Schlagwort: Gesellschaft


HOHE LUFTpost – Gesellschaft oder Gesellschaften?

HOHE LUFTpost vom 27.05.2016: Gesellschaft oder Gesellschaften? 

Am Anfang letzter Woche kamen zwei politische Ereignisse zusammen, die in dieselbe, bedenkliche Richtung weisen. In der Wahl zum österreichischen Staatspräsidenten unterlag der Rechtspopulist Norbert Hofer von der FPÖ nur um Haaresbreite dem von einem breiten Bündnis der übrigen politischen Kräfte unterstützten Kandidaten Alexander Van der Bellen. Und in Berlin kam die AfD-Vorsitzende Frauke Petry mit dem Zentralrat der Muslime zusammen – für nicht einmal eine Stunde, dann ließ Petry das Gespräch platzen. Noch kläglicher war ein Gesprächsversuch von Hofer und Van der Bellen gescheitert, bei einem unmoderierten Fernsehduell blieben sie gerade mal 20 Minuten sachlich, dann brachten sie bloß noch Beschimpfungen und Polemik hervor.
Das verheißt nichts Gutes für die Wahlkämpfe, die da kommen: US-Präsidentschaft 2016, deutscher Bundestag 2017. Wenn die konkurrierenden politischen Kräfte gar nicht mehr ernsthaft miteinander reden wollen, steht eine wichtige Voraussetzung einer funktionierenden Demokratie in Frage. Solange die Zickereien kalkulierte Inszenierungen von Berufspolitikern sind, hält der Schaden sich in Grenzen. Sollten sie aber Symptome für eine tiefere Entwicklung sein, dann wird es wirklich gefährlich: Wenn unsere Gesellschaft in Gesellschaften zerfällt, die einander nicht mehr verstehen.

– Tobias Hürter

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PRISM? Noch nie gehört.
Wir fordern mehr Aufrichtigkeit

In der Bespitzelungsaffäre um die NSA ließ eine klare Stellungnahme von Seiten der Bundesregierung lange auf sich warten. Nun heißt es, man habe von dem Überwachungsprogramm PRISM überhaupt nichts gewusst. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass viele deutsche Politiker und sonstige Machtinhaber sehr wohl Kenntnis von den Überwachungsmaßnahmen hatten und jetzt nicht aufrichtig genug sind, dies zuzugeben. Den ganzen Artikel lesen

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Demokratie auf ägyptisch

Merkwürdige Bilder kamen gestern und heute aus Kairo zu uns. Auf den Straßen und Plätzen demonstrierten die Menschen für die Demokratie. Einige warfen Molotov-Cocktails, einige stürmten das Hauptquartier der Muslim-Brüder. Hubschrauber der Armee überflogen die Menge, sie zogen Nationalfahnen hinter sich her. Die Menge jubelte ihnen zu. Tags drauf setzte das Militär den Präsidenten ab und erklärte die Verfassung für ausgesetzt.

Ist das Demokratie? Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte und Verteidigungsminister beteuert, mit der gewaltsamen Beendigung der Präsidentschaft Mursis dem Volkswillen entsprochen zu haben. Doch das Volk hatte Mursi vor einem Jahr erst gewählt. Formal zumindest hatte er die Demokratie auf seiner Seite. Nun kann man ihm unterstellen, selbst nicht der eifrigste Demokrat zu sein. Die ägyptische Demokratie war ihm ein Mittel, um an die Macht zu kommen. Andererseits müssen eifrige Demokraten akzeptieren können, dass die Dinge anders laufen, als sie es gut fänden – auch die Gegner Mursis.

Der Sturz Mursis war kein souveräner Akt des „demos“: des Volkes. Er war ein Militärputsch. Wer ihn begrüßt, gesteht damit zu, dass es manchmal wichtigere Dinge gibt als die Demokratie.

Mehr zur Demokratie in der nächsten Ausgabe von Hohe Luft.

– Tobias Hürter –

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„Gerechtigkeit ist ein ständiger Prozess“
HOHE LUFT-Interview mit Rainer Forst

Wenn sich wohlhabende Gesellschaften beispielsweise dazu durchringen, das zu leisten, was man früher »Entwicklungshilfe« nannte und heute etwas schöner »Entwicklungszusammenarbeit«, also einen – kleinen – Teil ihres Wohlstands großzügig abzugeben, dann hat das nichts mit Gerechtigkeit zu tun, wenn dies nicht im Bewusstsein geschieht, dass der Wohlstand hier historisch und aktuell mit der Armut
dort zu tun hat und die Strukturen, die dies bedingen, zu ändern sind. Man kann immer noch sagen, dass es besser ist, solche Hilfe zu leisten, als sie nicht zu leisten. Die Gerechtigkeit wird aber dadurch nicht berührt, wenn nicht die existierenden Strukturen der Abhängigkeit infrage gestellt werden.

Im HOHE LUFT-Interview spricht der Philosoph Rainer Forst darüber, wie wir Menschen miteinander umgehen sollten. (PDF, HOHE LUFT 4/2013)

Sie würden die Gedanken von Rainer Forst gern ergänzen? Sie haben eine völlig andere Vorstellung von Gerechtigkeit? Dann machen Sie mit beim großen HOHE LUFT-Schreibwettbewerb zum Thema „Gerechtigkeit“. Alles über den Wettbewerb finden Sie hier.

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Neu – aber nicht liberal

Der Begriff Neoliberalismus steht heute für praktisch alles, was wir an unserem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem böse finden. Man denkt an die Finanz- und Eurokrise, die Zockerei der Banker und aberwitzig hohe Managergehälter, an Profitgier und rücksichtslosen Egoismus. Neoliberalismus, das ist ein Kampfbegriff, den man je nach Bedarf verwenden kann. Man kann darin eine Ideologie sehen, ein Bündel politischer Maßnahmen, eine Verschwörung undurchsichtiger Eliten – oder gar eine Art Monster, wie Frank Schirrmacher in seinem Buch „Ego“. Man kann aber auch versuchen, den Begriff selbst aufzuhellen und zu rekonstruieren, welche Ideen und Vorstellungen eigentlich dahinterstecken.

Thomas Vašek, HOHE LUFT 4/2013

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel „Neu – aber nicht liberal“. (PDF)

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Zur deutsch-französischen Freundschaft

Was ist Freundschaft? Gibt es Freundschaft zwischen Staaten? Und was hat es mit der deutsch-französischen Freundschaft auf sich? Zum 50-jährigen Jubiläum des Elysée-Vertrages fand am 05.02. ein HOHE LUFT_live-Spezial im Levante-Haus statt. HOHE LUFT-Chefredakteur Thomas Vašek suchte gemeinsam mit der Gründerin der Château d’Orion-Denkagentur Elke Jeanrond-Premauer und dem Philosophen Wilhelm Schmid nach Antworten auf die eingangs erwähnten Fragen. Den ganzen Artikel lesen

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Interview mit Julian Nida-Rümelin

Aristoteles in seiner „Nikomachischen Ethik“ verkoppelt Glück und Tugend, und zwar so: „Glück ist die Aktivität der Seele gemäß der Tugend.“ Ich übersetze das mal anders: Ein gelingendes Leben zeigt sich nicht an einem bestimmten mentalen Zustand, sondern an dem, was ich tue – also an der „Aktivität der Seele“. Unsere Praxis sollte die eigenen Fähigkeiten und die Fähigkeiten des Menschen als solchem zur Entfaltung bringen. Aristoteles sagt, Tugend sei eine Einstellung, aber auch eine Entscheidung. Tugenden fallen also nicht vom Himmel. Sie sind zwar Teil des Charakters, aber auch etwas, das ich mir selber erarbeite. Also bin ich selbst verantwortlich für meine eigene Entwicklung.

Julian Nida-Rümelin im HOHE LUFT-Interview. (HOHE LUFT 1/2013)

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