Kategorie: HOHE LUFT


Jetzt am Kiosk: Die neue HOHE LUFT

HL_Cover_0115_großMit Sprache kann man nicht nur Dinge beschreiben. Sie ist sehr viel machtvoller. In der heute erschienenen HOHE LUFT-Ausgabe gehen wir der Frage nach, wie wir durch Sprache unsere Lebenswelt strukturieren und verändern können.
Keine philosophische Strömung ist so bedeutsam für die US-amerikanische Kultur wie die des Pragmatismus. Wir werfen einen Blick auf die Zusammenhänge zwischen pragmatistischem Denken und dem »American Dream«.
Weitere Themen dieses Mal: Die Ambivalenz der neuen Rituale. Können Vorurteile gut sein? Über die Kraft der ästhetischen Erfahrung. Sind wir zum Spenden verpflichtet? Und: HOHE LUFT zu Gast in Cambridge­ – Der Philosoph und Ökonomie-Nobelpreisträger Amartya Sen im Interview über globale Gerechtigkeit und das gute Leben.

Hier können Sie das neue Heft direkt online bestellen!

Zur Vorweihnachtszeit haben wir ein ganz besonderes Angebot für Sie: Sichern Sie sich jetzt Ihr HOHE LUFT Abo zum Selberlesen oder Verschenken und Sie bekommen ein hochwertiges Notizbuch von sensebook im HOHE LUFT-Design von uns geschenkt. Zu den Angeboten geht’s hier lang.

Kommentieren

Moral, Freiheit und Uhrwerk Orange

Selbstoptimierung ist in aller Munde. Quer durch die Feuilletons liest man von dem neuen Trend, die eigene Leistung zu erhöhen – ob mittels Schrittzähler, psychoaktiver Substanzen oder Apps zur Messung des Schlafs. Neu im Bereich der Selbstoptimierung ist das sogenannte Moral Enhancement, das darauf abzielt, die moralische Integrität durch die Einnahme von Medikamenten zu erhöhen. So ist beispielsweise erwiesen, dass die sogenannten SSRI (Serotonin Wiederaufnahmehemmer) aus der Gruppe der Psychopharmaka das Mitgefühl stärken. Allerdings stellt sich die Frage, ob dem Angebot an dergleichen Mitteln eine entsprechende Nachfrage gegenübersteht. Neben Wachmachern wie Modafinil und Ritalin sehen Pillen, die uns moralischer werden lassen, ziemlich altbacken aus. Damit stellt sich eine weitere Frage: Wenn wir schon kein ausgeprägtes Interesse an einer moralischen Optimierung zu haben scheinen, haben wir vielleicht die Pflicht dazu? Und: Wenn wir dieser Pflicht nicht nachkommen, hat vielleicht der Staat das Recht, uns diese Pflicht aufzuerlegen? Intuitiv würden wir einen solchen Eingriff vermutlich kategorisch ablehnen. Nur: Würden wir das auch tun, wenn die Intervention nicht auf die Verbesserung der Moral abzielt, sondern auf die Verhütung von Gewalt als Folge mangelnder Moral?

Denken wir an Alex aus Stanley Kubricks Film Uhrwerk Orange: Er vergewaltigt Frauen, verprügelt Stadtstreicher und schreckt auch vor dem Tod seiner Opfer nicht zurück. Alex hat „Bock auf ein wenig Ultrabrutale“, er labt sich an seinen Gewaltexzessen und bereut nichts von dem, was er verbricht. Als ihm wegen Mord eine 14-jährige Gefängnisstrafe droht, lässt er sich auf eine Aversionstherapie ein, deren Ziel die Resozialisierung von Kriminellen ist. Der Innenminister persönlich segnet Alex‘ Teilnahme ab. Über mehrere Stunden täglich werden Alex nun brutale Filmsequenzen vorgeführt, während ihm zugleich ein Serum verabreicht wird, das starke Übelkeit hervorruft. Die Therapie schlägt an: Der Gedanke an Gewaltausübung ist für Alex unerträglich geworden. Er gilt als geheilt und wird entlassen.

Mit einem Schlag ist Alex gut geworden – und doch ist er gebrochen. Er wollte im Grunde nie besser oder gar gut werden, seine Einwilligung in die Therapie hatte nur einen Zweck: der drohenden Gefängnisstrafe zu entgehen. Eine moralische Läuterung hat deshalb gar nicht erst stattgefunden: Alex‘ Verhaltensänderung geht einzig auf die erduldete Konditionierung zurück, die ihm darüber hinaus auch noch genommen hat, was ihn im Kern ausmacht: Das Böse. Das Böse ist gewissermaßen der Preis, den wir für die Freiheit zahlen. Da Alex die Wahl genommen wurde, zwischen Gut und Böse zu entscheiden, hat man ihn auch seiner Freiheit beraubt: „Kann ein Mensch nicht wählen, ist er nicht mehr Mensch“, schreibt Anthony Burgess in seinem Buch „Uhrwerk Orange“, das als Vorlage für den Film diente.

Mit Blick auf Moral Enhancement lehrt uns Uhrwerk Orange vor allem eines: Wird moralische Optimierung zur Pflicht erhoben, verlieren wir die Freiheit, selbst darüber zu entscheiden – der Zwang, selbst wenn es ein Zwang zum Guten ist, unterminiert die freie Wahl. Alex‘ Schicksal führt uns zweifelsohne vor Augen, wie gefährlich Freiheit sein kann, sein Ende als entmenschlichtes Wesen zeigt jedoch, dass es noch weitaus gefährlicher ist, dem Menschen seine Freiheit zu nehmen. Er ist dann nämlich gar kein Mensch mehr, sondern nur noch ein mechanisches Objekt. Um nicht zu sagen: ein Uhrwerk.

- Christina Geyer

Veranstaltungshinweis:
Tagung für praktische Philosophie, 13. + 14.11.2014
– u.A. mit einem Vortrag von Birgit Beck zu Moral Enhancemennt am 14.11. von 17:30-19:00.
Hier geht es zum Programm.

Kommentieren (1)

Das Geheimnis der Macht

HL_fb_profilbild_0614Macht ist unheimlich. Sie wird zu häufig missbraucht, ist oft ungleich verteilt und kann großen Schaden anrichten. Dabei ist sie allgegenwärtig, begegnet uns am Frühstückstisch und bei der Steuererklärung.

“Ein Leben im machtfreien Raum – das ist eine Illusion“ meinen die HOHE LUFT Chefredakteure Thomas Vašek und Tobias Hürter. Gerade deswegen ist der offene Diskurs über Machtverhältnisse umso wichtiger. Nur so kann man der Macht ihre Unheimlichkeit nehmen. Die ganze Titelgeschichte “Das Geheimnis der Macht” aus der aktuellen Ausgabe 06/2014 können Sie jetzt auch online lesen.

Viel Spaß!

Kommentieren (3)

DIE ZUKUNFT UNSERER ZUKUNFT

Kommendes Wochenende findet in Krems die GLOBART-Academy 2014 statt. Vier Tage lang tauschen sich verschiedene Referenten zum Thema „UN-sichtbar“ über eine enkeltaugliche Zukunft aus. Wir haben Wirtschaftsphilosoph Rahim Taghizadegan und Wirtschaftsredakteur Michael Kerbler einige Fragen zur Zukunft unserer Zukunft gestellt.
Beide werden kommenden Freitag auch auf der GLOBART sprechen:
Ab 14:00: Panel mit Rahim Taghizadegan, Andrea Grisold, Martin Schenk & Peter Rosner:
“Die unsichtbare Hand von Adam Smith”

Um 20:00: Peter Sloterdijk im Gespräch mit Michael Kerbler:
“Was die Zukunft bringt? Die unsichtbare Zukunft?”

INTERVIEW: CHRISTINA GEYER

HOHE LUFT: Was sehen Sie vor Ihrem inneren Auge, wenn Sie spontan an die Zukunft denken?
MICHAEL KERBLER: Es wird viele Zukünfte geben. Eine europäische, eine asiatische, eine afrikanische, eine amerikanische. Aber jede Prognose, wie es wohl werden wird, ist an Wittgensteins Diktum „Dass morgen die Sonne aufgehen wird, ist eine Hypothese“ zu messen. Die einzige Entwicklung, die meiner Meinung nach sehr wahrscheinlich eintreten wird, ist die forcierte Klimaerwärmung. Die Menschheit wird zur Kenntnis nehmen müssen, dass alle Errungenschaften nichts helfen werden: wir sind der Natur unterlegen. Die Erde braucht uns nicht.
RAHIM TAGHIZADEGAN: Ich sehe Ent-täuschung, also das Ende von Täuschungen, den Fortlauf der Geschichte und nicht ihr Ende, starke Umbrüche, eine neue Weltordnung oder Weltunordnung.

HOHE LUFT: Weltunordnung zeigt sich bereits heute: Die Welt ist komplex geworden. Wir können mit den Informationsfluten der globalisierten Welt kaum noch mithalten – ist Kontrollverlust die zwangsläufige Folge?
MICHAEL KERBLER: Ich bezweifle, dass es primär ein Kontrollverlust ist, der uns verunsichert. Wenn wir von Kontrollverlust sprechen, dann würde das doch bedeuten, dass wir früher in der Lage waren, Entwicklungen zu kontrollieren. Was seit der Implosion des sowjetischen Imperiums spürbar ist, das ist ein Verlust an Orientierung. Wenn sich Kontrollverlust zum Orientierungsverlust hinzugesellt wirkt er als Verstärker, weil tausende Informationen, die wir abrufen können, fataler Weise zusammenhanglos auf uns einprasseln. Die Diagnose für unsere Gesellschaft: we are overnewsed but underinformed. Und deshalb orientierungslos.
RAHIM TAGHIZADEGAN: Kontrollverlust ist die notwendige Folge einer vernetzten, arbeitsteiligen Welt. Ganz im Gegenteil weckt die massenmediale Durchdringung unseres Denkens mit globalen Schlagzeilen Kontrollwahn und damit verbundene Ohnmacht. Die Kontrolle komplexer Systeme ist eine Illusion, deren Verlust der erste Schritt zur Wiedererringung der Kontrolle über unser Leben ist.

HOHE LUFT: Peter Sloterdijk charakterisiert die Neuzeit als die Zeit starker Individuen, die den Bezug zu ihren Wurzeln verloren haben. Welche Auswirkungen hat der Verlust von Traditionen – und was bedeutet er mit Blick auf unsere Gesellschaft?
MICHAEL KERBLER: Jene Persönlichkeiten aus der Geschichte, die Peter Sloterdijk als Kronzeugen für die Gültigkeit seines zivilisationsdynamischen Hauptsatzes auftreten lässt, haben in ihrer Zeit große Umbrüche dadurch ausgelöst, weil sie geltende Spielregeln verletzt haben. Aber man muss Traditionen und Denkhaltungen schon sehr gut kennen, um zu wissen, wie man sie am besten bricht. Der Verlust von Traditionen ist ein schleichender Prozess, der allerdings nicht unumkehrbar ist. Das entscheidende Gegenmittel scheint mir Erinnerungsarbeit zu leisten. Wir sind, was wir erinnern. Wer aufhört zu erinnern, verliert seine Identität.
RAHIM TAGHIZADEGAN: Der Verlust von Traditionen überfordert die meisten Menschen, denn die Orientierung fehlt. Viktor Frankl sah als die zwei möglichen Folgen des Traditionsverlusts Konformismus und Totalitarismus. Tradition im negativen Sinne, das Festhalten am Bestehenden, ist gerade heute besonders ausgeprägt. Eine der schlechten Angewohnheiten unserer Tage ist die Überbewertung des Neuen, das in Unkenntnis des Alten ohnehin meist alter Wein in neuen Schläuchen ist. Tradition im positiven Sinne, die Weitergabe des Feuers, nicht das Bewahren der Asche, hat die Aufgabe, uns als Zwerge auf die Schulter von Giganten zu setzen.

HOHE LUFT: Die GLOBART hat sich das Ziel der Sichtbarmachung von Zukunftsthemen auf die Fahnen geschrieben. Bis zu welchem Grad ist es überhaupt möglich, die Zukunft abzubilden? Welchen Sinn macht es, Trends zu prognostizieren?
MICHAEL KERBLER: Seit Anbeginn strebte der Mensch doch danach, vorauszuahnen, was die Zukunft bringt. Ob früher das Orakel oder die Sterne befragt wurden oder ob heute computergestützte Szenarien errechnet werden: das Motiv dahinter ist, den Eintritt eines Ereignisses nach Wahrscheinlichkeiten zu reihen. Sinn dieser Projektionen ist zweierlei: sie geben bis zu einem gewissen Grad Sicherheit, auch wenn es sich um scheinbare Sicherheit handelt. Und zweitens erlaubt die Erarbeitung von Szenarien einen weiteren wichtigen Schritt: präventive Überlegungen anzustellen. Prävention versucht unerwünschte Zukünfte unwahrscheinlicher zu machen. Und das ist doch durchaus eine gute Vorbereitung darauf, mit den Veränderungen, die auf uns zukommen, gefasst umzugehen.
RAHIM TAGHIZADEGAN: Die Zukunft ist in einem sehr fundamentalen Sinne ungewiss und daher nicht abbildbar oder prognostizierbar. Futurologie kann allenfalls die Ahnungen, Sehnsüchte und Gedanken der Gegenwart abbilden, im besten Falle legt sie dabei noch Unbewusstes frei, meist bietet sie aber nur zeitgeistigen Bestrebungen eine Projektionsfläche.

Kommentieren

Design + Philosophie = Design-Philosophie?

Diese Gleichung scheint nicht wirklich aufzugehen. Jedes Unternehmen, das irgendetwas entwirft, hat heute eine Design-Philosophie. Mit Philosophie hat das, was gemeinhin darunter verstanden wird, jedoch relativ wenig zu tun. Egal ob es sich um Autos, Möbel, Küchengeräte oder Mode handelt – irgendeine „Philosophie“ muss hinter jedem neuen Entwurf stehen, um dem Produkt einen spezifischen Mehrwert, eine metaphysische Aura zu verleihen. Den ganzen Artikel lesen

Kommentieren

Der bewegte Mensch

Arbeiten wann und wo man will – das ist der Anspruch der »Digitalen Nomaden«. Dank der neuen Technologien und der nahezu flächendeckenden Internetversorgung braucht man für viele Tätigkeiten nicht mehr im Büro zu sitzen. Doch nicht alle finden den Gedanken des tragbaren Büros praktisch. Einige sehen in der steigenden Mobilität die Gefahren von Entwurzelung und Orientierungslosigkeit.
Bedeutet Mobilität Ortlosigkeit? Oder gewinnt der Ortsbegriff in einer mobilen Gesellschaft nur eine neue Bedeutung?

Hier können Sie den Artikel »Der bewegte Mensch« aus der aktuellen Ausgabe online lesen. Viel Vergnügen!

Kommentieren (2)

Ein totalitärer Denker

Unter dem Hashtag #schlussmitheidegger plädieren wir derzeit dafür, endlich mit der Verteidigung des umstrittenen Philosophen Martin Heidegger aufzuhören.

Nicht alle teilen diese Meinung, es werden auch Gegenstimmen laut.

Im Rahmen dieser Diskussion möchten wir Ihnen den ausführlichen Artikel “Ein totalitärer Denker” unseres Chefredakteurs Thomas Vašek nicht vorenthalten, der in der Ausgabe 06/14 am 25.09. erschienen ist. Ab sofort ist der Artikel hier in voller Länge zu lesen. 

Wir sind weiterhin gespannt auf Ihre Meinung! Sollen wir ohne Heidegger denken? Oder geht es nicht ohne ihn?

Schreiben Sie uns auf Facebook oder twitter.

Kommentieren (2)

Die Wirklichkeit und ihre Spiegelung – Philosophisches Rätsel

Zwei Philosophen sitzen an einem stillen Bergsee, in dem sich die umliegenden Gipfel spiegeln. Der See ist völlig glatt – ein perfekter Spiegel. Der eine Philosoph sinniert: »Wie soll man noch unterscheiden zwischen der wirklichen Welt und ihrer Spiegelung, wenn das Abbild bis ins Letzte genauso aussieht wie das Abgebildete?«
Der andere sagt: »Auch wenn das Abbild perfekt ist, es gibt immer einen bestimmten Unterschied zwischen Bild und Abbild.«

Welchen Unterschied suchen wir?

Kommentieren (5)

Ab heute im Handel: die neue Hohe Luft!

HL_fb_profilbild_0614 2Macht wird als erstes mit Unterdrückung, Missbrauch und Ungerechtigkeit assoziiert. Wir machen uns in der neuen HOHE LUFT-Ausgabe auf die Suche nach einem produktiven Machtbegriff.
Die Veröffentlichung der “Schwarzen Hefte” hat wegen antisemitischer Passagen eine neue Diskussion über Martin Heidegger ausgelöst. Ist es an der Zeit, sich von seiner Philosophie zu verabschieden?
Weitere spannende Themen im neuen Heft sind außerdem: Was kann die Klugheit? Wie geht Innovation? Ist Mobilität ein moderner Fluch oder Segen? Vom neuen Trend, sich zum Opfer zu machen.
Und der französische Mathematiker und Philosoph Alain Badiou spricht im Interview über Kapitalismus, Liebe und Demokratie. 

Sie wollen das Heft online kaufen? Dann hier entlang.

Kommentieren

Öffnet die Grenzen!

Innerhalb Deutschlands stehen wir für Chancengleichheit ein. Doch wenn es um die nationalen Außengrenzen geht, hört dieser Anspruch auf. Ist es moralisch vertretbar, Flüchtlinge abzuweisen?

Nein, das ist es nicht, meint HOHE LUFT Redakteur Robin Droemer. Im Leitartikel der neuen Ausgabe plädiert er für eine liberalere Einwanderungspolitik. Sie können den Artikel schon vor Erscheinen hier in voller Länge lesen.

Kommentieren (2)