Kategorie: HOHE LUFT


Das Prinzip Anerkennung

Axel Honneth ist die wichtigste Figur der Frankfurter Schule in ihrer dritten Generation. Wir sprachen mit ihm über Kapitalismuskritik einst und jetzt, über das Verhältnis zwischen Philosophie und Ökonomie – und über seine Lieblingsbegriffe.

Das ganze Interview aus unserer aktuellen Ausgabe können Sie ab sofort auch hier online lesen.

Viel Spaß!

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Die Ethik des Stil

Guter Stil ist mehr als eine Art, sich zu kleiden oder zu geben. Er ist eine Frage der Haltung. Es geht um Anstand, Respekt und Würde. Denn Stil hat nicht nur mit Geschmack zu tun, sondern auch mit Moral.

Der ganze Artikel zur Ethik des Stils aus unserer aktuellen Ausgabe ist jetzt online und kann hier gelesen werden.

Viel Spaß!

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Du musst dein Leben surfen!

Auch auf Hawaii kann man die Spiele der deutschen Mannschaft verfolgen – allerdings meist um neun Uhr morgens. In der bekanntesten Sportbar findet sich dann lediglich eine Hand voll Fussballfans ein, die Mehrheit davon Touristen. Das Herz der Einheimischen hingegen schlägt für einen ganz anderen Sport: Wellenreiten. Die Anzahl der Surfer am Strand von Waikiki übersteigt die der Fussballfans schon bei Sonnenaufgang um das dreifache. Doch auch wenn Surfen heute genauso wettbewerbsorientiert ausgeübt wird wie traditionelle Sportarten, ist es doch nur schwer mit diesen zu vergleichen. Der französische Philosoph Gille Deleuze erkannte im Umgang mit Energie die entscheidende Besonderheit des Wellenreitens. Im Ballsport oder der Athletik liefert der Akteur eine ausgehende oder blockierende Kraft. Er schießt den Ball, wirft den Speer oder pariert den Schlag des Gegners. Wellenreiten hingegen lebt vom Eintritt in eine entstehende Bewegung und dem Experimentieren mit dieser Energie. Wenn man Wellenreiten jedoch so charakterisiert, könnte man es durchaus als ein gelebtes Beispiel für Bergsons Philosophie der Intuition begreifen.

Der Lebensphilosoph und Nobelpreisträger Henri-Louis Bergson war nämlich der Ansicht, dass sich uns die Welt normalerweise nur in ihrer unbewegten Form erschließt, weil wir uns ausschließlich auf Analysen des Verstandes verlassen. Dabei entgeht uns jedoch die sogenannte “Dauer”, also der Prozess des Werdens der Dinge selbst. Dieses Werden können wir nicht analytisch erfassen, da unser Geist immer nur das bereits Entstandene erkennt – als blickten wir durch ein Kaleidoskop. Obwohl dessen Teilchen in flüssiger Bewegung ihre Positionen ändern, erfassen wir doch nur die bizarren Muster am Anfang und Ende der Drehung. Genau so ergeht es uns, wenn wir versuchen, die Welt ausschließlich intellektuell zu erfassen. Wir untersuchen ein herausgehobenes Standbild, während uns das eigentliche Geschehen entgeht. Weil das radikale Entstehen nicht geschaut werden kann, muss es erfühlt werden. Deswegen stellt Bergson dem Intellekt die Intuition als eines der wichtigsten Instrumente unserer “Einsicht” an die Seite. Diese Intuition darf jedoch nicht als antiintellektuelle Esoterik missverstanden werden. Der Surfer etwa befindet sich mitten in der realen Welt des Ozeans.

Fokussiert wartet er auf die richtige Welle, welche sich scheinbar plötzlich und zufällig aus dem Meer erhebt. In Wirklichkeit ist die Welle jedoch ein Produkt komplexer Interaktionen von Wind, Wasser und Meerestiefe, die sich durchaus in mathematischen Graphen darstellen lassen. Diese Graphen repräsentieren nichts anderes als das Werden der Welle. Wenn der Surfer nun die Welle reitet, steigt er ein in das angehende Werden der Welle. Hier ist verloren, wer die Situation theoretisch erfassen will. In der Welle regiert die Intuition. Der Surfer erfühlt die Kräfte des Werdens im Moment ihrer Entstehung. Er fühlt den Sog, die Strudel um seine Finne, das Brechen der Röhre – und reagiert darauf mit Gewichtsverlagerung und Tempovariationen. Der Ritt auf der Welle gelingt nur durch dieses intuitive Erfassen der Dauer – und dem freien Spiel mit ihm. Doch irgendwann wird auch der erfahrenste Surfer ins Wasser stürzen. Er wird fallen, sich zurück aufs Brett ziehen und erneut hinaus paddeln. Sein Verstand analysiert den vorangegangenen Ritt – und korrigiert so die Intuition nachträglich. Nur diese Verbindung von analytischer Reflexion und intuitivem Erfühlen des Werdens lässt einen zum wahren Kern der Dinge vordringen – nicht der einseitige Fokus auf Verstand oder Gespür. Vielleicht würde daher sogar Bergson heute zustimmen, dass ein wirkliches Streben nach Erkenntnis nichts anderes heißt, als das Leben zu surfen.

- Robin Droemer

 

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Wenn Fußballer philosophieren

Nach Platon ist jeder ein Philosoph. So auch der Fußballnationalspieler Toni Kroos. Er hält die Philosophie anscheinend sogar für unverzichtbar, um die Weltmeisterschaft zu gewinnen: “Ich denke, dass es bei der WM entscheidend ist, seine eigene Philosophie durchzusetzen” sagt er im Interview mit der Sport Bild. Den ganzen Artikel lesen

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DAS SEIN, ALLEIN

Ganz für sich ist heute so gut wie niemand mehr. Selbst wer abends allein zu Hause sitzt, ist meist verbunden – mit dem sozialen Netz oder Instant-Messaging-Diensten. Ist das gut? Was macht das Alleinsein aus? Und woher rührt seine Kraft?

HOHE LUFT-Volontärin Greta Lührs geht diesen Fragen in unserer aktuellen Ausgabe nach. Ihr Artikel kann jetzt auch hier online gelesen werden.

Viel Spaß!

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DIE NEUE HOHE LUFT!

Ab heute ist die neue HOHE LUFT im Handel! 

HL_fb_profilbild_2Starke Emotionen wie Wut kommen bei Philosophen meistens eher schlecht weg – stattdessen predigen sie stoische Gelassenheit. In der neuen Ausgabe zeigen wir, wie man richtig wütend wird.
Außerdem sprechen wir mit Axel Honneth, dem wichtigsten Vertreter der Frankfurter Schule in dritter Generation, über sein Prinzip der Anerkennung.

Weiters im Heft: wie Körper und Gedanken zusammenhängen – die “Embodied Mind“-Theorie.
Und viele weitere spannende Themen, u.A.: Soll man Prostitution verbieten? Und im Fokus: Die Kraft der Visionen.

Hier geht es zum aktuellen Inhaltsverzeichnis der neuen Ausgabe.

Diesmal erwarten Sie übrigens doppelt so viele Denkanstöße:
Zum ersten Mal finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe eine 52-seitige Beilage zum Thema “Was ist gute Arbeit?“.

VIEL SPASS!

 

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Die Würde des Menschen

“Jeder Mensch erwartet instinktiv oder im Unterbewusstsein, dass man Respekt für seine Menschenwürde aufbringt”
(Fjodor Dostojewski)

Die Achtung vor der Menschenwürde ist eines der heiligsten Gebote unserer Zeit. Sie zu wahren gilt als oberstes Gesetz. So heißt es auch in Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Eine Forderung, die unter die Ewigkeitsklausel fällt und daher weder abgeschafft noch verändert werden darf. Was genau aber ist diese „Würde des Menschen“ und wie kann ihre Wahrung sichergestellt werden?

Die sogenannte Objektformel versucht Antworten zu geben und den Begriff der Menschenwürde näher zu bestimmen. Sie konzentriert sich dabei vor allem auf den Anspruch des Menschen, stets als Subjekt und nie als bloßes Objekt behandelt zu werden. Nicht umsonst gilt Immanuel Kant als geistiger Vater der Objektformel, greift diese doch auf die Selbstzweckformel des Königsberger Philosophen zurück. Kant sieht im Menschen einen Zweck an sich – dieser Zweck ist absolut und darf nie missachtet werden: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchtest“, schreibt Kant in seiner Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Dabei ist es durchaus legitim, sein eigenes Glück zu suchen, sofern dieses nicht die Würde anderer Menschen tangiert. Der persönliche Zweck darf sich also nicht über den Gebrauch von Menschen als Mittel erfüllen, denn diese sind selbst zweckgebend: Sie dürfen somit nicht zum reinen Mittel degradiert werden.

Im Hinblick auf die Wahrung der Menschenwürde in Interaktionen heißt das, sein eigenes Wollen ständig mit der Moral abzugleichen – als Frage an sich selbst formuliert: Ist mein Wollen tugendhaft? Die Antwort soll unsere innere Stimme, die Stimme der Vernunft, einflüstern – ihr müssen wir Folge leisten.

Versuche, Artikel 1 des Grundgesetzes zu konkretisieren, wie die Objektformel sie etwa unternimmt, rücken meist negative Formulierungen in den Mittelpunkt. Philosoph Julian Nida-Rümelin spricht in der Serie ZEIT Akademie Philosophie über die Ethik der Menschenwürde und rückt sie in Anlehnung an Autor Avishai Margalit (Politik der Würde) in die Nähe der Achtung. So heißt es, dass demütigende Praktiken vermieden werden müssen, um die Würde Anderer nicht zu beschädigen. Hier geht es also weniger um die Wahrung, als um die Nicht-Verletzung von Würde.

Kant hingegen sieht die Wahrung der Menschenwürde als „enge Pflicht“, also als eine unnachlässige Pflicht – im Gegensatz zu verdienstlichen Pflichten, wie sie sich bei den weiten Pflichten finden. Im Interagieren mit anderen Menschen müsse als Leitmaxime immer die eigene Vollkommenheit sowie die fremde Glückseligkeit im Vordergrund stehen. Die Stimme unserer Vernunft soll unsere Partikularinteressen dabei in Übereinstimmung mit den Interessen Anderer durchsetzen. Sie ist gewissermaßen unsere innere Gesetzgebung, der zu folgen unsere moralische Verpflichtung ist. Und mal ehrlich: Wenn alle diesen Selbstzwang befolgen würden, bräuchten wir dazu nicht einmal mehr einen Artikel im Grundgesetz.

- Christina Geyer

Hinweis zum aktuellen Essaywettbewerb von philosophie.ch:

Dem Homo sapiens vorbehalten und unantastbar: die Menschenwürde. Durch Themen wie Folter, Abtreibung und Sterbehilfe verliert sie nicht an Brisanz.
Doch was ist sie genau? Woher haben wir sie? Wo fängt sie an und wo hört sie auf? Und wieso ist sie überhaupt schützenswert?

Zu diesen und weiteren Fragen können sich Jugendliche im Alter zwischen 15 und 21 Jahren äußern.
Die besten drei Essays werden am 07.08.2014 auf der Veranstaltung “Philosophische Perspektiven zum Thema Menschenwürde“ im Forum Altenberg in Bern prämiert.
Einsendeschluss ist am 15.06.2014!

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WUNDER MODERNE MEDIZIN

»NICHT FORT SOLLT IHR EUCH ENTWICKELN, SONDERN HINAUF!« (Friedrich Nietzsche)

Die moderne Medizin ist ein Wunder. Ärzte operieren am offenen Herzen, transplantieren Lungen, Nieren, Haaransätze und vergrößern Brüste. Doch all dies hat seinen Preis…

Unser Redakteur Robin Droemer geht den Fragen der medizinischen Ethik nach. Der Text aus der nächsten Ausgabe von HOHE LUFT kann bereits jetzt hier gelesen werden.

Viel Spaß!

Hinweis:

Die Freigeist-Akademie für Geisteswissenschaften ist ein Bildungsprojekt für Oberstufenschüler und Schulabsolventen, die sich jenseits von schulischen Zwängen mit gesellschaftlich brisanten Grundfragen beschäftigen wollen.

Im Sommer 2014 wird neben anderen Themen auch die Ethik in der Medizin behandelt. Zentrale Frage: Wollen wir alles, was wir können?
Die Freigeist-Akademie findet vom 03.-16.08.2014 in einem ehemaligen Kloster in Collevecchio bei Rom statt.
Anmeldeschluss ist am 31.05.2014!

 

 

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KLAPPE HALTEN! SONST KNALLT’S!

Der Bonner Autor Akif Pirinçci hat eine Hasstirade in Buchform geschrieben.
Wie geht man mit so etwas um?
Ignorieren? Wäre fahrlässig.
Verbieten? Wäre kontraproduktiv.

Im Leitartikel aus der nächsten Ausgabe von HOHE LUFT plädieren Thomas Vašek und Tobias Hürter dafür zurückzuschlagen, denn: Redefreiheit muss für alle gelten.
Der Leitartikel kann bereits jetzt hier gelesen werden.

Viel Spaß!

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WENIGER HABEN UND MEHR SEIN

Besitz macht bekanntlich nicht glücklich. Dennoch giert alle Welt danach. Aber sollten wir uns nicht vielmehr über unser Sein definieren? Lässt sich vielleicht sogar eine Brücke vom Haben zum Sein schlagen?

Thomas Vašek und Tobias Hürter gehen diesen Fragen in ihrem Artikel aus der aktuellen Ausgabe von HOHE LUFT nach – und haben einen Vorschlag für einen Ausweg. Der ganze Beitrag kann jetzt auch online hier gelesen werden.
Viel Spaß – wir freuen uns auf Ihre Meinung!

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