Schlagwort: Philosophie


Vom Dandy zum Kirchenvater

Mit seinen „Bekenntnissen“ schrieb der heilige Augustinus nicht nur die erste Autobiografie der Literaturgeschichte, sondern offenbarte auch, dass er einst alles andere als ein Heiliger war. „ ,Gib mir Keuscheit und Enthaltsamkeit, aber bitte nicht sofort!ʻ Das ist das Grundthema der Bekenntnisse, das Augustinus immer wieder variiert: der Widerstreit zwischen Frömmigkeit und Lust, zwischen Geist und Körper, und wie bei ihm schließlich der Geist den Körper niederringt. An einer Stelle erzählt er, wie er als Junge mit Freunden von einem Birnbaum stahl – eine offensichtliche Anspielung auf das Buch Genesis. Die Pointe der Geschichte ist, dass der junge Augustinus gar nicht an den Birnen interessiert war, sondern am Stehlen. Er sündigte um der Sünde willen.“ (Tobias Hürter, „Vom Dandy zum Kirchenvater“, HOHE LUFT 3/2013) Die Geschichte dieses inneren Ringens können Sie hier nachlesen. (PDF)

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Philosophie auf dem iPhone

Wer unterwegs eine geniale philosophische Eingebung hat, oder dringenden Diskussionsbedarf verspürt, kann jetzt auf die Philosophie-App von Jonathan Weisberg zurückgreifen. Gibt es hier gratis für iOS. Und bald auch für Android.

– Tobias Hürter

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Denkstücke – Lockerungsübungen für den philosophischen Verstand

Woher wissen wir, dass wir existieren? Was ist Zeit? Verstehen wir immer, was der andere meint? Mit philosophischen Fragen können wir uns alle befassen – nicht nur akademische Experten. Das ist die Grundidee der HOHEN LUFT. Ihr Chefredakteur Thomas Vašek hat jetzt ein Buch geschrieben, das die „Denkstücke“ aus der gleichnamigen Rubrik der Zeitschrift und viele weitere, bisher unveröffentlichte Texte enthält. Die kurzweiligen Texte wecken den Spaß am Philosophieren und führen uns dabei einmal quer durch die Philosophiegeschichte – von der Antike bis in die Gegenwart. Wer tiefer einsteigen möchte, findet dazu zahlreiche Literaturtipps. Philosophische Kenntnisse setzt das Buch nicht voraus, nur die Lust am Denken. Es ist bei Suhrkamp erschienen und seit heute im Handel erhältlich.

 

 


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Warum ist ein Hund ein Hund?

Die neunjährige Sarah sagt auf dem Weg zum Reiten aus heiterem Himmel: „Manchmal stelle ich mir vor, wie ich sterbe und dabei merke, dass mein ganzes Leben gar nicht echt war, sondern nur ein Traum.“

Das ist typisch für Kinder: Tiefsinnige Gedanken in Momenten zu äußern, in denen wir Erwachsenen nicht damit rechnen. Die Vorfreude auf die nächste Reitstunde schließt philosophische Fragen nicht aus, ja, vielleicht fördert sie diese sogar. Was, wenn die tollen Erlebnisse auf dem Ponyhof gar nicht real sind? Wenn sie vielleicht zu schön sind, um wahr zu sein? Den ganzen Artikel lesen

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Frage an alle: Wie universell ist die Moral?

Gibt es universell gültige moralische Prinzipien? Das ist eine der großen Streitfragen der Philosophie. Ludwig Wittgenstein und Karl Popper sind sich über diese Frage einmal derart in die Haare geraten, dass Wittgenstein Popper beinah ein glühendes Kamineisen drübergezogen hätte – mehr dazu in der vierten Ausgabe von Hohe Luft, die am 20. September erscheint.

Ein Kamineisen ist allerdings kein Argument. Also: gibt es universelle moralische Prinzipien? Ja, behauptet der amerikanische Philosoph Alex Rosenberg. In seinem neuen Buch The Atheists‘ Guide to Reality gibt er Beispiele:

  • Füge einem Neugeborenen kein unnötiges Leid zu!
  • Schütze deine Kinder!
  • Wenn dir jemand etwas Nettes tut, dann solltest du diesen Gefallen ceteris paribus* erwidern.
  • Ceteris paribus sollten alle Menschen gleich behandelt werden.
  • Wenn du etwas verdient hast, dann hast du ein Recht darauf.
  • Es ist zulässig, völlig fremden Menschen den Zugriff auf den eigenen Besitz zu verwehren.
  • Es ist OK, Menschen zu bestrafen, die absichtlich etwas Falsches getan haben.
  • Es ist falsch, Unschuldige zu bestrafen.

Hat Rosenberg recht darin, dass diese Prinzipien universell gelten? Wer findet eine Ausnahme, egal ob wirklich oder möglich, oder Gegenargumente? Bitte um Diskussionsbeiträge!

Alex Rosenberg PhD  Institute for Genome Sciences  Policy

Alex Rosenberg

Unabhängig davon, ob man Rosenberg zustimmt oder nicht, ist seine Begründung für die Universalität solcher Prinzipien interessant. Er hält sie nicht für moralisch zwingend oder sonstwie objektiv gültig. Er glaubt vielmehr, dass sie sich in der Menschheitsgeschichte als universelle Verhaltensnormen durchgesetzt haben – vielleicht, weil sie evolutionäre Vorteile bieten, oder vielleicht auch aus historischen Zufällen. Rosenberg ist ein metaethischer Nihilist. Er bestreitet, dass Moral auf einer tieferen Wahrheit beruht. Manch ein Moralist würde ihm dafür wohl gern eins mit dem Kamineisen drüberziehen.

– Tobias Hürter

(* Ceteris paribus bedeutet wörtlich »Alles Andere bleibt gleich«, also: wenn sonst keine neuen Bedingungen hinzukommen.)

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Offiziell: Oktopusse haben ein Bewusstsein

Eine internationale Gruppe von Wissenschaftler hat auf einer Tagung zum Gedenken von Francis Crick die Cambridge Declaration on Consciousness in Non-Human Animals (pdf) paraphiert. Sie spricht weiten Teilen des Tierreichs ein Bewusstsein zu – und nimmt dem Menschen die alte Illusion, das einzig bewusstseinsbegabte Wesen auf Erden zu sein. Früher herrschte der Glaube unter Forschern, dass der Neocortex, den nur Menschen und einige Säugetiere im Schädel haben, eine Voraussetzung für Bewusstsein sei. Diesen Glauben kippt die Deklaration. Alle Säugetiere und Vögel, sogar wirbellose Tiere wie der Oktopus besitzen das neurologische Substrat, das Bewusstsein erzeugt.

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(Aus der Wikipedia)

Die vielleicht erstaunlichste Vermutung in der Erklärung ist, dass Bewusstsein sich in der Evolutionsgeschichte zweimal entwickelt hat: parallel bei Vögeln und Säugetieren. Wenn das stimmt, bedeutet es, dass Bewusstsein keine so außergewöhnliche Eigenschaft von Leben ist – und dass auch außerirdisches Leben, sofern es existiert, mit höherer Wahrscheinlichkeit Bewusstsein entwickeln könnte.

– Tobias Hürter

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„Der Name ‚Philosophie‘ ist völlig veraltet“

Colin McGinn, Philosophie-Professor in Miami, möchte nicht mehr als „Philosoph“ bezeichnet werden. Er schlägt einen neuen Namen für die Wissenschaft vom Sein vor: „Ontik“ – doch nicht alle Kollegen teilen seine Meinung. Leseprobe aus HOHE LUFT Nr. 3: „Schall, Rauch und Weisheit“

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