Schlagwort: Schönheit


Die Faszination des Hässlichen

Kolumne »Schöne Gedanken«

Das Schöne fasziniert und bannt uns. Erstaunlicherweise gilt das auch für das Gegenteil des Schönen: das Hässliche. Der Blobfisch, der als das hässlichste Tier der irdischen Biosphäre gilt, übt eine ganz eigene Faszination auf den Betrachter aus. Auch Kunstwerke wie die Gemälde von den »schreienden Päpsten« von Francis Bacon – sie gehören zu Bacons höchstgehandelten Werken – beeindrucken vor allem durch ihre Hässlichkeit. Die Ästhetik des Hässlichen und die des Schönen treffen sich in den Extremen. Vielleicht kann man sogar sagen: Auch perfekte Hässlichkeit ist Schönheit.

– Tobias Hürter

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Das Schöne darf glatt sein

Kolumne »Schöne Gedanken«

Er ist ein Star der deutschen Denkerszene: der Berliner Philosoph Byung-Chul Han. Seine Spezialität ist die Provokation. Mit seinen Büchern will er, das ist sein erklärtes Ziel, seine Leser wachrütteln, und er schreibt nicht für seine gelehrten Kollegen, sondern wendet sich an uns alle.

In seinem neuen Werk »Die Errettung des Schönen« will er unseren Sinn fürs Schöne kurieren, der, wie er überzeugt ist, gründlich verdorben ist. »Warum finden wir heute das Glatte schön?«, fragt er. »Das Glatte ist die Signatur der Gegenwart. Es verbindet Skulpturen von Jeff Koons, iPhone und Brazilian Waxing miteinander. Über die ästhetische Wirkung hinaus spiegelt es einen allgemeinen gesellschaftlichen Imperativ wider. Es verkörpert nämlich die heutige Positivgesellschaft. Das Glatte verletzt nicht. Von ihm geht auch kein Widerstand aus. Es herrscht Like. Der glatte Gegenstand tilgt sein Gegen. Jede Negativität wird beseitigt.« Alles wolle nur noch gefallen, aber nicht mehr wirklich schön sein. Es fehlten das »Doppelbödige«, die »Innerlichkeit«, die »Rückseiten«, beklagt Han. 

Leben wir wirklich in einer armseligen Zeit, in der das Schöne nur noch Oberfläche ist? Ich widerspreche Han. Selbst seine eigenen Beispiele sprechen gegen ihn. Ein enthaarter Körper mag glatt sein, aber seine Ästhetik ist keineswegs oberflächlich, ebenso wenig wie das vollendete Design des iPhones. Und wer es ein wenig rauer oder doppelsinniger mag: Die Künstler von heute sind so einfallsreich und schaffensfreudig wie eh und je. Nicht unser Sinn für Schönheit ist verzerrt, sondern der Blick von Byung-Chul Han.

– Tobias Hürter

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Einfach weil es schön ist

»Schöne Gedanken« – Einfach weil es schön ist

Achten Sie auf Ihr Aussehen, wenn niemand hinschaut? Allgemeiner gefragt: Tun sie Dinge, nur weil sie schön sind? Nicht, weil es nützlich ist, sie zu tun, oder weil es bequem oder angenehm ist, oder um irgendwen zu beeindrucken – sondern aus purer Schönheit? Wir stehen erstaunlich selten vor dieser Frage. Schönheit bringt meistens was. Mit ihr kann man beispielsweise Geld verdienen oder die Gunst seiner Mitmenschen gewinnen. Ich bin überzeugt, dass die Schönheit ein mächtiger Treiber unseres Tuns ist, auch wenn wir dazu neigen, statt ihrer eher »handfeste« Vorteile anzuführen, um unsere Handlungen zu begründen. Schönheit ist sozusagen der Hintergrund unseres Tuns. 

– Tobias Hürter

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Hühner mögen schöne Menschen

Kolumne »Schöne Gedanken« – heute: die Hühner-Schönheits-Jury

Schöne Menschen haben es leichter – auch bei Hühnern. Das haben Biologen in einer Studie gezeigt, in der sie die Reaktion von Hühnern auf menschliche Gesichter untersuchten. Stefano Ghirlanda und seine Kollegen von der Universität Stockholm legten ihren gefiederten Probandinnen Fotos von menschlichen Gesichtern vor, die zuvor auf ihre Attraktivität hin bewertet worden waren, und beobachteten, wie stark die Hühner auf den Bildern herumpickten – ein Maß dafür, wie anziehend sie ein Bild fanden. Tatsächlich stimmten die Hühner in ihren Bewertungen weitgehend mit den Menschen überein. Dieser Befund ist nicht nur für Hühnerhalter von Bedeutung, er ist auch ein Hinweis darauf, dass das menschliche Schönheitsempfinden kein rein kulturelles Phänomen ist. 

– Tobias Hürter

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Die Schöne und das Biest

Kolumne: Schöne Gedanken

Eine wunderschöne Frau lernt einen unansehnlichen Mann kennen – und trotz seines Äußeren wegen seines schönen Wesens schließlich auch lieben. Das ist die Geschichte von »der Schönen und dem Biest« – und man wünscht sich, dass es auch in Wirklichkeit so laufen könnte. Amerikanische Psychologen haben nun festgestellt, dass es gar nicht selten tatsächlich so läuft. In einer Studie untersuchten sie 167 heterosexuelle Paare darauf, wie lange sie sich kannten, bevor sie zusammenkamen, und wie stark sie sich in ihrer physischen Attraktivität unterscheiden. Ergebnis: Je größer der Unterschied in der Attraktivität, desto länger ist die »Vorlaufphase« eines Paares. Es gibt sie also, die Liebe auf den zweiten Blick. Aber sie braucht ihre Zeit.

– Tobias Hürter

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Fehler machen schön

Kolumne »Schöne Gedanken«

»Perfekte Schönheit«, das ist ein etablierter Begriff. Aber er ist auch verdächtig. Ist das, was wir schön finden, was uns anzieht, was wir lieben, wirklich perfekt? Ich bestreite das. Anziehend und liebenswert sind oft gerade die kleinen Fehler. Perfektionismus tötet lebendige Schönheit. 
»Perfektionismus ist die Stimme des Unterdrückers«, schreibt die amerikanische Schriftstellerin Anne Lamott, »der Feind der Menschen. Er hält uns für immer verkrampft und verrückt.« Sie meinte damit vor allem ihre Arbeit als Autorin – doch ich glaube, es gilt für jede Form von Kreativität und Ästhetik. Fehler machen schön! 

– Tobias Hürter

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Die tiefe Schönheit der Natur

Kolumne »Schöne Gedanken«

Physik und Schönheit – für viele Menschen ist das kein harmonisches Paar. Doch für die besten Physiker ist Schönheit eine wichtige Wegweiserin bei der Enträtselung der Natur. Albert Einstein wehrte einmal einen Vorschlag eines Fachkollegen mit »Oh, wie hässlich« ab. Der Nobelpreisträger Frank Wilczek hat nun ein Buch geschrieben, in dem er dem Zusammenhang von Schönheit und Naturgesetzen genauer nachgeht: »A Beautiful Question« ist sein Titel. Darin erzählt Wilczek, wie er und seine Kollegen sich von Idealen wie Einfachheit, Harmonie, Gleichmäßigkeit und Symmetrie leiten lassen, wenn sie ihre Theorien entwickeln. Warum funktioniert das? Weil die Natur in ihrem Wesen schön ist, vermutet Wilczek, und wir Menschen einen Sinn für diese Schönheit haben. Daher sind die Physiker auch überzeugt, noch lange nicht am Ende ihrer Suche nach den letzten Naturprinzipien angelangt zu sein. Ihre aktuellen Theorien sind ihnen noch nicht schön genug.

– Tobias Hürter

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Schönheit mit Down-Syndrom

TobiasHuerter_180x180swKolumne Schöne Gedanken

Unser stellvertretender Chefredakteur Tobias Hürter macht sich in seiner neuen Kolumne jeden Monat Gedanken über das Thema »Schönheit«. Wie so oft steckt auch hinter unserem Alltagsverständnis von Schönheit viel mehr als man auf den ersten Blick sieht. Viel Spaß und schöne Gedanken beim Lesen!

Schönheit mit Down-Syndrom

In Australien macht derzeit ein junges Model Furore, wie es bisher noch keines gab: Die 18-jährige Madeline Stuart, genannt »Maddy«, hat das Down-Syndrom. Menschen mit dieser Gen-Anomalie entsprechen eigentlich nicht den üblichen Schönheitsnormen. Doch wie Maddy zeigt, können sie sexy und schön sein. Maddy hat sich anderthalb Jahre auf ihre Model-Karriere vorbereitet und dabei 20 Kilogramm abgenommen – und es hat sich gelohnt: Das Mode-Label Living Dead Clothing hat Maddy engagiert. Bald soll das erste Shooting steigen. Das Beispiel Maddy kann uns die Augen öffnen: für Schönheit, die aus dem Rahmen fällt.

– Tobias Hürter

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