Schlagwort: Kunst


»Die Zeit ist knapp« – die neue HOHE LUFT ist da!

Neu: Ausgabe 04/2016
Die Zeit ist knapp – Warum das gut für unser Leben ist

hoheluft-cover_0416Haben Sie auch ständig das Gefühl, keine Zeit zu haben? In der neuen Ausgabe werfen wir einen Blick auf unser Verhältnis zur Zeit und zeigen, wie wir es verbessern können. Weiterhin sprechen wir mit dem Soziologen Armin Nassehi über die gespaltene Gesellschaft und die neue Rechte.
Außerdem: Schwerpunkt Pragmatismus, Wozu Wahrhaftigkeit? Von Regeln und Normen, Im Fokus: Kunst. Lässt sich über Geschmack streiten?
In einer neuen Rubrik antworten sieben Prominente auf »Die große Frage«.
Dazu widmen wir uns in einer Sonderbeilage auf 28 Seiten dem Thema »Was heißt Führung?«, prüfen aktuelle Trends und stellen Denkweisen moderner Führung vor.

Mit diesem Heft verabschieden wir uns in die Sommerpause, die nächste reguläre Ausgabe erscheint am 22.09. Dafür wird es ab dem 11.07. ein neues HOHE LUFT kompakt zum Thema Wirtschaft geben. Abonnenten erhalten dieses automatisch anstatt der Juli-Ausgabe.

Hier geht es zum Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe.

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Wir wünschen viel Freude und Inspiration beim Lesen!

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HOHE LUFTpost – Kunst, Kontext und Jan Böhmermann

HOHE LUFTpost vom 15. April 2016: Kunst, Kontext und Jan Böhmermann

Vor hundert Jahren vollbrachte Marcel Duchamp ein Wunder: Er hob ein gewöhnliches Pinkelbecken (unbenutzt) auf einen Sockel – und es ward Kunst. Mit seinen »Readymades« stürzte er die Kunst in eine Krise, die zu einem gründlich neuen Verständnis dessen führte, was Kunst überhaupt ist. Eine der Lehren von damals war, dass alles vom Kontext abhängt. Von zwei physikalisch gleichen Objekten kann eines ein Kunstwerk und das andere nicht, nur weil wir unterschiedlich mit ihnen umgehen.
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Zur Ästhetik von Topfreinigern

Seit jeher produzieren Menschen Kunst – und setzen sich mit dieser auseinander. Von Platon über Arthur Schopenhauer bis hin zu Martin Heidegger wurde immer schon versucht, Kunst auch philosophisch zu ergründen. Was ist der Sinn von Kunst? Ist sie selbsterklärend? Muss jeder Mensch ein Kunstwerk gleichermaßen begreifen können? Nicht nur die Kunst selbst, auch die Ansätze zur Erklärung ihres Sinns haben sich im Laufe der Zeit immer wieder stark verändert. Platon etwa war noch davon überzeugt, Kunst müsse zu einem tugendhaften Leben erziehen. Für ihn war Kunst eine pädagogische Maßnahme – etwas, das uns nach Wahrheit und Werten streben lassen sollte. Dabei unterschied Platon zwischen Künstlern, die etwas schöpferisch herstellen, wie etwa ein Tischler, und Künstlern, die sich mit der Darstellung der Wirklichkeit befassen, wie etwa Maler. Letztere würden Ideen der Wirklichkeit immer nur nachahmen, während Erstere  Ideen verwirklichen – und der Wahrheit somit näher stehen. Heute hingegen nehmen wir diese Unterscheidung kaum mehr vor – selten werden Baumeister Künstler genannt. Ruhm und Ehre scheint jenen Künstlern vorbehalten, die „Bilder zweiter Ordnung“ schaffen. Welche Idee wird uns nun aber durch moderne Kunst vermittelt? 1964 stellte Andy Warhol in New York eine Reihe von bedruckten Topfreiniger-Kisten der Marke Brillo aus – und deklarierte sie als Kunst. Was unterschied diese Kisten nun von jenen aus dem Supermarkt? Die Kunstwelt stand Kopf: Auf einmal schien alles Kunst sein zu können. Michael Hauskeller erklärt in Anlehnung an den Philosophen Arthur Danto den wesentlichen Unterschied zwischen einem Kunstwerk und einer gewöhnlichen Topfreiniger-Kiste. Was erst einmal paradox anmutet, gibt schließlich Antwort: Welche Kiste nun ein Kunstwerk ist, wissen wir erst, wenn wir wissen, welche Kiste ein Kunstwerk ist – zudem, und das ist wesentlich, müssen wir auch Kenntnis davon haben, warum jene Kiste Kunst ist, diese jedoch nicht. Kunst braucht Gründe und muss sich erklären können – auch wenn sie sich nur aus sich selbst heraus erklärt. – Oder in den Worten von Hauskeller: „Um das Werk zu verstehen, muss man die Metapher verstehen, auf der es beruht, also nicht nur die Bedeutung, sondern auch die Gründe, warum sie gerade auf diese und keine andere Weise zu verkörpern war.“

– Christina Geyer

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Stress mit Grund

Oben-ohne Aktivistinnen, Performance-Künstler mit Hitlergruß und Bushidos neuer Skandalsong – die Provokation ist stets eines der wirksamsten Mittel um sich die Aufmerksamkeit der Medien zu sichern. Der Begriff der Provokation leitet sich vom lateinischen „provocare“ ab und bedeutet so viel wie „hervorrufen“. Wer provoziert, zielt also in erster Linie auf eine bestimmte Reaktion ab. Dabei kann Provokation auch sinnvoll sein. Im Fall von Rapper Bushido trifft das allerdings nicht zu.

Wer provozieren will, muss eine gewisse Grenze des Konformen überschreiten, um aus der Masse herauszustechen und die gewünschte Wirkung hervorzurufen. Bushido beherrscht diese Technik par excellence. Sein neuer Song „Stress ohne Grund“, den er gemeinsam mit Rapper Shindy aufgenommen hat, sorgt gerade für Aufsehen, da er homophobe und gewaltverherrlichende Zeilen sowie Morddrohungen gegen Klaus Wowereit, Claudia Roth und Serkan Tören enthält. Viele sind sich einig: Bushido ist damit zu weit gegangen.
Dass sich nun alle unheimlich aufregen, ist von Bushido natürlich kalkuliert. Denn die Aufregung gehört zur Provokation dazu, sie wird gezielt herausgefordert. Sie kann ein politisches Instrument sein und neue Sichtweisen anstoßen. So erreichte etwa der Protest der FEMEN-Aktivistinnen, die zur Fußball-EM in der Ukraine mit freiem Oberkörper gegen Sextourismus demonstrierten eine große mediale Resonanz und stieß eine neue Debatte über Feminismus an.

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Die Lust am Original

Im größten Kunstfälscherprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte ist letzte Woche das Urteil gefallen. Der Fälscher Wolfgang Beltracchi muss sechs Jahre ins Gefängnis, seine Frau und seine Komplizen müssen ebenfalls jahrelang in Haft. Juristisch ist der Fall erledigt. Philosophisch bleiben Fragen: Was genau stört uns so sehr an Fälschungen? Warum haben wir so viel weniger Freude an ihnen als an Originalen? Die Beltracchis haben betrogen, das ist klar, aber irgendwie scheint ihr Betrug über andere Betrügereien hinauszugehen, sie haben nicht nur betrogen, sondern auch gefälscht. Was ist es, das ihnen jetzt so viel Aufmerksamkeit verschafft?
Das sind Fragen, mit denen sich Soziologen und Psychologen seit langem beschäftigen. Eine gängige Antwort ist: Wir hängen an Originalen, weil wir Snobs sind. Originale haben einen sozial höheren Status als Imitate. Dieser höhere Status überträgt sich auf die Besitzer, und Status ist, was wir alle wollen. Unsere Versessenheit auf Originale sei nichts als ein kulturelles Konstrukt.
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