten Motivationen von Aussagen zu ‚dogmatischen Urteilen’“ – und antworten: „Sie verwechseln die Beschreibung von Spekulationen über psychische Gründe oder implizite Motivationen ALS dogmatische Urteile – also die Annahme, dass die eigene Spekulation schon gilt – mit der pauschalen Beurteilung solcher Aussagen. “

    zitieren wir lieber ihren Text, auf den ich mich bezogen habe:
    „Der Effekt dieses Fehlschlusses besteht darin, dass wir unser Gegenüber tendenziell nicht mehr als gleichberechtigten Teilnehmer ernst nehmen müssen. Wir haben ihm, durch unsere psychologische Zuschreibung, Grenzen gesetzt.“ bis dahin bin ich einverstanden, ich nehme an, dass sie sich darauf beziehen, um meinen angeblichen „Pappkameraden“ abzuwehren. sie haben Recht, dass sie sich bis kurz vor Schluss ihres Artikels auf die domatischen psychologistischen Setzungen beziehen. insofern wäre mein Einwand aber immer noch kein Pappkamerad (das schließt in meiner Lesart eine böse Absicht ein, selbst wenn das nicht ihr Pappkamerad ist, würde ich mich an dieser Stelle wehren, meine – und sei es falsche – Lesart als Pappkamerad zu denunzieren, ein unangenehmes Wort, das hier eine sachliche Diskussion erschwert. Einen Pappkamerad stellt man auf, um ihn abzuschießen, mir geht es aber um eine Auslegung ihrer Ausführungen)

    ich beziehe mich aber auf folgende Stelle zum Schluss:

    „Der psychologistische Fehlschluss verweist uns darauf, dass wir das Argument unseres Gegenübers nicht von vornherein als Ausdruck seiner psychischen Verfassung deuten dürfen. “
    Das ist meines Erachtens ein zu pauschal formulierter Schluss aus ihren vorherigen Erläuterungen. Wenn sie sich also an einen Pappkameraden erinnert fühlen, dann haben Sie den an dieser Stelle sich selbst zuzuschreiben. Dieser von ihnen gemachte Schluss ist nicht aus den vorherigen Ausführungen in dieser Allgemeinheit zu ziehen.
    Der psychologistische Fehlschluss verweist uns nur darauf, sie sagen es selbst, dass wir die Annahmen nicht dogmatisch setzen dürfen, nicht aber, dass wir ein Argument nicht auch als Ausdruck der psychischen Verfassung deuten dürfen. (zu „deuten“ weiter unten noch mehr)
    Daür sehe ich kein Argument in ihren Ausführungen (hier Dogmatismus?)

    „einmal stelle ich hier begründete Behauptungen auf “
    s.o.
    „und argumentiere nicht deswegen schon „autoritär“, weil Ihnen das so vorkommt “
    s.o.
    „(wieder ein Pappkamerad).“ Wenn ich behaupte, dass sie an dieser Stelle (und nur hier) autoritär sprechen, dann aus besagter unzulänglicher Ableitung.
    Außer sie bauen einen Pappkameraden aus mir, der den Fehler des dogmatischen psychologistischen Schlusses nicht anerkennt. Den erkenne ich aber ausdrücklich an, insofern er sich auf dogmatische Setzungen und Reduktionen von Zuschreibungen geht (zB. zum Zwecke schäbiger ad hominem-Argumentationen)

    „Und dann erklärt Ihnen ja die Kolumne, warum diese Schlussfolgerung, setzt man sie a priori in Geltung, ein Fehlschluss ist: sie ist, formal, eine petitio principii bezüglich der Person des Aussagenden.“
    meines Erachtens sprechen sie hier von zwei verschiedenen bzw unterschiedlich gehandhabten Schlussfolgerungen, zum einen der dogmatisch gesetzten Schlussfolgerung, dass ein Argument auf eine psychische Verfassung rückzuführen ist und die Schlussfolgerung, dass einem Argument mit einer psychische Verfassung korreliert. Bei letztere sehe ich keine petitio principii. Es geht ja eben nicht darum, ein Argument rein aus der psychischen Verfassung abzuleiten, sondern nur nach Implikationen zu fragen, ohne das Argument selbst als Argument zu erledigen.

    „Als solche ist sie übrigens dann auch noch ein Argument ad personam bzw. ad hominem, fällt also grundsätzlich aus dem Rahmen sachlicher Argumentation (vgl. dazu den bald erscheinenden Teil II zu den Derailment-Verfahren)“
    auch hier gilt wieder: nur wenn sie dogmatisch gesetzt ist und/oder der Deligimation von Argumenten dienen soll.
    deshalb schreibe ich, wie sie richtig zitieren:
    „Natürlich dürfen wir, es ist nämlich vielmehr umgekehrt anzunehmen, dass jedes Argument mit einer „pschischen Verfassung“ korreliert“ –

    Dann aber hängen sie sich am „Natürlich dürfen wir….“, auf und versuchen das als „Selbstlegitimierung“ zu brandmarken. „natürlich“ bedeutet aber nur, dass sich das für mich aus meiner Argumentation ergibt. Mag sein, dass die hier noch ausbaufähig ist. Dafür müssten wir noch weiter ins Detail gehen. Aber „natürlich“ ist nicht in jedem Fall eine Selbstlegitimation, oder sagen wir: nicht zwangsläufig eine Dokrin, der nicht widersprochen werden soll. Allein diese Wucherung der Kommentare zeigt ja, dass eine Ausführlichkeit ausufern kann. Man muss auf die Verständigkeit des Gegenüber vertrauen dürfen. „natürlich“ steht dann als Platzhalter für Ausführungen, die hier freilich zu kurz kommen müssen.
    Genaus so wie sie zum Beispiel „Für die psychologische Beschreibung des Menschen gilt also, was auch für die empirische Beschreibung gilt: sie ist eine mögliche, aber nicht die einzig mögliche Beschreibung.“ hier auch nicht eine ausreichende Begründung liefern können (dafür reicht der Platz gar nicht). Dennoch verstehe ich wolhwollend „gilt“ nicht als Selbstlegitimierung.

    „Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass Sie bei mir Pappkameraden entdecken wollen. Ich empfehle Ihnen entsprechend noch einmal eine genaue Lektüre der Kolumne zur Confirmation bias.“
    Selbstreferentialität und paternalistische Ratschläge ersetzen keine Agumente. Eine wolhwollende und konstruktive Erwiderung könnte meines Erachtens darauf verzichten (dazu unten noch mehr)

    „… welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind, wäre die Fragestellung“ – „Nein, weil das ja bereits voraussetzt, dass der erste Schluss vom Argument auf die psychische Verfassung korrekt ist. “
    Nein, weil ich nicht von Schluss, sondern Spekulation sprach. Sie schreiben „deuten“. „deuten“ verstehe ich spekulativer als einen „Schluss“. Aber es mag sein, dass hier die Crux unseres Disputs liegt. Wenn sie deuten mit schließen gleichsetzen, wird es schon problematischer. Aber auch dann käme es noch auf die „Natur“ des Schlusses an, ob er eben dogmatisch begrenzend oder offen spekulativ ist.

    sie schreiben dann noch:
    „bzw darf man niemals ein Argument auf die ps V reduzieren“ – Das tun Sie aber, genau dann, wenn Sie „ein Argument … als Ausdruck einer geistigen verfassung nehmen“. Dass Sie es auch noch sachlich lesen können, ändert nichts daran, dass dieses „[N]ehmen“ ein Fehlschluss ist.“

    Mir fehlt auch hier ihre Begründung. Wie ich versucht habe zu zeigen, kann man aus dem Fehlschluss nicht ein Argument per se gegen psychologische Spekulationen basteln. Freilich wäre streng und gesondert zu fragen, wann sie berechtigt sind und unter welchen diskursiven Umständen. Also welches die Zielsetzung der Frage nach den psychischen Dispositionen ist. Pauschal ist nicht jedes Lesen eines Arguments hin auf die psychische Verfassung als „unsachlich“ zu klassifizieren. Argumentativ beschreiben nur die Widersprüche einer dogmatischen oder polemischen Anwendung.
    Sie zitieren mich:
    „Zuschreibungen psychischer Verfassung sind auch diskutierbar und kommen nicht mit Verdikten überein.“ – und antworten: „Um Zuschreibungen psychischer Verfassung durch Ärzte oder im Alltag geht es hier nicht – “

    Ich hatte ihre Kolumne doch so verstanden, dass sie argumentative Strategien aufzeigen wollen auch jenseits wissenschaftlicher Dispute, also zum Beispiel im öffentlichen Diskurs. Insofern geht es, dachte ich, doch um Zuschreibungen im Alltag.

    „Was das bedeutet, kann man sich an Ihrem Beispiel gut klarmachen:
    Wo ein Arzt an wissenschaftliche Kriterien gebunden ist, reicht es für Sie aus, ein „Natürlich…“ vor den Satz zu setzen, um über eine „Angst“ zu spekulieren, die Grund für meine angebliche (und pauschale) Abwehr von Zuschreibungen psychischer Verfassung sein sollen. “

    Das stellt einen ziemlich sorglos polemischen Versuch dar, mich als unreflektiert erscheinen zu lassen („reicht es aus“). Denn ganz sicher ist nicht das Wort „natürlich“ der Grund für diese Spekulation. Aber wenn ich hier die Meinung vertrete, dass psychologische Spekulationen auch in einer Diskussion sinnvoll sein KÖNNEN (unter ganz bestimmten Umständen), warum sollte ich dies Verfahren dann nicht auch anwenden. Sie sind bisher eine Begründung der Unsachlichkeit schuldig geblieben.
    Allerdings wäre es hier interessant für mich zu wissen, wie Sie wissenschaftlich definieren. Fiele zum Beispiel ein Philosoph wie Nietzsche dann sowieso aus dem Diskurs (der ja nun oft psychologistisch argumentiert und auch nicht begründend im wissenschaftlichen Sinn)?
    Oder anders gefragt: inwiefern lassen sich überhaupt z.B. öffentliche Diskurse mit wissenschaftliche an Standarts messen?
    Geben sie darauf diese Antwort?:
    „Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer psychologischen Aussage im guten, wissenschaftlichen Sinn und dem psychologistischen Fehlschluss. Danke also für die nochmalige Exemplifizierung.“
    Im Übrigen: wenn sie eine sachliche Diskussion wollen, können Sie sich solche platt ironischen Volten wie den letzten Satz sparen. Sei sollten nicht „Sachlichkeit“ fordern und dann gönnerhaft-ironisch sich für etwas bedanken, für das sie gar nicht dankbar sind.

    Bitte kehren sie zu dieser zurück, Danke!

  5. Lieber Herr Saldiani,

    bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich nicht auf jede Ihrer Einlassungen so ausführlich eingehen kann. Deswegen hier nur die Ecksteine Ihrer Argumentation, damit Sie für sich selbst weiter überlegen können. Für weitere, ausführliche Auseinandersetzungen auf diesem Blog fehlt mir leider die Zeit.

    „… insofern wäre mein Einwand aber immer noch kein Pappkamerad … das schließt in meiner Lesart eine böse Absicht ein…“ – Nein. Ein Pappkamerad kann – wie Sie in meiner diesbezüglichen Kolumne nachlesen können – jeder Versuch sein, das eigene Verständnis an die Stelle des Verstandenen zu setzen. Die Absicht ist nicht entscheidend. Entsprechend kann auch eine „Auslegung ihrer Ausführungen“ zum Pappkamerad werden, einfach deswegen, weil man in der Argumentation des Anderen Angriffspunkte wahrnimmt, die man selbst dort hineingelegt hat (vgl. „Das stellt einen ziemlich sorglos polemischen Versuch dar, mich als unreflektiert erscheinen zu lassen“ – was Sie zum Opfer meiner Abwehr Ihrer Suggestivfrage nach meiner Angst macht).

    Der Begriff ‚Pappkamerad‘ ist hier als argumentationslogischer Begriff eingeführt. Die Kriterien für seinen Gebrauch habe ich benannt – Absicht ist keines davon. Insofern braucht Ihnen der Gebrauch nicht schon deswegen „unangenehm“ sein, nur weil Sie Unangenehmes damit assoziieren. Diese Assoziation aber ist es, die die Diskussion erschwert. Weil Sie an die Stelle des von mir so Bestimmten Ihre eigenen Projektionen setzen, als deren Opfer Sie sich dann sehen. Wie das funktioniert, können Sie in der Kolumne zur Selbst-Viktimisierung nachlesen.

    „Das ist meines Erachtens ein zu pauschal formulierter Schluss aus ihren vorherigen Erläuterungen.“ – Nein. Erstens haben Sie wahrscheinlich übersehen, dass der Schluss vom Argument auf die Person grundsätzlich ein Fehlschluss ad personam ist. Darauf habe ich oben schon hingewiesen. Zweitens drückt „von vornherein“ zusätzlich die Verabsolutierung dieser Auslegung aus. Der letzte Satz ist also zusammenzulesen mit diesem Absatz:

    „Für die psychologische Beschreibung des Menschen gilt also, was auch für die empirische Beschreibung gilt: sie ist eine mögliche, aber nicht die einzig mögliche Beschreibung. Sie kann Motivationen, Emotionen und Probleme beschreiben, die Menschen mit sich und anderen haben. Aber was beschrieben wird, das ist, nur weil es reflexiv ist, nicht deswegen schon [lies: „von vornherein“] Grundlage von allem anderen. Was psychologisch beschrieben wird, das muss außerdem wissenschaftlich und methodisch gesichert beschrieben werden. D. h. es muss immer den Zweifel zulassen, dass die Beschreibung falsch oder nicht zutreffend ist.“

    Sie KÖNNEN also, in bestimmten Situationen (z. B. psychiatrischer Behandlung) und mit ausreichender wissenschaftlicher Qualifikation (z. B. als Facharzt für Psychiatrie) Argumente als Ausdruck psychischer Verfasstheit nehmen. Dann handelt es sich aber nicht um einen psychologistischen Fehlschluss, sondern eine auf Beobachtung, Methode und Beschreibung basierende empirische Annahme. Korrelation wurde nicht in Frage gestellt, nur deren Verwechslung mit unbedingter Kausalität. Sie arbeiten sich also weitestgehend an einem selbst produzierten Problem ab – „Pauschal ist nicht jedes Lesen eines Arguments hin auf die psychische Verfassung als ‚unsachlich‘ zu klassifizieren“ wird vom Text offensichtlich bestätigt.

    „Wenn sie sich also an einen Pappkameraden erinnert fühlen, dann haben Sie den an dieser Stelle sich selbst zuzuschreiben.“ – Das ist ein Schluss aus falscher Prämisse. Zudem habe ich Ihnen oben genau dasselbe vorgeworfen – auf der Grundlage Ihrer Argumentation, nicht meiner Assoziationen. Womit Sie außerdem einen doppelten Standard anlegen.

    Der Rest Ihres länglichen Beitrags baut auf Ihrer Fehllektüre auf. Sie versuchen laufend, den Pappkameraden – den Sie als Argumentationsschema zunächst delegitimieren („unangenehm“), um ihn dann auf mich umzuwenden – auf mein Argument anzuwenden. Dabei haben sie seine Kriterien gar nicht richtig verstanden.

    Ansonsten formulieren Sie selbst laufend ad hominem – „hängen Sie sich auf“, „gönnerhaft-ironisch“, „paternalistisch“, „platt ironische Volten“ -, während Sie an anderer Stelle solche Argumentation als „schäbig“ kennzeichnen. Sie setzen laufend Ihr Verstehen als Kriterium ein (z. B. bezüglich „autoritär“, „natürlich“, „verstehe ich spekulativer“) und täuschen sich damit selbst in die Wahrnehmung, ein schlüssiges Argument formuliert zu haben.

    Dass Sie mich vor diesem durchgängig sophistischen Hintergrund auffordern, zu einer sachlichen Argumentation zurückzukehren, darf als reflexiv ungünstig gelten. Zumal Ihre ständige Inanspruchnahme des Pappkameraden als Vorwurf natürlich die Aufmerksamkeit auf Ihre eigene diesbezügliche Argumentationspraxis lenkt – und Sie mich ja insbesondere an dem Kriterium anmessen, dass ich mich an meine eigenen Kriterien zu halten habe. Das gilt dann auch für Sie.

  6. Sören Saldiani sagt

    Sehr geehrter Pascal Zorn,

    es beginnt, sich im Kreis zu drehen, deswegen hier nur der Hinweis auf zwei-drei Fragwürdigkeiten in ihren Ausführungen. Ihr Versuch, mir ein falsches Verständnis des Pappkameraden anzuhängen, geht fehl. Ich hab den, denke ich, gut verstanden. Ich weise die Bezeichnung lediglich als unzureichend zurück. Zum einen, weil sie mir zu undifferenziert erscheint: sie unterscheidet nicht zwischen absichtsvollem (also polemischem) falschen Lesen und unabsichtlichem falschen Verständnis. Für die logische Konsequenz der Schlussfolgerungen mag das unerheblich sein, nicht aber für die Implikationen in Debatten. Deshalb verwies ich sie ja auch darauf, dass ihre Kolumne nahelegte (durch den Bezug auf zahlreiche „alltägliche“ Debatten), dass es hier nicht um rein wissenschaftliche Diskurse ginge.
    Aber ein Etikett zu benutzen, das polemische Implikationen suggeriert, um sich dann, wenn es passt, auf den logischen Kern zurückzuziehen, halte ich für unredlich. Wenn Heidegger vom Gerede in rein phänomenologischer Lesart zu sprechen vorgibt, so möchte ich ihm das auch nicht abnehmen. Wenn es implikationsfrei sein soll, warum wählt man dann nicht einen anderen Begriff?
    Dasselbe gilt auch für ihre bei mir ausgemachten „vermeintlichen Angriffspunkte, die ich selbst hingelegt“ habe. Es ging mir auch hier um die polemische Aufhängung am „ihnen reicht ein ’natürlich'“. Worum es mir ging, habe ich dann ausgeführt, aber darauf antworten sie auch jetzt wieder nur wie bereits in ihren Ausführungen vorher, meines Erachtens unzulänglich. Außerdem versuchen sie mir wieder den „Schluss“ anzuhängen, wo ich von Spekulationen sprach. Ihre Einschätzung, dass es wissenschaftlicher Qualifikation (in Hinsicht auf psychologische Spekulationen) bedarf, teile ich nicht. Deshalb verwies ich auch auf Nietzsche. Ihre Bedingungen verengen eine philosophische Diskussion hin auf wissenschaftliche Standarts der empirischen (?) Überprüfbarkeit. Kann man machen, aber muss man nicht teilen. Vor allem nicht in diesem Kontext, wo es um öffentliche Diskurse geht.

    Doch dazu müsste man an dieser Stelle in der Tat wesentlich grundsätzlicher ausholen.
    Deswegen nur noch ein Hinweis: „gönnerhaft-paternalistisch“ und „ironische Volte“ sind nicht ad hominem, ob sie paternalistisch eingestellt sind oder ironisch, ist gleichgültig. Ich habe auch nicht behauptet, dass das ihre Eigenschaften sind, ich habe mich auf ihre Ausdrucksweise bezogen und die charakterisiert und zurückgewiesen.

    Ihr Hinweis, ich müsse sachlich bleiben, weil ich sie zur Sachlichkeit auffordere, ist auch nur bedingt gültig. Ich messe Sie an Ihren Kriterien. Da ich grundsätzlich von anderen Diskussionskriterien, die auch Polemik zulassen (zum Beispiel wenn sie der Veranschaulichung dient), ausgehe als sie, muss die Sachlichkeit nicht für mich gelten. Meine Kriterien habe ich hier allerdings unzureichend erläutert, weil ich mich, wie sie richtig schreiben, an der Kritik ihrer Kriterien „abgearbeitet“ habe.
    Meines Erachtens machen Sie es sich eben zu leicht mit der Unterstellung eines „Pappkameraden“. Das dann wieder selbst als „Pappkameraden“ zu bezeichnen, führt zu einem infiniten Regress, aus dem ich mich an dieser Stelle mit freundlichen Grüßen ausklinken möchte.

    • Lieber Herr Saldiani,

      mein Name ist „Daniel-Pascal Zorn“. Er steht auch im Header der Kolumne.

      „es beginnt, sich im Kreis zu drehen“ – Das haben Argumentationen so an sich, die auf Bestätigungsfehlern basieren. Aus Sicht desjenigen, der seine Auslegung von vornherein in Geltung setzt, liegt der Andere stets falsch. Und wenn die Unterstellung in Geltung gesetzt wird, der andere würde dogmatisch argumentieren – „paternalistisch“, „gönnerhaft“ -, sieht es so aus, als drehe man sich im Kreis.

      „Ihr Versuch, mir ein falsches Verständnis des Pappkameraden anzuhängen, geht fehl.“ – Ich „hänge“ Ihnen nichts „an“. Sie behaupten: „das schließt in meiner Lesart eine böse Absicht ein“. Da Ihre Lesart kein Kriterium a priori ist, müsste sie sich auf meinen Text zum Pappkameraden beziehen. Da steht aber das hier: „Pappkameraden entstehen aber nicht immer aus schlechten Absichten. Das zu unterstellen, wäre selbst ein Pappkamerad. Weit häufiger ergeben sie sich sogar aus dem Versuch heraus, ein Argument zu verstehen.“ Ihre Annahme „Ich hab den, denke ich, gut verstanden“ ist also nachweislich falsch.

      „Zum einen, weil sie mir zu undifferenziert erscheint: sie unterscheidet nicht zwischen absichtsvollem (also polemischem) falschen Lesen und unabsichtlichem falschen Verständnis“ – Auch das ist, wie Sie an dem soeben zitierten Satz sehen können, nachweislich falsch. Es spiegelt aber Ihr Verständnisproblem dieser Kolumne wieder.

      “ Für die logische Konsequenz der Schlussfolgerungen mag das unerheblich sein, nicht aber für die Implikationen in Debatten“ – Danke für die Anerkennung, dass Ihr Argument aus logischer Sicht unerheblich ist. Da Ihre Assoziationen auch dann kein Kriterium sind, wenn Sie sie als „Implikationen“ verobjektivieren, ist leider auch das logisch unerheblich.

      „Deshalb verwies ich sie ja auch darauf, dass ihre Kolumne nahelegte (durch den Bezug auf zahlreiche ‚alltägliche‘ Debatten), dass es hier nicht um rein wissenschaftliche Diskurse ginge.“ – Das ist richtig. Ich sehe aber auch an keiner Stelle, wo ich nahegelegt hätte, dass es „um rein wissenschaftliche Diskurse ginge“. Wenn Sie im Alltag vom Argument auf die Psyche schließen und so tun, als sei dieser Schluss statthaft, weil Sie ihn eben machen können, dann ist das ein psychologistischer Fehlschluss. Wenn Sie als Psychiater nach einem methodisch vorgegebenen Urteilsschema und unter kritischer Prüfung Ihrer Urteile durch Fachkollegen bestimmte Argumentationformen z. B. eines Schizophrenen – z. B. dessen Neigung, seine Assoziationen zu verabsolutieren – auf seinen psychischen Zustand zurückführen, dann ist das kein Fehlschluss, sondern eine psychologische (bzw. psychiatrische) empirische Beschreibung.

      „ein Etikett zu benutzen, das polemische Implikationen suggeriert, um sich dann, wenn es passt, auf den logischen Kern zurückzuziehen, halte ich für unredlich…“ – Auch das basiert wieder auf Ihren Unterstellungen, die Sie als „Implikationen“ dem Text zuschreiben, dem Sie sie unterstellen. Umgekehrt frage ich mich, warum man Polemik kritisiert, wenn man sein Gegenüber als „gönnerhaft“ und „paternalistisch“ beschreibt, also präzise im Modus eines Pappkameraden. Um dann das Gegenüber laufend die Inanspruchnahme von Pappkameraden vorzuwerfen. Das ist nicht konsistent.

      „Wenn Heidegger vom Gerede in rein phänomenologischer Lesart zu sprechen vorgibt, so möchte ich ihm das auch nicht abnehmen.“ – Was Sie wem „abnehmen“ und was nicht, ist irrelevant. Ihre Meinung ist kein Kriterium. Dass Sie Heidegger auf der Basis Ihrer eigenen Assoziationen unterstellen, dass er nur „vorgibt“, in „rein phänomenologischer Lesart zu sprechen“, obwohl er längliche Begründungen für diese Beschreibung gibt, zeigt nur, wie systematisch Ihr Problem ist. Sie bestätigen sich selbst, indem Sie stets das unterstellen, was zu Ihren Annahmen passt.

      „Wenn es implikationsfrei sein soll, warum wählt man dann nicht einen anderen Begriff?“ – Weil Ihre Assoziationen, die Sie als „Implikationen“ der Rede unterstellen, kein Kriterium sind. Wer verlangt, ein Autor müsste auf das achten, was ein beliebiger Leser an „Implikationen“ oder „Suggestionen“ hineinlesen kann, verlangt Unmögliches.

      „Es ging mir auch hier um die polemische Aufhängung am ‚ihnen reicht ein ’natürlich‘.“ – Gerade noch haben Sie „polemische Implikationen“ kritisiert. Nun nehmen Sie sie in Anspruch. Und sie rechtfertigen diese Polemik, indem Sie auf die Unterstellung verweisen, die Sie auch dann aufrechterhalten, wenn ich explizit verneint habe, dass das der Sinn des Textes ist. Womit Sie bewiesen haben, dass die „Angriffspunkte, die ich selbst hineingelegt habe“, alles andere als „vermeintlich“ sind.

      „… meines Erachtens unzulänglich“ – Was Ihres Erachtens „unzulänglich“ ist, interessiert mich nicht. Wirklich nicht. Es spielt keine Rolle. Sie liefern selbst Beispiel um Beispiel – nachweisbar sogar direkt am Text! -, wie weit die Verzerrung reicht, die Ihre von vornherein in Geltung gesetzte Meinung erzeugt. Sie führt so weit, dass Sie ganze Passagen im Text missachten. Genau deswegen habe ich Ihnen die Kolumne zur Confirmation Bias empfohlen.

      „Ihre Einschätzung, dass es wissenschaftlicher Qualifikation (in Hinsicht auf psychologische Spekulationen) bedarf, teile ich nicht.“ – Mich interessiert nicht, welche Einschätzung Sie teilen oder nicht teilen, wenn Sie diese Einschätzung nicht gut begründen können.

      „Deshalb verwies ich auch auf Nietzsche.“ – Hier geht es aber nicht um Nietzsche. Und ich habe kein Interesse, mit Ihnen Nietzsche zu diskutieren.

      „Ihre Bedingungen verengen eine philosophische Diskussion hin auf wissenschaftliche Standarts der empirischen (?) Überprüfbarkeit.“ – Nein. Gerade nicht, wie Sie in der Kolumne zum naturalistischen Fehlschluss nachlesen können. Es sind auch nicht „meine“ Bedingungen, sondern Bedingungen, die Sie selbst in Anspruch nehmen. Sie selbst geben, mit Ihrer Rede, den Maßstab für Ihre Argumente ab. Sie lassen sich nur dadurch täuschen, dass Sie Ihre Auslegung – auch Ihre Selbstauslegung – in Geltung setzen. Sie verwechseln also Faktizität und Geltung, was im Fall der Selbstauslegung (aufgrund der involvierten Reflexivität) symptomatisch ist. Womit wir wieder bei dieser Kolumne hier wären.

      „Doch dazu müsste man an dieser Stelle in der Tat wesentlich grundsätzlicher ausholen.“ – Das können Sie gerne tun, aber ich werde darauf nicht mehr antworten.

      „‚gönnerhaft-paternalistisch‘ und ‚ironische Volte‘ sind nicht ad hominem, ob sie paternalistisch eingestellt sind oder ironisch, ist gleichgültig … ich habe mich auf ihre Ausdrucksweise bezogen und die charakterisiert und zurückgewiesen.“ – Womit Sie zugegeben hätten, dass Sie das zurückgewiesen haben, was Sie selbst (unbegründet) charakterisiert haben = Pappkamerad.

      „Ihr Hinweis, ich müsse sachlich bleiben, weil ich sie zur Sachlichkeit auffordere, ist auch nur bedingt gültig.“ – Nein. Es ist unbedingt gültig, weil Sie schlecht einfordern können, jemand solle sich an einem Maßstab halten, den Sie dann selbst ständig unterbieten.

      „Ich messe Sie an Ihren Kriterien.“ – Nein. Sie messen mich an Ihrem Verständnis meiner Kriterien. Und dieses Verständnis geht nachweisbar an meinen Kriterien vorbei.

      „Da ich grundsätzlich von anderen Diskussionskriterien, die auch Polemik zulassen …, ausgehe als sie, muss die Sachlichkeit nicht für mich gelten“ – Womit Sie zugegeben haben, dass Sie unter Voraussetzung eines dogmatischen Fehlschlusses argumentieren. Sie gehen davon aus, dass für Sie gilt, wovon Sie ausgehen. Was mein Argument vollumfänglich bestätigt. Danke für diesen Nachweis.

      „Meine Kriterien habe ich hier allerdings unzureichend erläutert, weil ich mich, wie sie richtig schreiben, an der Kritik ihrer Kriterien ‚abgearbeitet‘ habe“ – „Kritik“ kommt von ‚krínein‘, ‚prüfen‘. Sie haben aber nicht geprüft, sondern unterstellt. Es gibt also keine „Kritik [I]hrer Kriterien“. Es ist vollkommen egal, von welchen Kriterien Sie ausgehen oder nicht ausgehen. Dialektische Logik bemisst sich nicht an Axiomen, sondern an der tatsächlichen Redepraxis. Sie selbst stellen die Kriterien auf, an denen man Ihre Rede misst – indem Sie argumentieren, es tun, nicht nur es auslegen. Das haben Sie bis jetzt nicht verstanden. Und genau hier liegt Ihr hauptsächliches Denkproblem, das Ihnen verunmöglicht, die Kolumne zu verstehen (obwohl ich das immer wieder erläutere). Sie argumentieren schlicht an meinen Argumenten vorbei.

      „Meines Erachtens machen Sie es sich eben zu leicht mit der Unterstellung eines ‚Pappkameraden‘.“ – Dass das keine Unterstellung ist, sondern faktisch gegeben, kann jeder weiter oben nachlesen.

      „Das dann wieder selbst als „Pappkameraden“ zu bezeichnen, führt zu einem infiniten Regress, aus dem ich mich an dieser Stelle mit freundlichen Grüßen ausklinken möchte.“ – Nein. Weil es eben nicht um einen Schlagabtausch zwischen zwei dogmatischen Positionen geht (s. Fehlschluss d. goldenen Mitte), sondern um eine Position, die begründete Behauptungen aufstellt und eine andere, die diese Behauptungen auf eine bestimmte Weise auslegt und dann behauptet, diese Auslegung – und nicht die Behauptungen – wäre die eigentliche Behauptung.

      Bislang verlaufen all Ihre Begründungen zirkulär. Sie bieten jedem Leser hier gute Studienbeispiele für die Macht der kognitiven Verzerrung, die die Confirmation Bias, der Bestätigungsfehler beschreibt. Kritik quittieren Sie, indem Sie auf andere Absichten verweisen (s. Kolumne zum Fehlschluss ex silentio) oder einfach nur Ihre Behauptung wiederholen (Fehlschluss ad nauseam).

      Davor möchte ich Sie bewahren. Klinken Sie sich also aus und denken Sie nochmal in Ruhe darüber nach. Lesen Sie alle Kolumnen und bitte auch ganz, nicht nur einzelne Passagen. Der Schritt von einer unreflektiert-dogmatischen Haltung in eine philosophisch-kritische Haltung ist der schwerste Schritt. Ihn kann diese Kolumne hier nur anbieten – vollziehen müssen Sie ihn selbst.

  7. Sören Saldiani sagt

    Vielen Dank für ihre Hinweise. Ihr Grundtrick ist simpel, aber von durchaus beeindruckender Konsequenz: durch wuchernde Unterstellungen von dogmatischen Fehlschlüssen und den sogenannten Pappkameraden, die sich vor allem daraus speisen, dass man nicht ihren Wortlaut wiederholt, sondern eine andere Lesart anbietet (jeder Text muss interpretiert werden), imprägnieren sie sich gegen Kritik in einer Weise, die jeden dogmatischen Fehlschluss und jeden Bestätigungsfehler raffiniert überbietet und dessen Darstellung recht eigentlich die krönende Abschlusskolumne ihrer kleinen Reihe bilden müsste. Richtig daran ist nur, dass ich in der Tat ihre Ausführungen auslege und ihren kleinen selbstgebauten Käfig verlasse. Dass sie daran kein „Interesse“ etc haben oder meine Begründungen für irrelevant erklären, wenn sie nicht in ihre Fußstapfen treten, zeigt nur, dass sie sich vor allem wiederholt wissen wollen (das geht bis in verräterische Formulierungen hinein, die im psychologistischen falschen Verfahren als „Angst“ gelesen werden müssten. Das wäre womöglich ein Beispiel, wie eine spekulierende Lesart Aussagekräftigeres über Ihre Methodik zu Tage fördern könnte als ihre Selbstauslegung).
    Aber ihr verschanzter Dogmatismus ist genauso irrelevant für mich wie meine Auslegungen für sie. Womit der Diskurs beendet wäre.
    Das dispensiert mich an dieser Stelle denn auch davon, auf die zahlreichen Falschzuschreibungen oder zu kurz greifenden Auslegungen meine Einwände einzugehen.

    Ihr Schutzphalanx von Fehlschlusszuweisungen kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie ein wesentlich brillanteres Beispiel einer methodisch absolut gewordenen kognitiven Verzerrung bieten, die jeder Leser nachverfolgen kann.

    • Da Ihrer Vorschrift zufolge zwar jeder Text interpretiert werden MUSS, aus welchen unerfindlichen Beweggründen auch immer, Ihr Text hingegen jedoch derart deutlich macht, dass er keiner Auslegung bedarf, sondern so zu nehmen ist wie gesetzt, nehme ich ihn so, wie er ist, und lege ihn nicht aus: Es ließ sich von mir als Leser nachverfolgen, dass Sie sogar einen vorgeführten Patienten therapieren würden. Und belegten damit Ihre völlige Inkompetenz in der Beurteilung, was eine kognitive Verzerrung ist, und was nicht.

      • Sören Saldiani sagt

        @ be das ist reichlich unlogisch: wenn ich behaupte, dass jeder Text der Auslegung bedarf, so natürlich auch meiner. womit mache ich deutlich, dass er so zu nehmen ist wie gesetzt? und was bedeutet: „einen vorgeführten Patienten therapieren“. was meinen sie hie rmit „vorgeführt“? aber sollte ich ihn tatsächlich therapieren, bewiese das nicht zumindest eine gewisse Kompetenz?

        • Nachdem Ihrer Mitteilung zufolge (siehe oben) JEDES argumentum, also JEDE Veranschaulichung, jede Darstellung, im übertragenen Sinne also JEDES Beweismittel in Wechselbeziehung zu einer psychischen Verfassung steht, dabei offen ließen, welche Maßzahl Sie diesbezüglich ermittelten, und mit welcher Methode, auch nicht angaben, ob ein negativer oder positiver Zusammenhang dabei vorliege, überlasse ich es gerne Ihnen, Ihre eigene Vorschrift selbst anzuwenden, nach der JEDER Text ausgelegt werden MUSS, und dürfen daher selbstverständlich – von mir völlig unbeeinträchtigt -auch diesen Text hier nun auslegen, und an Stelle dieses gesetzten Textes setzen.
          Und was den Begriff „vorgeführter Patient“ betrifft, wird Ihnen sicher jeder Ansprechpartner, der sich beruflich mit der Psyche des Menschen beschäftigt, das darüber Bezeichnete gerne beschreiben.

        • Zu Ihrer Frage, ob Sie damit nicht eine gewisse Komptenz beweisen würden:
          Nein, Sie würden damit das Gegenteil von Eignung beweisen. Denn es zeugt nicht gerade von Kompetenz, wenn einer zwar dahingehend kompetent ist, sehr erfolgreich einen Kronkorken von einer Bierflasche mit einem Flaschenöffner zu entfernen, den Flaschenöffner allerdings bei einem Schraubverschluss anwendet. Es sei denn, es wäre Heilung auch auf Grundlage einer fehlerhaften Entscheidung/Unterscheidung möglich.

          • Für folgende Behauptungen sehe ich in Ihrer Rede leider keine Nachweise bzw. überzeugende Begründungen (Probleme in Klammern angedeutet – keine Angst: nur Fragen, keine „wuchernden Unterstellungen“ usw. usw.)

            „Ihr Grundtrick“, „wuchernde Unterstellungen von dogmatischen Fehlschlüssen und den sogenannten Pappkameraden“, „ihr verschanzter Dogmatismus“, „Ihr Schutzphalanx von Fehlschlusszuweisungen“

            „Pappkameraden, die sich vor allem daraus speisen, dass man nicht ihren Wortlaut wiederholt, sondern eine andere Lesart anbietet“ (ist „wuchernde Unterstellung“ das Angebot einer „anderen Lesart“…?)

            „imprägnieren sie sich gegen Kritik“ (Ist das nicht genau das, was mein auf Ihren Text bezogener Vorwurf an Sie war?)

            „die jeden dogmatischen Fehlschluss und jeden Bestätigungsfehler raffiniert überbietet“ (in welcher Hinsicht? Gemessen an welchem Kriterium? Was ist daran „raffiniert“, wenn es vorher noch „einfach“ war?)

            „dessen Darstellung recht eigentlich die krönende Abschlusskolumne ihrer kleinen Reihe bilden müsste“ (worauf bezieht sich hier „dessen“? Den von Ihnen attestierten „Grundtrick“? Warum sollte ich etwas darstellen müssen, was Sie – offenbar ohne jeden Grund – unterstellen?)

            „Richtig daran ist nur, dass ich in der Tat ihre Ausführungen auslege und ihren kleinen selbstgebauten Käfig verlasse“ (Richtig, man muss Texte auslegen. Warum aber sollten Ihre Auslegungen gelten (!), nur weil Sie sie machen? Ist nicht genau das der Pappkamerad, den Sie mir mal vorwerfen und ihn mal als Kriterium lächerlich machen? Was denn nun? Welcher „Käfig“? Wenn meine Logik Sie an Ihren eigenen Ansprüchen misst: Ist dann dieser „Käfig“ nicht vor allem Ihre eigene Rede inklusive Ihrer Geltungsvoraussetzungen? Wie symptomatisch ist dann eine Rede, die aus nichts anderem als aus Unterstellungen besteht, die vor allem Sie ins Recht setzen?

            „zeigt nur, dass sie sich vor allem wiederholt wissen wollen“ (was wieder genau den Fehlschluss macht, der hier diskutiert wird)

            „das geht bis in verräterische Formulierungen hinein, die im psychologistischen falschen Verfahren als ‚Angst‘ gelesen werden müssten“ – (Um die Frage von be aufzugreifen: Wenn Ihre Auslegung gilt – können Sie dann nicht Beliebiges überall hineinlesen? Warum denken Sie aber dann, dass Sie verstanden haben, was ein Pappkamerad ist?)

            „Das wäre womöglich ein Beispiel, wie eine spekulierende Lesart Aussagekräftigeres über Ihre Methodik zu Tage fördern könnte als ihre Selbstauslegung“ (Ist das nicht trival? Ein Beispiel: Sie zeigen sehr deutlich Anzeichen einer paranoiden Psychose, die sich durch exzessive Aggressivität der eigenen Wahnvorstellung versichern will. Das ist ein Beispiel, wie eine spekulierende Lesart Aussagekräftigeres über Ihre Methodik zu Tage fördern kann? Ich denke nicht. Merke: Immer schauen, ob man Behauptungen auch in der Selbstanwendung mittragen würde.)

            „ihr verschanzter Dogmatismus ist genauso irrelevant für mich wie meine Auslegungen für sie“ – (Warum wenden Sie dann erneut über 1700 Zeichen dafür auf, wenn er so „irrelevant“ ist, wie Sie sagen? Um ein Exempel statuieren? Weil dieselbe Behauptung ein Mal nicht gereicht hätte? Warum nicht? Lesen Sie es in meiner letzten Kolumne nach…)

            „Das dispensiert mich an dieser Stelle denn auch davon, auf die zahlreichen Falschzuschreibungen oder zu kurz greifenden Auslegungen meine Einwände einzugehen.“ – (Ich übersetze mal „spekulativ“: Sie sind doof und Ihre Argumente sind doof und deswegen muss ich nicht darauf eingehen.)

            „kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie ein wesentlich brillanteres Beispiel einer methodisch absolut gewordenen kognitiven Verzerrung bieten, die jeder Leser nachverfolgen kann.“ – (Aha. Auf welcher methodischen Prämisse basiert diese Verzerrung? Wenn Sie das alles so genau erkennen, können Sie mir bestimmt diese Prämisse nennen. Wissen Sie, dass man auch Bestätigungsfehler als Pappkameraden einsetzen kann?)

            Insgesamt scheint Ihnen nicht ganz klar zu sein, dass die Begriffe, die Sie aus meinen Kolumnen entlehnen, Sie selbst dazu verpflichten, nicht zu tun, was diese Begriffe beschreiben.

            Ich hoffe, das war nun wieder irrelevant genug, um nicht noch so eine Kaskade auszulösen. Sonst muss ich meine spekulative Deutung doch noch einmal überdenken…

  8. Sören Saldiani sagt

    p.s.
    … und die sie sich im Kreis drehen lässt. ich meinte sie, nicht mich. aber das ist bezeichnend, ich darf hier gleich zweimal an ihre eigenen Kolumnen erinnern: glauben, sich nicht im Kreise zu drehen, bedeutet nicht, sich nicht im Kreise zu drehen. sie gleichen darin dem berühmten Geisterfahrer aus dem Beispiel.

    • Die Beweislast für diese Behauptung liegt bei Ihnen, nicht bei mir, das Gegenteil zu beweisen. In diesem Irrtum kreisen Sie. Was Sie soeben wieder bewiesen haben und wieder beweisen werden, mit dem nächsten Kommentar.

  9. Sören Saldiani sagt

    Nun, da sie auch ins letzte Honigtöpfchen gelaufen sind: ja, das kommt dabei raus, wenn jemand, um scheinbarer Distinktionsgewinne willen und um nur immerzu präpotent sich geben zu können, den eigenen Ansatz der Philosophie der Rechtfertigung zu der der Rechthaberei verkommen lässt auch da noch, wo er sich kreidefressend ins Gewand der Fragen hüllt: unsaubere Sophismen; Unfähigkeit, seine Kriterien auf sich selbst anzuwenden; eine fast lächerlich unbeholfene Polemik und dann, beim schon verzweifelt zu nennenden Versuch, sich gegen Kritik zu immunisieren (ein Pseudo tu-quoque-Argument aufbauend) als Abschluss der Schuss ins eigene Knie.

    • Ich fasse zusammen: Sie konnten mir persönlich hier glaubhaft darlegen, dass Sie a) kein Deutschlehrer, b) kein Germanist, c) kein Psychologe, und d) kein Logiker sind. Ihre Selbstaussage, Sie würden auslegen, also deuten, kann ich auch nach intensiver Suche immer noch nicht bestätigen, denn ich fand nichts dergleichen in ihren eigenen Texten, das etwas abkläre, klarstelle, verdeutliche. Und ich kann Ihnen versichern, ich habe mich sehr bemüht. Auch die Suche nach Stellen, in denen Sie interpretieren, also erklären, erläutern, darlegen, verlief bei mir bedauerlicherweise ohne nennenswertes Resultat. Betrachten Sie es einfach als Ihren persönlichen Gewinn an Abgrenzung, Abstand, und Vergrößerung des sozialen Abstandes.

    • Herr Saldiani,

      „ins letzte Honigtöpfchen gelaufen“ (Selbst-Heroisierung, die mir zuschreibt, was sie selbst tun), „um scheinbarer Distinktionsgewinne willen“, „nur immerzu präpotent sich geben zu können“ (zwei Unterstellungen von Absicht, die zu Ihrem Vorurteil passen), „den eigenen Ansatz der Philosophie der Rechtfertigung zu der der Rechthaberei verkommen [lassen]“ (nachdem ich eine Reihe von Fragen gestellt habe, eine bemerkenswerte Sichtweise), „auch da noch, wo er sich kreidefressend ins Gewand der Fragen hüllt“ (was belegt, dass für Ihren Hammer tatsächlich alles wie ein Nagel aussieht), „unsaubere Sophismen“ (kein Nachweis), „Unfähigkeit, seine Kriterien auf sich selbst anzuwenden“ (mein begründeter Vorwurf tu-quoque gewendet), „eine fast lächerlich unbeholfene Polemik“ (reflexiv eher ungünstig formuliert…), “ beim schon verzweifelt zu nennenden Versuch“ (dito), „sich gegen Kritik zu immunisieren“ (wieder mein begründeter Vorwurf, unbegründet zurückgegeben), „ein Pseudo tu-quoque-Argument aufbauend“ (was soll das sein?), „als Abschluss der Schuss ins eigene Knie“ (ein weiteres Tu-quoque-Argument)

      Ich hatte Sie ja schon am Ende des letzten Beitrags darauf hingewiesen, dass die Begriffe, die Sie beanspruchen, Sie selbst verpflichten. Sie als bloße Behauptungen ohne Nachweis zu verwenden, bringt nichts. Sie sind dann genau das, was Sie den „Schuss ins eigene Knie“ nennen. Dem entkommen Sie nicht durch den etwas einfachen Versuch, meinen Diskurs durch immer neue und immer heftigere Unterstellungen zu überlagern.

      Im Gegenteil – Sie reden sich damit, für alle sichtbar, in Rage. Sie beweisen mit jeder neuen Kaskade mein Argument.

      Das wird nur für Sie durch die Illusion verstellt, die Ihnen Ihre Selbsterhöhungen vorgaukeln – Sie hätten hier irgend etwas festzulegen oder irgend jemanden zu bewerten. Das haben Sie nicht. Je öfter Sie es wiederholen, desto deutlicher wird zudem, wie wenig Sie in der Lage sind, Ihrem eigenen autoritären Anspruch zu genügen.

      Mit bloßen, unbegründeten Unterstellungen Ihrerseits kommen wir hier aber nicht weiter. Offenbar haben Sie kein Interesse an einem konstruktiven Diskurs („Honigtöpchen“). Das geht auch nicht, wenn man genau das, was die Begriffe beschreiben, laufend in Geltung setzt. Man versteht dann nicht einmal den Ansatz, den man gerne kritisieren möchte. Die Heftigkeit und die endlose Wiederholung derselben ist Ausdruck davon. Ich betrachte daher die Diskussion für beendet.

      P. S.: Inwiefern Ihre immer dichter, persönlicher und beleidigender werdenden Kaskaden von unbegründeten Vorwürfen und Unterstellungen sich selbst aufheben, kann der geneigte Leser hier nachlesen: http://www.hoheluft-magazin.de/2016/11/na-logisch-die-derailment-taktiken-teil-2/

      Ob Sie dafür gerne noch einmal ein Beispiel geben wollen, bleibt Ihnen überlassen (es war ja das „letzte Honigtöpchen“).

    • Hallo Herr Saldiani,

      nach längerer Studie ihres Beitrags komme ich zu dem Schluss, dass Herr Zorn sie bezahlt um ein plastisches Beispiel für vollkommen fehlgeleitete Argumentation darzustellen.
      Ihre Kommentare stinken praktisch vor unsauberen Sophismen, lächerlich unbeholfener Polemik und verzwifelten Versuchen, sich gegen Kritik zu immunisieren.
      Mit jedem weiteren Beitrag bestätigen Sie wieder und wieder das Sie die Kolumne weder ganz gelesen oder verstanden haben können. Desweiteren wissen wir dank ihren geistreichen Beiträgen, dass ja jedes Argument mit einer geistigen Verfassung korreliert.
      Meine Frage an Sie ist daher: ist es einfach generelle Unfähigkeit, gepaart mit kompletter Fehleinschätzung ihrer Lage oder doch Streitsucht, die sie dazu veranlasst auch nach dem rammen des Eisberges noch auf der Brücke zu bleiben?

      Mit freundlichem Gruß,

      M.W.

  10. ThoThi sagt

    Interessant: Unter einem Artikel über den Psychologistischen Fehlschluss redet sich der Kritiker eines solchen dermaßen in die Wut hinein, dass er vor lauter Psychologismen nicht mehr sieht, dass das, was er kritisiert, das ist, was er selbst tut.

    Die Welt ist also auch auf Seiten voller höherer Lüfte nicht frei von wirklicher Dummheit.

  11. ThoThi sagt

    nteressant: Unter einem Artikel über den Psychologistischen Fehlschluss redet sich der Kritiker eines solchen dermaßen in die Wut hinein, dass er vor lauter Psychologismen nicht mehr sieht, dass das, was er kritisiert, das ist, was er selbst tut.

    Die Welt ist also auch auf Seiten voller höherer Lüfte nicht frei von basal-kindlicher Irrationalität.

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