Schlagwort: Europa


HOHE LUFTpost – Die Jugend von heute

HOHE LUFTpost vom 18.11.2016: Die Jugend von heute

Gerade sind die Ergebnisse der europaweiten Jugendstudie “Generation What” veröffentlicht worden, in der knapp eine Million junge Europäer aus 35 Ländern nach ihren Einstellungen befragt wurden. Eine Zahl ist mir besonders aufgefallen: Nur ein Prozent der jungen Deutschen zwischen 18 und 34 Jahren glaubt, dass das Leben ihrer Kinder im Vergleich zum eigenen Leben besser sein wird.

Den ganzen Artikel lesen

Kommentieren (1)

Wer schafft hier was?

Angela Merkel redet zwar, aber handelt zu wenig. So sehen es zumindest einige ihrer Kritiker_innen im Bezug auf ihre Flüchtlingspolitik. Warum aber wird ihr Satz »Wir schaffen das« ein Jahr nach dessen Ausspruch so kontrovers diskutiert? – Eine sprachphilosophische Analyse. Den ganzen Artikel lesen

Kommentieren

Großbritannien geht

Überraschung und Entsetzen weithin in Europa: Die Briten haben sich dafür entschieden, die Europäische Union zu verlassen.

Den ganzen Artikel lesen

Kommentieren (1)

HOHE LUFTpost – Die Schuldenfrage

HOHE LUFTpost vom 03.07.2015: Die Schuldenfrage

Die Europäische Union steckt in einer beispiellosen Krise, und schuld sind die Schulden. Die Geberländer haben Griechenland Geld geliehen, und Griechenland zahlt nicht zurück. Einfache Angelegenheit, oder?

Aber näher betrachtet sind Schulden alles andere als eine einfache Angelegenheit. Der amerikanische Ethnologe David Graeber, der an der London School of Economics lehrt, hat ein dickes Buch darüber geschrieben: “Schulden – die ersten 5000 Jahre”. Darin legt er dar, wie tief unsere Gesellschaft vom Konzept der Schulden geprägt ist. Nicht nur der Handel, sondern auch Institutionen wie Familie und Freundschaft, Staat, Gesetz und Religion sind in der uns bekannten Form nicht ohne Schulden denkbar.

Graebers These ist, dass ein gutes, menschliches Zusammenleben nur funktioniert, wenn die Beteiligten nicht ständig in Begriffen von Schulden denken. Zum Beispiel bei der Reparatur einer Wasserleitung. Wenn dabei einer sagt »Reich mir die Zange«, dann wird der andere nicht antworten »Und was kriege ich dafür?«, sondern ihm ohne weiteres die Zange geben. Gemeinschaft lebt von spontanem Geben und Nehmen. Schulden schaffen ein ganz anderes Klima. Sie sind ein Machtinstrument.

In größerem Maßstab ist das der aktuelle Konflikt in der EU: Gemeinschaftlichkeit und ökonomische Logik stehen gegeneinander. Ich hoffe, den verantwortlichen Politikern gelingt, beides zu versöhnen.

– Tobias Hürter

Kommentieren (1)

Fassade hier, Fassade dort

Fassade hier, Fassade dort

Europa steckt tief in der Krise. Kann die Philosophie den Alten Kontinent retten? Sie versucht es zumindest. Zwei der angesehensten deutschen Philosophen, Jürgen Habermas und Julian Nida-Rümelin, haben gemeinsam mit dem Ökonomen Peter Bofinger einen Text in der FAZ veröffentlicht, in dem sie einen Rettungsplan für Europa skizzieren. Beschwerliche Lektüre, aus der sich eine knappe Devise ziehen lässt: alles oder nichts! Entweder Europa kehrt zurück zu Nationalstaaterei samt D-Mark, Franc und Lire, oder wir machen jetzt mal richtig Ernst mit der europäischen Einigung. Die drei Denker sind natürlich für zweiteres. Sie wollen die politische Einheit tiefer in den Verfassungen verankert sehen. Dazu fordern sie ein Plebiszit, um aus der »marktkonformen Fassadendemokratie« eine echte Demokratie zu formen. So könne sich der Kontinent vom ökonomischen Kummerkind zum politischen Avantgardisten machen.

Kann der geballte akademische Intellekt die europäische Einheit retten? Der amerikanische Historiker Perry Anderson bezweifelt es. In einem Essay in der Zeitschrift New Left Review greift er den »europäischen Narzissmus« von Habermas & Co. an. Anderson wirft ihnen vor, sich beim Nachdenken über Europa in einen selbstgefälligen Diskurs verstiegen zu haben, der mit der politischen und sozialen Wirklichkeit außerhalb der Academia nur noch wenig zu tun hat. Als Fallbeispiel nimmt er das jüngste Habermas’sche Buch über Europa: »Zur Verfassung Europas«. In dessen 60-seitigem Hauptstück über »Die Krise der Europäischen Union im Lichte einer Konstitutionalisierung des Völkerrechts« hat Anderson rund hundert Referenzen gezählt. Drei Viertel davon verweisen auf deutsche Autoren, davon wiederum die Hälfte auf drei Kollegen, mit denen Habermas eng zusammenarbeitet, oder auf Habermas selbst. Der Rest, fand Anderson, sei ausschließlich angloamerikanisch, dominiert von dem britischen Habermas-Jünger und Gaddafi-Freund David Held.

Habermas, dekoriert mit so vielen europäischen Preisen wie Orden an der Brust eines Breschnjew-Generals, sei offenbar Opfer seiner eigenen Eminenz geworden: Er lebe in einer geistigen Welt, in der es nur noch ihn und seine Bewunderer gibt, ohne eine Ahnung vom wirklichen kulturellen und politischen Leben in Europa.

Kurzum: Anderson sieht bei Jürgen Habermas so viel Fassade, wie dieser der europäischen Demokratie zuspricht. Er hat wohl recht mit der Fassade. Aber das bedeutet nicht, dass nicht auch Habermas recht hat mit seinem Plädoyer für mehr Europa. Es gibt Fassaden, hinter die zu schauen sich lohnt, statt nur an ihnen zu rütteln.

Kommentieren