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Verändern wir die Welt! – Philosophisches Manifest

Unter dem Titelthema der neuen Ausgabe „Mutig, weiblich, wichtig – Manifest für eine Philosophie, die uns bewegt“ haben wir in zehn Punkten zusammengefasst, wie unserer Ansicht nach eine relevante, moderne Philosophie aussehen sollte. Uns interessiert, wie Sie darüber denken. Welche Erwartungen haben Sie an zeitgemäße Philosophie? Welche Rolle sollte sie in der Gesellschaft spielen?

Das ganze Manifest können Sie nun hier lesen und uns in den Kommentaren, auf Facebook oder Twitter Ihre Meinung dazu sagen. Wir freuen uns sehr über zahlreiche Stimmen und sind gespannt auf Ihre Ideen und Vorschläge für eine Philosophie, die uns alle angeht und bereichert.

7 Kommentare

  1. Martina Petersen sagt

    Ich unterschreibe!! – in allen Punkten! Mit zwei Anmerkungen: Die Haltung der Offenheit würde ich nicht auf den Wissenschaftsbetrieb reduzieren und statt des Fachs bzw. ergänzend zu einem „Fach Philosophie“ wünsche ich mir in der Schule das philosophische Gespräch als Fach-übergreifendes Unterrichtsprinzip, wie es an ausgewählten Hamburger Schulen bereits probeweise Einsatz findet. Wenn Philosophie eine Tätigkeit ist, dann gehört das Philosophieren – zur Vermittlung einer „Kulturtechnik“ (Ekkehard Martens) und zum Aufgreifen philosophischer Fragen in Sinne einer „Ent-Trivialisierung des Unterrichts“ (Kerstin Michalik) selbstverständlich in die Schule – und in das methodische Repertoire der Lehrkräfte.
    Ich bin sehr dankbar für die vielen wertvollen Impulse, die von der Hohe Luft ausgehen!

    • Matthias Bublitz sagt

      Der Mainstream hat sich dazu entschieden, das geistige Schlüsselwissen, das das „Fach Philosophie“ zu bieten hätte, auf dem Altar des „Selberdenkens“ postmoderner Mittelschichten zu opfern. Witzigerweise wird dies im Gestus des Offenen und Unkonventionellen vorgetragen, obwohl es in Wahrheit eine neue Ideologie ist, die übrigens mit durchaus autoritären Mitteln durchgepeitscht wird – eine Ideologie der Theoriefeindlichkeit, aus der durchaus auch ein Intellektuellen- und Behindertenpogrom erwachsen könnte. Frau Petersen zitiert hier zwei MachthaberInnen der herrschenden Philo-Didaktik,über die an dieser Stelle lieber geschwiegen sei. Nur Folgendes: Theoriefeindlichkeit bedeutet nicht automatisch ein besseres Gespür für Alltagsfragen…

      • Matthias Bublitz sagt

        Wenn Frau Michalik von „Ent-Bindestrich-Trivialisierung“ spricht, läuft das leider darauf hinaus, dass in der Bildung nur das Quadrivium übrigbleiben soll (Logik des Umschlagens in den Naturalismus und Faktizismus). Das Problem an der Philo-Didaktik ist ja, dass dieser Bereich von ultratrivialen Ponyhof-LehramtskandidatInnen überflutet wird, die sofort die Polizei rufen, wenn Intellektuelle, unbequeme Wahrheiten oder abstrakte Gedanken auftauchen. Bei deren „Selberdenken“ kommt eben nur der Tratschgacker ökofaschistischer Biederfrauen heraus. Philosophieren Sie mit Frau Michalik doch mal über das alltagsrelevante Phänomen „Stalking“ – sie macht es zum Kampfbegriff gegen Kritiker und Unerwünschte und verhöhnt damit alle echten Stalking-Opfer. Der herrschenden Philosophiedidaktik gelingt es bei KEINEM EINZIGEN alltagsrelevanten Thema, einen sinnvollen Zugang zu finden – der Alltagsbezug dient nur als Vorwand, um eine intellektuellen- und gelehrtenfreie Gesellschaft zu schaffen. Das „kritische Selberdenken“ kommt über bloße Ankündigungen nicht hinaus. Entscheidend ist aber nun mal, was hinten rauskommt (gemeinsame Erklärung H. Kohl / S. Freud).

        • Schaupp sagt

          Offensichtlich ist Ihnen der Begriff Philosophie nicht wirklich geläufig. Er bedeutet: Suche nach Erkenntnis und Wahrheit. Diese erfordert nicht notwendig intellektuelle Kenntnisse über das, was Philosophen frueher mal gesagt haben, sondern selbstständiges Denken .

  2. Marc Heimann sagt

    Verehrtes HOHE LUFT-Team,

    1. Philosophie soll sich als Tätigkeit begreifen: Ein kleiner Text, der zum Denken anregt. Doch verstecken sich hier zwei Merkmale, die mich verwundern. Der erste Abschnitt beginnt recht trefflich die Aspekte der Philosophie zu beschreiben (wobei man doch den Eindruck bekommt, dass die bestehende Behandlung des Begriffs zu langweilig und theoretisch in Schulen oder in beruflicher Laufbahn realisiert wird). Nun, dies ist ein Teil des philosophischen Ozeans, in dem der Fisch halt schwimmt und dies ist gleichzeitig Geist. Diese trockene Behandlung zeigt die Begabung, sich mit dem gegebenen Thema mental identifizieren und produktiv auseinandersetzen zu können, sodass die innere Überzeugung oder die beginnende Transzendenz so wahrhaftig wie möglich in Worte gefasst wird (wie sie schon treffend beschrieben haben, um Klarheit zu schaffen – aber nicht nur Klarheit im wörtlichen Sinne, sondern in mente der Durchsichtigkeit für das Verständnis – worüber Sie auch in Punkt 4.schreiben). Dies mag nicht jeden Menschen interessieren, aus welchem Grund es die verschiedensten Berufe gibt. Ich habe das Gefühl, dass sie eine Idee verfolgen, welche den Inhalt hat, eine philosophische Revolution zu beginnen und die Menschen mit Spannung, Anregung und Wollust zu überzeugen. Wenn ich Recht habe, dann kann ich Ihnen sagen, dass dies nur geschehen wird, indem der Mensch selber kritische Momente erfährt, die philosophische Eindrücke vertreten, sowie auch hinterfragen und somit ein Interesse entsteht, welches unentwegt den steinernen Weg der Erkenntnis wandert, ohne die Motivation zu verlieren.
    Welches mich zum zweiten Merkmal bringt, das sich auf die praktische Ausführung bezieht. Der erste Vergleich, Tätigkeit – Gewerbe, zeigt in casu keine Kongruenz zur Idee der Philosophie. Denn die Philosophie kann in keiner Form als Gewerbe an sich realisiert werden. Ansonsten ist es keine Philosophie, sondern Marketingidee (ich weiss, dass ich das Zitat von Arendt kritisiere, aber dies ist doch Sinn und Zweck, wenn man zB ein Buch liest -> Meinungen zu hinterfragen). Philosophie heisst, seine Lebensanschauung in die Wirklichkeit umzusetzen und die Balance zwischen ästhetischem und ethischem Leben für sich zu finden. Dann lebt man mit sich selbst im Reinen.

    2. Familie statt Leib-Seele-Problem: „Wenn Philosophen, mit dem was sie tun, relevant und interessant bleiben möchten, … „ (ein weiteres Indiz für die Idee der philosophischen Revolution) Dieser Satz erscheint mir als ein Ratgeber-Zitat für den Philosophen des Monates. Nein. Der Philosoph passt sich zwar an die gegebenen Umstände seiner lebenden Situation an, jedoch orientiert er sich keineswegs an gesellschaftlich angepasste Fragestellungen, wie „Wie entsteht Vertrauen in der digitalen Kommunikation?“. Um die Leute zum Nachdenken zu bewegen müssen Fragen gestellt werden, die tiefgreifender sind und nicht an der Oberfläche des technischen Fortschritts kratzen. Eine mögliche Konzeption: „Bin ich mir dem Ausmaß an Folgen bewusst, wenn ich das teuerste Handy auf dem Markt hole?“ Technik kann interessant sein und je mehr gekauft wird, desto mehr wird geforscht und entwickelt. Würde der Großteil der Menschen nicht immer auf der Suche nach dem Haben, Kaufen und Besitzen sein, könnte sich der Geist von der Krankheit befreien, nur darüber nachzudenken, wie man am schnellsten erfolgreich wird, um an so viel Geld wie möglich zu kommen und sich somit alles leisten zu können, was dem gierigen Verstand in den Sinn kommt. Ich bin mir bewusst, dass es sich kaum verhindern lässt fortzuschreiten, denn Evolution ist Bestandteil des Lebens, aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass ich kein Fernsehprogramm brauche um beschäftigt zu sein und dass ein Buch in der Hand manchmal besser ist, als Wikipedia.

    Grundsätzlich empfinde ich die Idee einer neuen bzw. fortschrittlichen Ära der Philosophie als Notwendigkeit um Veränderungen der Denkart und des eigenen Handelns wahrzunehmen, weswegen ich Ihre Thesen auch unterstütze. Die Revolution beginnt an der Klippe unseres Verstandes – wir müssen nur den Mut in die Beine nehmen und den ersten Sprung wagen, um somit in eine emanzipierte Welt einzutauchen, die sich jenseits von Orientierungslosigkeit und Unverständnis befindet.

    Ich danke Ihnen für den kleinen Einblick in eine mögliche Zukunft.

    Liebe Grüße
    Marc Heimann

  3. Kerstin Krüger sagt

    Also löbliches Unterfangen, grad auch der Punkt Philosophinnen in den Blick zu bekommen und sich ein bisschen zu öffnen und zu würdigen. Aber Phrasendreschen verbieten und dann vielfach selbst betreiben, erscheint nur wenig konsequent, das ist dann fast selbst nah am Bullshit.
    Und ja Philosophinnen sollen sich auch ins aktuelle Geschehen einmischen,das ändert aber nichts daran, dass die sog. „Alten Kamellen“ nicht mehr relavant sind, nur weil sich schon viele damit beschäftigt haben, was eher ein Zeichen für die Relevanz ist. Raus aus den Elfenbeintürmen ja, volle Fahrt in neoliberale Verwertungs-Nutzen-Kategorien nein.

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