Kategorie: Politik


Vergiss mich!

Google muss künftig in bestimmten Fällen Sucheinträge sperren, wenn die betroffene Person einen guten Grund vorweisen kann, weshalb sie von der Suchmaschine nicht gefunden werden möchte. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes räumt uns damit ein „Recht auf Vergessenwerden“ ein.

Ein Recht darauf, vergessen zu werden? Das klingt seltsam. Streben nicht sonst alle danach, in die Ewigkeit einzugehen und möglichst nicht in Vergessenheit zu geraten? Als hätten wir Kants These „Tot ist nur, wer vergessen wird“ verinnerlicht, probieren wir alles, um auch über den Tod hinaus in Erinnerung zu bleiben. Den ganzen Artikel lesen

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Die Würde des Menschen

“Jeder Mensch erwartet instinktiv oder im Unterbewusstsein, dass man Respekt für seine Menschenwürde aufbringt”
(Fjodor Dostojewski)

Die Achtung vor der Menschenwürde ist eines der heiligsten Gebote unserer Zeit. Sie zu wahren gilt als oberstes Gesetz. So heißt es auch in Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Eine Forderung, die unter die Ewigkeitsklausel fällt und daher weder abgeschafft noch verändert werden darf. Was genau aber ist diese „Würde des Menschen“ und wie kann ihre Wahrung sichergestellt werden?

Die sogenannte Objektformel versucht Antworten zu geben und den Begriff der Menschenwürde näher zu bestimmen. Sie konzentriert sich dabei vor allem auf den Anspruch des Menschen, stets als Subjekt und nie als bloßes Objekt behandelt zu werden. Nicht umsonst gilt Immanuel Kant als geistiger Vater der Objektformel, greift diese doch auf die Selbstzweckformel des Königsberger Philosophen zurück. Kant sieht im Menschen einen Zweck an sich – dieser Zweck ist absolut und darf nie missachtet werden: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchtest“, schreibt Kant in seiner Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Dabei ist es durchaus legitim, sein eigenes Glück zu suchen, sofern dieses nicht die Würde anderer Menschen tangiert. Der persönliche Zweck darf sich also nicht über den Gebrauch von Menschen als Mittel erfüllen, denn diese sind selbst zweckgebend: Sie dürfen somit nicht zum reinen Mittel degradiert werden.

Im Hinblick auf die Wahrung der Menschenwürde in Interaktionen heißt das, sein eigenes Wollen ständig mit der Moral abzugleichen – als Frage an sich selbst formuliert: Ist mein Wollen tugendhaft? Die Antwort soll unsere innere Stimme, die Stimme der Vernunft, einflüstern – ihr müssen wir Folge leisten.

Versuche, Artikel 1 des Grundgesetzes zu konkretisieren, wie die Objektformel sie etwa unternimmt, rücken meist negative Formulierungen in den Mittelpunkt. Philosoph Julian Nida-Rümelin spricht in der Serie ZEIT Akademie Philosophie über die Ethik der Menschenwürde und rückt sie in Anlehnung an Autor Avishai Margalit (Politik der Würde) in die Nähe der Achtung. So heißt es, dass demütigende Praktiken vermieden werden müssen, um die Würde Anderer nicht zu beschädigen. Hier geht es also weniger um die Wahrung, als um die Nicht-Verletzung von Würde.

Kant hingegen sieht die Wahrung der Menschenwürde als „enge Pflicht“, also als eine unnachlässige Pflicht – im Gegensatz zu verdienstlichen Pflichten, wie sie sich bei den weiten Pflichten finden. Im Interagieren mit anderen Menschen müsse als Leitmaxime immer die eigene Vollkommenheit sowie die fremde Glückseligkeit im Vordergrund stehen. Die Stimme unserer Vernunft soll unsere Partikularinteressen dabei in Übereinstimmung mit den Interessen Anderer durchsetzen. Sie ist gewissermaßen unsere innere Gesetzgebung, der zu folgen unsere moralische Verpflichtung ist. Und mal ehrlich: Wenn alle diesen Selbstzwang befolgen würden, bräuchten wir dazu nicht einmal mehr einen Artikel im Grundgesetz.

- Christina Geyer

Hinweis zum aktuellen Essaywettbewerb von philosophie.ch:

Dem Homo sapiens vorbehalten und unantastbar: die Menschenwürde. Durch Themen wie Folter, Abtreibung und Sterbehilfe verliert sie nicht an Brisanz.
Doch was ist sie genau? Woher haben wir sie? Wo fängt sie an und wo hört sie auf? Und wieso ist sie überhaupt schützenswert?

Zu diesen und weiteren Fragen können sich Jugendliche im Alter zwischen 15 und 21 Jahren äußern.
Die besten drei Essays werden am 07.08.2014 auf der Veranstaltung “Philosophische Perspektiven zum Thema Menschenwürde“ im Forum Altenberg in Bern prämiert.
Einsendeschluss ist am 15.06.2014!

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VISION EUROPA?

Europa steht derzeit vor fundamentalen Fragen: Zerfällt die EU? Verliert sie ihre Währung? Warum überhaupt Europa? Ein guter Zeitpunkt, um die Idee »Europa« bis auf ihren Grund zu durchleuchten. Sie kam lange vor der Gründung der EU auf. Bereits zur Zeit des höfischen Absolutismus ersann der Geistliche Abbé de Saint-Pierre (1658 –1743) einen Zusammenschluss aller christlichen europäischen Staaten. Auch Kant erwähnte 1795 in seinem Werk »Zum ewigen Frieden« ein solches Bündnis. Tatsächlich finden sich einige Kernideen der EU sowohl bei Saint-Pierre als auch bei Kant wieder. Doch trotz vieler Ähnlichkeiten ist es wichtig, die Konzepte von Saint-Pierre und Kant in ihrem historischen Kontext zu betrachten.

Insbesondere der Entwurf von Saint-Pierre ist geprägt vom Ancien Régime, einer Zeit des erbitterten Kampfes um Vorherrschaft und Macht. Der Geistliche propagierte einen Zusammenschluss der europäischen Staaten zum Zwecke des Friedens, doch man kann ihm unterstellen, auch andere Motive gehegt zu haben. So betonte er immer wieder die Bedeutsamkeit des Handels zwischen den christlichen Staaten. Darin stecken gleich zwei Motive: Wirtschaftsförderung und Einheit der Christenstaaten. Von Letzterem erhoffte sich Saint-Pierre eine klare Abgrenzung des Christentums zum Osmanischen Reich. Es waren also vornehmlich hegemoniale Interessen, die Saint-Pierre mit einem geeinten Europa verfolgte.
Ganz anders Kant: Der große Königsberger Philosoph dachte an einen »föderativen Verein«, dem sich alle gewillten Staaten anschließen dürften, nicht nur christliche. Inspiriert vom Geist der Französischen Revolution entwarf er ein universelles Recht mit drei Grundkomponenten: der bürgerlichen, republikanischen Verfassung; dem föderal verfassten Völkerrecht und schließlich dem Weltbürgerrecht. Hierüber wollte er sämtliche kriegerischen Konflikte für alle Zeit beenden und den Frieden als Selbstzweck einführen.

Was davon findet sich nun in der heutigen EU wieder? Auf der offiziellen Seite der Europäischen Union wird die Gründung der EU mit folgender Absicht erklärt: »Alles begann mit der Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Dahinter stand die Idee, dass Länder, die Handel miteinander treiben, sich wirtschaftlich verflechten und daher kriegerische Auseinandersetzungen eher vermeiden.«
Wirtschaft und Frieden – ein bisschen Saint-Pierre, ein bisschen Kant. Dass es allerdings fragwürdig ist, Frieden ausschließlich an wirtschaftliche Beziehungen zu knüpfen, zeigt heute die Finanz- und Wirtschaftskrise. Es braucht mehr, um die Identität eines geeinten Europas zu stiften. Es fehlt an Solidarität und europäischer Selbstbegründung, wie die Schuldenkrise um Griechenland veranschaulicht.

Was also bleibt vom geeinten Europa, wenn der Bestandteil, der es zusammenhalten sollte, die Wirtschaft, ins Wanken gerät? Eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Meinungsumfrage gibt eine traurige Antwort: 2012 empfinden insgesamt nur noch 28 Prozent aller EU-Bürger das Bild der Union als »positiv«. Im Vergleich hierzu: 2007 waren es noch 49 Prozent. In den Herzen ist Europa noch nicht angekommen – in den über 200 Jahren seit Saint-Pierre und Kant.

- Christina Geyer

(Der Beitrag ist in HOHE LUFT 03/13 als Miniatur erschienen)

VERANSTALTUNGSHINWEIS:

Freiheitskongress NovoArgumente, 17.05.2014 im Kino Zukunft in Berlin.

Eine Woche vor der Europawahl beschäftigen sich Experten im Rahmen des Freiheitskongress’ mit der Frage, welchen Wert die Freiheit in der EU noch hat.
In welchem Europa wollen wir leben und welche Rolle fällt dabei der Toleranz zu?
Hier geht es zum Flyer!

 

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Mehr Wein für mehr Wahrheit

Das Gute am Wein ist, dass man so gut über ihn philosophieren kann. Das stellten Thomas Vašek und Tobias Hürter bereits in ihrem Artikel aus HOHE LUFT 01/14 fest. Sie gehen darin der Frage auf den Grund, was es mit Eigenschaften wie “Tiefe”, “Fülle” oder “Maracuja-Note” auf sich hat. Ist das alles Bullshit? Die Antwort darauf können Sie hier lesen.

Wer im Anschluss an die Theorie nach Antworten in der Praxis suchen möchte, dem sei das eigens für HOHE LUFT geschnürte Paket “Philosophie des Weines” von VIPINO, der neuen Sommelier-Plattform, ans Herz gelegt.

 

 

“Vergeblich klopft, wer ohne Wein ist, an der Musen Pforte”
(Aristoteles)

 

 

Sie erhalten 3 Flaschen Wein, die jeweils von 3 Sommeliers zusammengestellt wurden, um nur 27,95€ (inkl. Versand) – statt um 43,80€.

Ihr Paket umfasst:

  • 1 Flasche Zio Porco – Porcheria 2010
    (ausgewählt von Marco Giovanni Zanetti)
  • 1 Flasche Lornano – Rosso Toscano 2009 Commendator Enrico
    (ausgewählt von Michael Liebert)
  • 1 Flasche Bodega HABLA – Habla de la Tierra 2011
    (ausgewählt von Anna-Lena Junge)

 

Viel Spaß!

 

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Die Diskussion um Lebensformen ist keine der sexuellen Ausrichtung

Als Reaktion auf den Leitartikel „Lebensformen darf man kritisieren“ der nächsten Ausgabe von HOHE LUFT (erscheint am 20.03.) haben unsere Textchefin Andrea Walter, Volontärin Greta Lührs und Redakteurin Christina Geyer einen Text verfasst, der als Gegenstandpunkt zu verstehen ist.

Der Titel des Leitartikels von Thomas Vašek und Tobias Hürter ist zugleich auch deren zentrale These: „Lebensformen darf man kritisieren“. Soweit so gut. Das ist eine These, die man vertreten kann. Wo aber liegt dann das Problem? Den ganzen Artikel lesen

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Lebensformen darf man kritisieren

Morgen in drei Wochen ist es wieder soweit: Die neue HOHE LUFT kommt in den Handel! Schon heute können Sie den Leitartikel der nächsten Ausgabe hier lesen.

Eine neue Diskussion über den Status Homosexueller ist entbrannt – ausgelöst durch das Coming-out des Fußballers Thomas Hitzlsperger. Journalist Matthias Matussek verlautbarte vor zwei Wochen über Die Welt: „Wahrscheinlich bin ich homophob […], und das ist auch gut so.“ Auch Journalist Stefan Niggemeier, der sich von Matussek bereits als “Kartonschädel” und “Trottel” bezeichnen lassen musste, ließ sich “ein paar notwendige Worte” nicht nehmen.

Im Zusammenhang damit fragen Thomas Vašek und Tobias Hürter in ihrem Leitartikel, was Homosexuelle fordern können und wo sie sich Kritik gefallen lassen müssen.
Vašek und Hürter meinen: Kritisieren heißt nicht gleich diskriminieren. Kritisieren heißt ernst nehmen.

Noch keinem Leitartikel zuvor sind so viele redaktions-interne Diskussionen vorangegangen.
Auf Ihre Meinung sind wir also umso gespannter!

Viel Spaß beim Lesen!

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Sterbehilfe auf schottisch

In Deutschland wird neu über Sterbehilfe diskutiert. Die Regierungspartei CDU arbeitet an einem Gesetzentwurf, der die organisierte Hilfe beim Suizid unter Strafe stellen soll. Es ist ein Thema, das die Gemüter spaltet. Die einen verlangen, souverän über ihr Ende bestimmen zu dürfen. Die anderen sehen das Leben im Alter entwertet, wenn die Schwelle, es planvoll zu beenden, zu niedrig ist. Hilfreich bei der Orientierung ist ein Blick in andere Länder, in denen ähnliche Diskussionen im Gange sind. Der französische Präsident François Hollande plant eine Liberalisierung der Sterbehilfe. In Belgien, Luxemburg und den Niederlanden sind seit einigen Jahren Gesetze in Kraft, die sogar aktive Sterbehilfe gestatten, von Händen des behandelnden Arztes, sofern er gewisse Sorgfaltskriterien beachtet. Besonders interessant, aber hierzulande wenig beachtet, ist die aktuelle Diskussion in Schottland.

Den ganzen Artikel lesen

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Habermas’ Gardinenpredigt an die SPD

Jürgen Habermas, die bedeutendste Stimme der deutschen Philosophie, sprach vorgestern vor dem SPD-Parteivorstand. Er hielt sich nicht mit Schmeicheleien auf.

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Die neue HOHE LUFT!

Ab morgen ist die neue HOHE LUFT im Handel!

Im neuen Jahr widmen wir uns gleich einem großen Begriff: dem der Autonomie. Er wird oft mit maximaler Unabhängigkeit oder Freiheit gleichgesetzt. Christopher Schmidt macht sich in der morgen erscheinenden HOHE LUFT-Ausgabe für einen neuen Autonomiebegriff stark, der auch positive Abhängigkeiten mit einschließt. Im Interview spricht diesmal Martine Nida-Rümelin über die Herausforderung des subjektiven Erlebens. Außerdem viele weitere spannende Themen, unter Anderem “Der Gott des Lasters: Marquis de Sade” und “Warum bestrafen wir Verbrecher”?

Als Einstimmung kann der Leitartikel schon heute hier online gelesen werden.

Viel Spaß!

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Der erste Politiker

Er gilt als Lehrer der Despoten – doch er war ein Vordenker des modernen Staats:
Vorgestern vor 500 Jahren schrieb der Florentiner Niccolò Machiavelli sein Buch “Der Fürst”.
Aus gegebenem Anlass haben wir das Interview mit dem Machiavelli-Biograf Herfried Münkler aus der ersten Ausgabe von HOHE LUFT online gestellt.

Viel Spaß!

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