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HOHE LUFTpost – Harmonie statt Philosophie

HOHE LUFTpost vom 12.06.2015: Harmonie statt Philosophie

Deutschland hat einen kleinen Philosophie-Skandal: Die Veranstalter der Phil.Cologne, des Philosophie-Festivals in Köln, haben den australischen Philosophen Peter Singer ausgeladen, nachdem dieser in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung einige provokante Dinge über den moralischen Status von Embryonen und Menschen mit Behinderung gesagt hatte. Singer fragte die Veranstalter: “Wie können sie sich als Philosophie-Festival bezeichnen, wenn sie zu ängstlich sind, Fragen zu diskutieren, die einige Menschen stören?”

Und er hat recht. Diese Ausladung ist feige und armselig. Sie widerspricht dem Geist der Philosophie, zu der wesentlich der offene, undogmatische Diskurs gehört. Singer macht es sich mit seinen Thesen keineswegs leicht. Manchmal fällt es ihm selbst schwer zu akzeptieren, wohin seine konsequent utilitaristischen Argumente ihn führen. In Köln hätte es die Gelegenheit gegeben, mit ihm zu streiten. Aber offenbar liegt den Veranstaltern mehr an der Harmonie als an der Philosophie.

– Tobias Hürter

6 Kommentare

    • Eric Andersen sagt

      Ein solcher hashtag (#schlussmitsinger), wie sie ihn auf facebook geteilt haben, ist genau das falsche Mittel, wenn sie „gegen“ Peter Singers Thesen vorgehen wollen. Damit machen Sie nur den Eindruck, Sie hätten keine Argumente mehr und verließen sich stattdessen auf die Emotionen des Internets. Sehr philosophisch.

      • Lieber Eric Andersen, es handelt sich bei meinem Kommentar um eine ironische Anspielung auf die Kampagne „Schluss mit Heidegger“ die von „Hohe Luft“ vor einigen Monaten initiiert wurde.

  1. Christoph Straßburg sagt

    Finde ich wirklich schlimm sowas. Die Forschungsgelder beantragen, Bücher schreiben, in Exellenzclustern rumhängen aber kaum kommt ein wirklich schwieriges Thema auf den Tisch, schnell machen das man(und auch Frau) wegkommt. Solchen Argumenten, wie schlimm sie auch sein mögen, kann man nicht beikommen wenn man die Augen vor ihnen zu macht!!!

  2. Lukas Halbach sagt

    Wenn man die Position von Singer verurteilt, ist es doch umso wichtiger, ihn einzuladen. An einer derartigen Meinungsverschiedenheit lässt sich doch viel lernen. Außerdem, vorausgesetzt, Singer hält sich an wissenschaftliche Standards, (was er meines Wissens nach tut) ist doch keinem geholfen, wenn man eine potentiell verwerfliche Ideologie einfach ablehnt, statt sie zu diskutieren und kritisieren.

  3. Alexandra Flöck sagt

    Solange die Wissenschaft mit ihren sämtlichen Forschungsbereichen immer schneller und grenzenloser bestrebt ist, die Forschungsergebnisse zu realisieren, ist es meines Erachtens Aufgabe der Philosophen, sich mit diesen wissenschaftlichen Themen moralisch auseinanderzusetzen. Bei solchen brisanten Themen wie dem Schwangerschaftsabbruch bei potentieller Behinderung ist eine Diskussion ebenso absolut notwendig, da die Ansichten und Gefühle der werdenden Eltern im Vordergrund stehen, also nicht nur der rein wissenschaftliche oder der ausschließlich philosophische Aspekt hinterfragt. Einen Philosophen von einer Veranstaltung auszuladen, um diese Diskussion zu vermeiden, halte ich – ebenso wie viele andere Kommentatoren – schlicht für feige. Die Vorgehensweise der verantwortlichen Veranstalter ändert absolut nichts daran, dass man diese Themen grundlegend diskutieren muss, egal, welche Meinung vertreten wird. Philosophen wie Singer sind notwendig, um auch moralisch grenzwertige Fragen diskutieren zu können. Den meisten fehlt dazu schlichtweg der Mut. Schade.

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