Schlagwort: Philosophie


Verständlich unverständlich?

Jörg Phil Friedrich zweifelt daran, dass es ein »richtiges« Verstehen von Texten gibt. Offenbar meint er damit, dass es gar nicht auf die Verständlichkeit eines Textes ankommt, sondern vielmehr darauf, welche Wirkung er auf uns hat, zu welchen Einsichten er uns führt. Friedrich schreibt: „Ein philosophischer Text wäre dann verständlich, wenn er mir hilft, etwas zu verstehen, nicht unbedingt den Text selbst, sondern eine grundsätzliche Eigenschaft meiner Welt.“

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Verständliche Philosophie in einer schwer verständlichen Welt?

Wer möchte nicht verständlich sein? Zwar wird manchmal behauptet, es gäbe Philosophen, die würden extra so schreiben, dass sie keiner versteht. Sie würden, so hört man, sich ganz bewusst einer Sprache bedienen, die irgendwie geheimnisvoll und wichtig klingt, aber eigentlich inhaltsleer ist. Sie sagen nichts, tun das aber auf eine Weise, die nach sehr viel klingt. Am Ende kann dann jeder in die Worte des Philosophen hineinlegen, was er selbst möchte, aber was der Philosoph wirklich sagen wollte, bleibt unverständlich, vielleicht, so meint man, weil es da auch gar nichts zu verstehen gibt.

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Die dunkle Seite der Philosophie

„Künftig muss das Unverständliche gewagt werden,“ schrieb Martin Heidegger einmal: „Jedes Zugeständnis an Verständlichkeit ist schon Zerstörung.“ Der Satz ist wie ein Schlag ins Gesicht für jeden, der an die Kraft des nachvollziehbaren Arguments glaubt, an die Verantwortung begründender Rede. „Unverständlich“ solle die Philosophie bleiben, ja mehr noch, nur die Unverständlichkeit sichere ihre Existenz.

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Philosophie muss auf die Menschen zugehen

Der Wuppertaler Philosophie-Professor Peter Trawny vertrat hier kürzlich die These, dass die Popularisierung der Philosophie die akademische Philosophie gefährde. HOHE LUFT Chefredakteur Thomas Vašek widersprach dieser Meinung und verfasste eine Gegendarstellung, auf die wiederum Peter Trawny antwortete. Thomas Vašeks Replik darauf, lesen Sie hier.  

Die Philosophie dürfe keine Voraussetzungen akzeptieren, schreibt Peter Trawny. Ihr »Sonderstatus« bestehe eben darin, »alles in seiner Bedeutung zu klären«. Bis hierhin unterschreibe ich Trawnys Position.
Mein Dissens mit Trawny beginnt dort, wo er meint, dass gute Philosophie nur außerhalb der ökonomischen Sphäre – und damit jenseits der »Populärphilosophie« gedeihen kann. Sein paradigmatisches Beispiel ist Sokrates. Erstens habe Sokrates mit seiner Philosophie kein Geld verdient. Zweitens sei sein Denken „ortlos“ gewesen, also „losgebunden von den Diskursformen, die auf dem Markt eben gelten.“ Beides bringt Sokrates, so meint Trawny offenbar, in einen Gegensatz zu heutigen populären Philosophen. Dazu zwei Anmerkungen.

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„Wir brauchen keine geschützten Denkwerkstätten, sondern eine lebendige Philosophie“

HOHE LUFT Chefredakteur Thomas Vašek widerspricht der These Peter Trawnys, die Philosophie liefe Gefahr, sich durch ihre zunehmende Popularisierung selbst abzuschaffen. Philosophie ist in Thomas Vašeks Augen für alle da und sollte sich nicht auf elitäre Scheindiskurse beschränken. 

Der Kapitalismus ist ein Übel. Rücksichtlos drängt er sich in alle Lebensbereiche, korrumpiert unsere Werte und Beziehungen – und wenn man Peter Trawny folgt, zerstört er jetzt auch noch die Philosophie. Den ganzen Artikel lesen

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»Die Philosophie muss ihre Popularisierung reflektieren«

Peter Trawny lehrt an der Bergischen Universität in Wuppertal und ist Herausgeber der Heidegger-Gesamtausgabe. Er ist unter anderem Autor der Bücher »Technik.Kapital.Medium« sowie »Heidegger. Eine Einführung« und »Heidegger und der Mythos der jüdischen Weltverschwörung«. Er äußerte sich hier im Rahmen der Enthüllung der »Schwarzen Hefte« zu Heideggers nationalsozialistischem Gedankengut.

Heute nimmt er Stellung zur aktuellen Entwicklung der akademischen Philosophie und spricht die Warnung aus: Die Philosophie droht, sich selbst abzuschaffen, wenn sie immer mehr zum Massenphänomen wird. Von unserem Chefredakteur Thomas Vašek wird hier in Kürze eine Antwort erscheinen. 
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Der Mensch ist mehr als nur sein Hirn

Es ist einige Jahre her, dass Stephen Hawking den Tod der Philosophie verkündet hat. Angesichts der Fortschritte von Physik, Astronomie und Neurowissenschaften mag dies erst einmal einleuchtend klingen. Die großen Fragen sind heute nicht mehr nur an spekulative Antwortansätze gebunden. Und trotzdem ist die Philosophie nicht im Sterben begriffen. Warum?

Eine mögliche Antwort besteht in der Fähigkeit des Menschen, nach moralischen Gesichtspunkten zu handeln. Den Menschen auf seine neurophysiologischen Mechanismen zu reduzieren, hieße in letzter Konsequenz, ihn von der Verantwortung für sein Handeln zu entbinden und ihn von moralischer Schuld freizusprechen. Darum ist die Philosophie gefordert, die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Menschen und die Welt, in der er lebt, herauszuarbeiten. Sie kann die Problematiken aufzeigen, die sich aus den Erkenntnissen der Wissenschaft ergeben. Die Welt muss nicht bedeutungslos und zufällig sein, wenn der Mensch sie als solche nicht erkennen will. Er kann ihr einen eigenen Sinn geben, wie er auch sich selbst einen anderen Sinn geben kann. Er kann sich dazu entscheiden, nicht nur Spielball seines Gehirns sein zu wollen.

Der Mensch ist dann eben mehr als nur die Theorien, die ihn zu erklären versuchen. Dass ausgerechnet ein Neuropsychologe die Philosophie zu rehabilitieren versucht, dürfte Hawking sauer aufstoßen. Christian Hoppe von der Universität Bonn kritisiert die Vorstellung, wonach moderne Hirnforschung den Menschen erklären könne. Man lerne dort etwas über das Hirn, nicht aber über den Menschen an sich. Die Philosophie habe, so Hoppe, ganz grundlegende Antworten gefunden: „das ist aus der Hirnforschung als solcher meiner Ansicht nach gar nicht möglich.“ Es scheint, als könnten wir aufatmen: Eine Todesprognose jedenfalls klingt anders.

– Christina Geyer

VERANSTALTUNGSHINWEIS

Gehirne zwischen Liebe und Krieg
– Menschlichkeit im Zeitalter der Neurowissenschaften

Das Denkorgan des Menschen steht im Blickpunkt der Forschung. Doch wird es auch adäquat benutzt? Ein Symposium für die interessierte Öffentlichkeit.

09.-11.10.2015, Stadthalle Fürth
Hier geht es zur Anmeldung.

Interview mit Evelin Lindner:
Erniedrigung kann Gewalt auslösen. Doch kann sie auch zu Liebe führen? Dieser scheinbar paradoxen Frage geht die Medizinerin und Psychologin Evelin Lindner in ihrem Vortrag auf dem Symposium nach. Mit den komplexen Zusammenhängen zwischen Demütigung, Aggression und Menschenwürde beschäftigt sie sich bereits seit der Promotion, in diesem Jahr wurde sie als Gründungspräsidentin des transdisziplinäre Netzwerks Human Dignity and Humiliation Studies für den Friedensnobelpreis 2015 nominiert.

 

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Die graue Grütze

Das Gehirn ist eine hochkomplizierte Angelegenheit. Alle reden darüber, keiner versteht es richtig, aber viele glauben, es zu verstehen. Hirnforscher wollen Philosophen von vermeintlich jahrhundertealten Verwirrungen befreien. Philosophen wollen den Forschern beibringen, sorgfältig mit Begriffen umzugehen. Es wird viel belehrt, gestritten und aneinander vorbeigeredet.

In der aktuellen Ausgabe von HOHE LUFT schreibt Tobias Hürter, was Philosophen und Neurowissenschaftler von Immanuel Kant über das Gehirn lernen können. Der ganze Artikel kann jetzt hier gelesen werden.

Viel Spaß!

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Der schwarze Philosoph

Sein Leben liest sich beinahe wie ein Märchen: Anton Wilhelm Amo wird im 18. Jahrhundert als Kleinkind in Ghana von Sklavenhändlern verschleppt, kommt über Umwege nach Deutschland und promoviert dort in Philosophie.

Nur eines fehlt: Das Happy End.

Robin Droemer setzt sich in der aktuellen Ausgabe von HOHE LUFT mit dem Schicksal des Philosophen Amo auseinander. Der ganze Artikel kann jetzt auch hier online gelesen werden.

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Ist Arbeit wirklich das halbe Leben?

„Denn wenn auch beides sein muss, so ist doch das Leben in Muße dem Leben der Arbeit vorzuziehen.“ (Aristoteles)

Oder ist sie inzwischen nicht schon viel mehr als das? Und was ist davon zu halten? Thomas Vašek, Chefredakteur von HOHE LUFT, diskutierte diese und weitere Fragen zum Thema „Arbeit“ gestern Abend, im Rahmen von HOHE LUFT_live, mit dem Soziologen Prof. Dr. Mathias Stuhr in der modern life school.

Das ganze Gespräch können Sie sich hier anhören.

Die Arbeit wirft heute einige paradoxe Probleme auf: einerseits sind viele Menschen unzufrieden mit ihrem Job, fühlen sich überlastet und gestresst –  andererseits sind zahlreiche Arbeitslose unglücklich ohne eine sinngebende Beschäftigung. Außerdem arbeiten die Menschen in der Informationsgesellschaft so wenig wie je zuvor und haben dennoch immer weniger Freizeit. Die Bedeutung von Arbeit ist enorm und nimmt immer weiter zu, darüber herrscht schnell Einigkeit. Wie soll man also mit dieser Entwicklung umgehen?

Der Dualismus von Arbeit und Leben ist falsch“ – so Thomas Vašek, dessen Buch „Work-Life-Bullshit“ Anfang September erscheint und in welchem er ausführlich für diese These argumentiert. Durch die Verteufelung von Arbeit als notwendiges Übel würde ihr hoher Wert für ein gelungenes Leben verkannt. Arbeit ist zweifellos wichtig für den Menschen, sie ermöglicht einem Selbstverwirklichung und Identitätsbildung. Philosophen von Aristoteles bis zu Hannah Arendt haben laut Thomas Vašek diesen positiven Aspekt von Arbeit stets zu sehr vernachlässigt. Die Tendenz der Abwertung von Arbeit als Gegensatz zum wirklichen Leben hält Thomas Vašek für problematisch. Vielmehr sollte doch jeder die Möglichkeit haben, sich in seinem Job wohlzufühlen, anständig bezahlt zu werden und seine Fähigkeiten optimal nutzen zu können. Dann sei auch die große Bedeutung der Arbeit kein Problem mehr. Den ganzen Artikel lesen

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