Kategorie: Curiosa


Die Philosophie des Eierkraulens

Die Philosophie des Eierkraulens

Wie kann man sich nur vor Fernsehkameras an den Eiern kraulen – und dann auch noch an der eigenen Hand schnüffeln? Das fragen sich seit einigen Tagen alle, die dieses Video von Bundestrainer Jogi Löw gesehen haben. Und das sind weltweit eine ganze Menge. Zu sehen ist, wie der deutsche Bundestrainer am Spielfeldrand gründlich in seiner Bügelfaltenhose herumstochert und die Hand anschließend an die Nase führt. Das ist unappetitlich und unangemessen. Dennoch ist es nicht nur die Handlung selbst, die den Vorfall so brisant macht. Vielmehr staunt die Welt darüber, dass sich der Bundestrainer so verhält, als säße er unbeobachtet zu Hause auf der Couch, obwohl er stattdessen vor Millionen von Zuschauern steht.

Dabei müsste Jogi Löw eigentlich ein Medienprofi sein. Seit 2006 trainiert er die deutsche Nationalmannschaft, unter seiner Führung wurden wir Weltmeister. Wie viele Live-Interviews, Nachgespräche, öffentliche Trainings und Länderspiele muss ein Mensch absolvieren, um zu wissen, dass alles genauestens beobachtet wird, was er tut?

Wie Lukas Podolski in seiner direkten Art anmerkt, kraulen sich wahrscheinlich viele Männer mal an den Eiern. Allerdings zu Hause, nicht im Fernsehen. Die klare Trennung zwischen einer öffentlichen und einer privaten Sphäre ist für unser Leben von fundamentaler Bedeutung. Dabei bedingen sich beide gegenseitig: »Ohne das Private lässt sich das Öffentliche nicht denken« schreibt der Berliner Philosoph Volker Gerhard. Öffentlichkeit sei die Grundbedingung, in der sich das menschliche (Zusammen-)Leben entfalte. Genauso brauchen wir den privaten Raum, der uns vor dem Licht der Öffentlichkeit verbirgt, damit wir ganz bei uns selbst sein können (was auch immer das bei Jogi Löw konkret bedeutet).

Mit dem Internet hat sich eine Öffentlichkeit gebildet, die sich für viele oft ganz privat anfühlt. Man sitzt alleine vor dem Rechner,  während man gleichzeitig Informationen mit der ganzen Welt teilt. Je mehr man sich im Netz bewegt, desto leichter vergisst man spontan seine Öffentlichkeit – und gibt eventuell ganz persönliche Sachen preis. Das kann ein intimer Post auf Facebook sein oder der Besuch einer Pornoseite, was ebenfalls Spuren im Netz hinterlässt. Vielleicht ist Jogi Löws Eierkrauler das Ergebnis eines ähnlichen Prozesses: Einerseits hat sich im Zuge der EM das mediale Interesse an seiner Person enorm erhöht. Kameras beobachten jeden seiner Schritte, vom Training ins Hotel bis in die Coaching-Zone. Mit der Gewöhnung an diese Form der Öffentlichkeit schwand sein Bewusstsein für sie. Gleichzeitig verkleinern sich für Löw durch die ständige Beobachtung die für jeden Menschen essentiellen privaten Räume. Kombiniert man das mit dem Druck durch einen nicht gerade exzellenten Auftritt der deutschen Mannschaft, ist es vielleicht plötzlich nicht mehr so abwegig, sich spontan ganz privat zu verhalten. Jedem, der im Netz schon mal etwas getan hat, was er nicht unbedingt auf einem Marktplatz tun würde, ist im Grunde etwas Ähnliches passiert – auch wenn dabei (hoffentlich) keine Eier im Spiel waren.

Robin Droemer

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Na logisch!

Daniel-Pascal Zorn ist Philosoph mit Schwerpunkt Argumentationstheorie und philosophischer Dialektik. Er schreibt einen Blog über reflexive Logik und ab jetzt jeden zweiten Freitag auf dem HOHE LUFT-Blog eine Kolumne über die Tücken der Argumentation, Denkfehler und logische Fallstricke. Hier kommt Folge 1!

Philosophie als Kunst der Rechtfertigung

Wir alle sind tagtäglich in Diskussionen mit anderen Menschen verstrickt. Wir diskutieren über das Essen, das Wetter oder das letzte Fußballspiel. Wir diskutieren über tagespolitische Ereignisse, wissenschaftliche Entdeckungen oder Gerüchte, die wir gehört haben. Und wenn es ernst wird – oder spät ist oder wir ein wenig über den Durst getrunken haben –, dann diskutieren wir die grundlegenden Fragen: religiöse Überzeugungen und philosophische Thesen oder Positionen, denen wir zustimmen oder die wir ablehnen. Den ganzen Artikel lesen

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Die tiefe Schönheit der Natur

Kolumne »Schöne Gedanken«

Physik und Schönheit – für viele Menschen ist das kein harmonisches Paar. Doch für die besten Physiker ist Schönheit eine wichtige Wegweiserin bei der Enträtselung der Natur. Albert Einstein wehrte einmal einen Vorschlag eines Fachkollegen mit »Oh, wie hässlich« ab. Der Nobelpreisträger Frank Wilczek hat nun ein Buch geschrieben, in dem er dem Zusammenhang von Schönheit und Naturgesetzen genauer nachgeht: »A Beautiful Question« ist sein Titel. Darin erzählt Wilczek, wie er und seine Kollegen sich von Idealen wie Einfachheit, Harmonie, Gleichmäßigkeit und Symmetrie leiten lassen, wenn sie ihre Theorien entwickeln. Warum funktioniert das? Weil die Natur in ihrem Wesen schön ist, vermutet Wilczek, und wir Menschen einen Sinn für diese Schönheit haben. Daher sind die Physiker auch überzeugt, noch lange nicht am Ende ihrer Suche nach den letzten Naturprinzipien angelangt zu sein. Ihre aktuellen Theorien sind ihnen noch nicht schön genug.

– Tobias Hürter

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Die Latte von Richard David Precht

„Precht hat die Latte so hoch gelegt, dass ich jetzt nur versuchen kann, mit Anstand darunter durchzugehen.“ So begann Peter Strasser gestern seinen Vortrag auf dem Philosophicum. Mit Anstand unter Prechts Latte durchgehen – es sollte nicht die letzte Anzüglichkeit des Tages bleiben.

Die größte Dichte sexueller Anspielungen hatte sicherlich die Laudatio, die Professorin Ursula Pia Jauch, Expertin für „Damenphilosophie“, auf Tractatus-Preisträger Kurt Bayertz hielt.

Precht-Disser Peter Strasser und Greta Lührs (mit Bier)

Jauch gelang es, dem eigentlich sexualitätsfernen Thema der Anthropologie des aufrechten Gangs eine schlüpfrige Note zu geben. Am Ende ihres Vortrags dachten wirklich alle Zuhörer bei „aufrecht“ an Erektion. „Wobei das mit dem Aufrichten ja auch nicht immer klappt“, rief Jauch den männlichen Zuhörern zu. Wenn sie vom Menschen als einem besonderen Fall sprach, fügte sie gleich hinzu, dass dieser „Fall“ nicht mit PH zu schreiben sei. Preisträger Bayertz zeigte sich freundlich überrascht über diese neue Deutung seines Werks.

(HL)

 

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Gleich knallts, Immanuel!

Was tun Männer, wenn ihnen die Argumente ausgehen? Genau: auf die Fresse. Insofern war es geradezu eine Selbstverständlichkeit, was mehrere Nachrichtenagenturen am vergangenen Montag meldeten: Eine philosophische Diskussion zweier junger Männer in der südrussischen Stadt Rostow am Don endete in Handgreiflichkeiten.

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Liebeslied aus Philosophennamen

»Hey girl, I got to got to have you ‚cause I need you need you need you so bad« – ein unauffälliger Anfang eines Liebeslieds.

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Philosophie auf dem iPhone

Wer unterwegs eine geniale philosophische Eingebung hat, oder dringenden Diskussionsbedarf verspürt, kann jetzt auf die Philosophie-App von Jonathan Weisberg zurückgreifen. Gibt es hier gratis für iOS. Und bald auch für Android.

– Tobias Hürter

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Bei Žižek daheim

Slavoj Žižek ist ein klein wenig exzentrisch, das ist allgemein bekannt. Jetzt würden wir sagen: er ist sehr exzentrisch. Er hat ein Stalin-Poster in seiner Wohnung hängen (»guter, ehrlicher Kerl«) und bewahrt seine Socken in einer Küchenschublade auf.

Glauben Sie nicht?

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Das Saufgelage

Das Gastmahl von Platon ist ein Buch für die einsame Insel – große Philosophie und große Literatur. Der englische Autor und Regisseur Jonathan Miller adaptierte das Werk im Jahr 1965 für die Leinwand.

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Das Gehirn im Tank

Ein viel umstrittenes Gedankenexperiment der analytischen Philosophie ist das »Brain in a vat« (Gehirn im Tank). Sein Erfinder Hilary Putnam erklärte es 1982 so:

Stellen Sie sich vor, das Gehirn eines Menschen wird dessen Körper entnommen und in einen Tank mit Nährstofflösung gesetzt, die das Gehirn am Leben hält. Die Nervenenden werden mit einem Supercomputer verbunden, der für die Person, der das Gehirn gehört, die Illusion erzeugt, alles sei ganz normal.

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