HOHE LUFT, Veranstaltung
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Was ist ein „Ich“?

Im Gegensatz zu Tieren kann der Mensch „Ich“ zu sich sagen. Aber was bedeutet das eigentlich genau? Schließlich verändern wir uns ständig – und bleiben irgendwie doch dieselbe Person. Wie ist das möglich? Ist es vielleicht meine Seele, die mich zu dem macht, was ich bin? Aber wenn ich meine Seele in ein Schwein einpflanzen würde, dann wäre ich doch nicht das Schwein?! Oder etwa doch? Oder bilde ich mir dieses Selbst vielleicht nur ein? Und welche Rolle spielen die Geschichten, die ich über mich selbst erfinde?

Über diese Fragen diskutierte HOHE LUFT-Chefredakteur Thomas Vašek mit dem Kulturwissenschaftler Nicolas Dierks bei der letzten HOHE LUFT_live-Veranstaltung. Das ganze Gespräch können Sie hier anhören.

Die nächste HOHE LUFT_live-Veranstaltung findet am 3. Juli in der modern life school in Hamburg statt. Das Thema lautet „Arbeit“.

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  1. Volle Zustimmung! – „Ein“ Ich in Form einer Sache oder eines Dings, wegen der das normale Personalpronomen „ich“ – das in Sätzen der deutschen Sprache eine bestimmte Aussagenfunktion erfüllt – anders behandelt, nämlich groß geschrieben und mit einem Artikel versehen werden müsste, gibt es nicht.

    Das hat sich also offenbar auch bei philosophisch Gebildeten bis hin zu den mit den phantasievollen Konstruktionen des deutschen Idealismus Vertrauten rumgesprochen. –

    In Form eines Dings, einer Sache oder einer „Substanz“ – auch wenn wir für all das, was ich sagen will, entsprechende „Substantiva“ haben, die ich hier deswegen auch verwende(n kann) – gibt es genauso wenig auch das, was oft gemeint wird, wenn von einem „Ich“ geredet wird, nämlich ein Ich- oder Selbst-„Bewusstsein“: das beginnt mit der Selbstwahrnehmung, der elementaren „Selbstkenntnis“ von sich selbst und schließt nach und nach auch all das „Wissen“ von einem selbst ein, das man sich zusätzlich zur je momentanen Selbstwahrnehmung „aus dem Schatzkästchen der Erinnerung“ immer auch noch dazudenken kann.

    Was ich aber selbst über mich selbst denke – in genau den Momenten dieses Denkens, wenn auch nur während dieser Zeit, in denen ich das tatsächlich tue -, das gibt es „in der Tat“: für genau diese Zeit und dann nicht mehr (woraus sich die Notwendigkeit ergibt, immer wieder über sich nachzudenken, um all das, was ich von mir weiß, zu ordnen und in die richtigen Zusammenhänge zu bringen).

    Insofern ich in jedem Moment meines Lebens, in dem ich es machen möchte, wie jeder andere Mensch auch immer wieder über mich nachdenken oder sonst irgendwas über mich oder von mir denken kann, kreiere ich in den Momenten dieses Denkens mehr oder weniger detailreiche Vorstellungen oder „Bilder“ von mir selbst bis hin vielleicht zu einem Gesamtbild von mir, meinem „Selbstbild“ – natürlich immer zusätzlich zu mir selbst, der ich auch ganz unabhängig davon „bin“, was und wo ich bin und insbesondere dann bemerke, wenn ich etwas anderes tue als über mich nachzudenken.

    Selbst wenn sie unvertraut klingt und deswegen überraschend wirken dürfte: das, was mit „mein“ Ich oder Selbst gemeint ist – „mein“ Selbstverstehen oder Selbstverständnis, „mein“ Selbstbewusstsein, „mein“ Selbstbild, „meine“ Erinnerungen an oder Vorstellungen von mir selbst -, mit all diesen Substantive sind sachlich gesehen „Taten“ gemeint – bestimmte von mir selbst durchgeführte psychische Leistungen, in denen ich mich „im“ oder beim Denken oder „in“ der Vorstellung auf mich selbst beziehe, sonst „nichts“ oder besser gesagt: nichts weiter.

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