Kategorie: Aktuell


Was ist Flucht? Von der Realität und Aggression der Bilder

 REUTERS/Nilufer Demir

                                                                                                                                 REUTERS/Nilufer Demir

In diesen Tagen scheint es nur ein einziges Thema zu geben: Flucht. Es vergeht kein Tag, an dem uns die Medien nicht über die Schicksale unzähliger Unbekannter informieren, Menschen aus Syrien, Eriträa oder dem Kosovo, die zu Tausenden Zugang zum sicheren Europa suchen. Wir hören und lesen nicht nur, was derzeit passiert – wir sehen es auch. Welchen Stellenwert hat das, was wir da sehen? Müssen wir uns damit konfrontieren oder dürfen wir einfach wegschauen? Wie sollen wir mit der Bilderflut umgehen?

Fotos von Flucht und Flüchtlingen sind zur Zeit allgegenwärtig. Man sieht Menschen auf Schlauchbooten, in Bahnhöfen und Zügen, in Auffanglagern, an Grenzzäunen. Die Fotos bewegen und rühren uns, sie machen uns betroffen. Aber sie tun noch mehr. Sie bannen uns. Sie üben auf eigentümliche Weise Gewalt auf uns aus.

Nehmen wir das umstrittene Foto der toten Flüchtlinge, die kürzlich in einem abgestellten Laster in der Nähe von Wien gefunden wurden. Die Wiener „Kronen-Zeitung“ hatte das Foto veröffentlicht, und danach auch „Bild“. Das Foto zeigt einen Blick ins Innere des LKWs; auf der Ladefläche aneinanderkauernde Männer in Freizeitkleidung, an der Innenseite der offenen Türflügels Spuren einer dunklen Flüssigkeit. Was man nicht sieht, sind die Gesichter der Menschen.

Ein ganz anderes, scheinbar unkontroverses Foto, publiziert unter anderem von der »Süddeutschen Zeitung“, zeigt zwei Männer, eine Frau und zwei Kinder, die im Begriff sind, unter einem Stacheldrahtzahn hindurchzukriechen.

Auf einem dritten Bild sieht man einen kleinen Jungen vollständig bekleidet und durchnässt an einem Sandstrand liegen. Sein Kopf, dem offenen Meer zugewandt, ruht an der Wellenkante, als würde er schlafen. Das Foto des toten Jungen ging innerhalb eines Tages um die Welt. Als Philosophiezeitschrift sind wir der Auffassung, dass wir die Pflicht haben, dieses Bild zu veröffentlichen und dazu Position zu beziehen.

REUTERS/Bernadett Szabo

                                                                                                                         REUTERS/Bernadett Szabo

So unterschiedlich diese Bilder sein mögen, sie alle haben etwas gemein. Alle drei sagen weder die Wahrheit, noch lügen sie. Bilder sind keine sprachlichen Gebilde, sie haben keinen begrifflichen Gehalt. Doch eben dieses Un-Begreifbare überwältigt uns. Laut dem Kunsthistoriker Horst Bredekamp konstituieren Bilder Wirklichkeit. Wir glauben, es geht um noch mehr.

Die Realität des Fotos zwingt uns zu einer Reaktion, zu einem Urteil: Von „Wie schrecklich“ über „Die armen Menschen“ bis hin zu „Das darf nicht mehr passieren“. In jedem Foto verbindet sich das Motiv mit einer visuellen, begriffslosen Didaktik. Es belehrt uns über die Wirklichkeit, indem es einen bestimmten Ausschnitt zeigt, der wiederum eine bestimmte Realität konstituiert, zu der wir uns verhalten müssen.

Das Bild der toten Flüchtlinge im Laster ist nun real, ob wir seine Veröffentlichung ethisch billigen oder nicht. Wie das Foto der Flüchtlinge am Stacheldraht und jenes des Kinderleichnams reduziert es die Komplexität der Flüchtlingssituation auf ein unsprachliches, imperativisches: „So ist es!“Die drei Fotos sind exemplarisch für alle Bilder, die tagtäglich unseren Alltag fluten. Diese Bilder belehren uns, was Flucht ist.

Flucht ist gesichtsloser Tod. Flucht sind angstvolle, weinende Gesichter. Flucht ist ein lebloses Kind. Die Fotos behelligen uns in aggressiver Weise. Sie drängen uns ihre Sicht der Dinge auf…und schon folgen weitere. Je mehr Bilder auf uns einströmen, desto größer wird die Gefahr, dass sie die Bilder substituieren, die als Ergebnis eines Reflexionsprozesses in unserem Kopf entstehen.

Zugleich substituiert die Bilderflut die Begriffe, die nötig sind, um überhaupt vernünftig urteilen zu können. Ein einziges Bild – das Foto eines toten Kindes – kann zum Handeln veranlassen. Eine Überfülle von Bildern aber lähmt unser Denken. Daraus folgt jedoch nicht, dass wir unsere Augen vor der Allgegenwärtigkeit der Bilder verschließen sollen – wir können es auch gar nicht.

Fotos sind wirklich. Wir müssen die Realität der Bilder in ihrer schieren Quantität ernst nehmen, sie auf uns wirken lassen, uns von ihnen Gewalt antun lassen. Aber wir brauchen Begriffe, Sprache, Texte, um der bildlichen Aggression zu widerstehen. Wir brauchen sachliche Reflexion inmitten der Bilderflut.Wir brauchen die Philosophie. Damit wir unsere Passivität loswerden. Damit wir anfangen können, uns wie vernünftige Menschen zu benehmen. Um das eine Bild aus der Masse der vielen heraus zu sondern, das uns motiviert zu handeln. Zu helfen.

Rebekka Reinhard, Thomas Vašek

Kommentieren

HOHE LUFTPOST – Wir Engel und Teufel

HOHELUFTpost vom 28.08.2015:

Der Fund ist gruselig, und er gibt zu denken: Archäologen haben in der Nähe von Frankfurt am Main ein Massengrab freigelegt, in das unsere Ahnen vor 7000 Jahren ziemlich achtlos 26 Leichname geworfen hatten, darunter viele Kinder. Das ist auffällig, weil die Menschen damals ihre Toten meist mit Respekt und Sorgfalt bestatteten. Noch auffälliger ist der Zustand der Leichname. Sie zeigen deutliche Spuren brutaler Gewalt. Manchen wurde offenbar mit stumpfen Waffen der Schädel eingeschlagen. In manchen Knochen stecken noch Pfeilspitzen.

Der Fund befeuert eine ohnehin schon hitzige Debatte: Ist der Mensch von Natur aus friedlich – oder gewaltsam? Der amerikanische Psychologe Stephen Pinker behauptet in seinem Buch »Gewalt« von 2011, dass die Menschheit im Lauf der Zivilisationsgeschichte immer friedlicher wurde und heute weniger gewaltsam denn je ist. Andere Gelehrte widersprachen Pinker heftig. Flüchtlinge aus dem syrischen Bürgerkrieg werden über seine These allenfalls bitter lachen können. Doch der Frankfurter Fund scheint sie zu stützen.

Was stimmt denn nun: Ist der Mensch wirklich ein geborener Brutalo, besänftigt durch die Zivilisation? Oder ein von Natur aus friedliches Wesen, verroht durch den Existenzkampf in unserer rücksichtslosen Gesellschaft, wie Jean-Jacques Rousseau behauptete? Ich glaube, das ist eine falsche Dichotomie. Der Mensch ist von sich aus weder friedlich noch gewaltsam. Den Menschen »von sich aus« gibt es gar nicht, es gibt ihn nur in diesen oder jenen Umständen, und so gut wie jeder Mensch würde unter manchen Umständen gewaltsam werden, heute oder in der Steinzeit. Unsere Natur können wir nicht ändern. Sehr wohl aber die Umstände.

– Tobias Hürter

Kommentieren

Eine verlässliche Ausgabe und ein unredlicher Angriff – Vittorio E. Klostermann über die Heidegger-Gesamtausgabe

Vittorio E. Klostermann

Vittorio E. Klostermann, Verleger der Heidegger-Gesamtausgabe

Der Verleger der Heidegger-Gesamtausgabe Vittorio E. Klostermann antwortet auf ein HOHE LUFT-Interview mit Richard Wolin, das im März veröffentlicht wurde. Die Vorwürfe Wolins gegenüber der Arbeit des Verlages seien nicht haltbar und kompromittierend, so Klostermann. 

Richard Wolin, der US-amerikanische Ideenhistoriker, erhebt in einem in Hohe Luft abgedruckten Interview (Heft 3-2015) schwere Vorwürfe: „Seit Jahrzehnten wissen wir, dass es Probleme mit der Gesamtausgabe und der Publikationsgeschichte von Heideggers Werk gibt. Das ist ein Skandal. Eben gab es einen Artikel in der Zeit „Was heisst ‚N. Soz.?‚“ von Adam Soboczynski, der die Verbreitung und Ausmaß dieser Probleme bestätigt. Es gibt viele kompromittierende Passagen aus seinen Vorlesungen, die man einfach weggelassen hat. Und diese Probleme gibt es noch immer. Zum Beispiel ist der wichtige Briefwechsel mit seinem Bruder Fritz für die Forscher gesperrt. Und das Problem wird immer schlimmer, solange der Heidegger-Nachlass nicht völlig für die Forschung freigegeben ist.“ Den ganzen Artikel lesen

Kommentieren

Was nützt die Nutzenfrage?

Prognosen über den Arbeitskräftemangel in Deutschland, verursacht durch den demografischen Wandel, begegnen einem gerade in den Beiträgen zur Flüchtlingsdebatte. Werden nicht in den nächsten Jahren tausende Arbeitskräfte aus dem Ausland hinzugezogen, haben wir hier höchstwahrscheinlich ein großes Problem, sagen die Zahlen. Sie werden von den Verfassern verwendet, um auf den volkswirtschaftlichen Nutzen hinzuweisen, den Deutschland aus denen ziehen kann, die hier Zuflucht suchen vor Krieg, Verfolgung, Hunger und Tod. Aber kann die Frage, welchen Nutzen Flüchtlinge bringen, dafür relevant sein, ob sie Hilfe verdienen? Den ganzen Artikel lesen

Kommentieren

HOHE LUFTpost – Das Gebot der Kurzweiligkeit

HOHE LUFTpost vom 07.08.2015: Das Gebot der Kurzweiligkeit

So gut wie jeder Mensch kennt die Situation: Man hängt in einem Gespräch fest. Der Gesprächspartner erzählt langatmig irgendetwas, das einen überhaupt nicht interessiert. Man fühlt sich zunehmend gelangweilt, sucht immer dringender nach einem Ausweg, wird innerlich immer ungeduldiger und ärgerlicher.
Es ist ja auch wirklich eine ärgerliche Situation. Nur, auf was ist man da gerechtfertigterweise ärgerlich? Tut man dem Anderen Unrecht, wenn der Ärger sich gegen ihn richtet? Er tut doch nicht mehr, als etwas erzählen, scheinbar ohne böse Absicht.

Dennoch bin ich überzeugt, dass es in vielen solchen Situationen OK ist, ärgerlich auf sein Gegenüber zu sein. Ein Gespräch ist eine soziale Situation. Darin hat jeder die Pflicht, das Wohlergehen der anderen zu berücksichtigen. Also auch, darauf zu achten, ob die eigene Rede zum Wohlbefinden der anderen beiträgt. Du sollst die anderen nicht langweilen – das ist eines der Gebote für gelungene Gespräche.

Daraus schließe ich, dass es in solchen Lagen gerechtfertigt ist, auch mal den schnellen, abrupten Ausweg zu nehmen. Umgekehrt ist es aber auch eine Erinnerung, das Gebot der Kurzweiligkeit selbst zu beherzigen.

– Tobias Hürter

Kommentieren

HOHE LUFTpost – Das fliegende Spaghettimonster und die GEZ

HOHE LUFTpost vom 31.07.2015: Das fliegende Spaghettimonster und die GEZ

Muss Gott Rundfunkgebühr bezahlen? Nein, wenn es nach dem Rundfunkstaatsvertrag geht. Darin steht, dass Betriebsstätten, die gottesdienstlichen Zwecken dienen, von der Gebühr befreit sind. Ein schlauer Münchner Unternehmer weihte daraufhin sein Büro mit Nudelwasser dem »Fliegenden Spaghettimonster«, einer aus den USA stammenden Gottesparodie, und wollte ebenfalls von der Rundfunkgebühr ausgenommen werden. Diese Woche wurde die Sache vor Gericht entschieden. Urteil: Die Anbetung des Spaghettimonsters enthebt nicht von der Rundfunkgebühr, im Gegensatz zum christlichen Gott.

So ganz ernst meinte der Unternehmer seine Aktion nicht. Doch sie hat einen tiefernsten Hintergrund: Was kann als Religion gelten? Warum das Christentum und nicht der Glaube ans Fliegende Spaghettimonster – da doch die Geschichten, die gläubige Christen erzählen, manchen Außenstehende nicht weniger absurd scheinen? Das Gericht sprach etwas hilflos von einem »gesellschaftlichen Konsens«, der zum Christentum bestehe, nicht aber zum Spaghettimonster. Ich glaube jedoch, der Unterschied liegt tiefer. Das Spaghettimonster ist einfach ausgedacht, und zwar von einem humorvollen Amerikaner namens Bobby Henderson. Der christliche Gott ist nicht ausgedacht. Selbst wenn er ein Irrtum ist, haben die Gläubigen ihn gefunden, nicht geschaffen. Es ist daher gerechtfertigt, einen Unterschied zwischen Gott und dem Spaghettimonster zu machen.

Aber es gibt noch eine zweite Frage: Ist es am Staat, diesen Unterschied zu machen? Warum sollen die einen Rundfunkgebühr zahlen, die anderen nicht? Warum zieht der Staat Kirchensteuer ein, aber keine Spaghettisteuer? Mir fällt kein guter Grund ein.

– Tobias Hürter

Kommentieren (1)

HOHE LUFTpost – Über Moral lässt sich streiten

HOHE LUFTpost vom 24.07.2015: Über Moral lässt sich streiten

Was halten Sie von Ehrenmorden? Richtig oder falsch? Wahrscheinlich falsch – hoffentlich! Aber wie begründen Sie es? Wie würden Sie versuchen, jemanden aus einer traditionell islamischen, von der Sharia-Gesetzgebung geprägten Gesellschaft davon zu überzeugen, dass Ehrenmorde nicht OK sind?

Oder grundsätzlicher gefragt: Lässt sich über Moral sinnvoll diskutieren? Die Philosophen sind da geteilter Meinung. Empiristen wie David Hume waren überzeugt, dass die Moral ihrem Wesen nach subjektiv ist, dass also moralische Urteile letztlich auf einem Moralgefühl gründen, das man halt hat oder nicht. Immanuel Kant hingegen versuchte, die Moral mit raffinierten Argumenten in der Vernunft zu verankern – wobei ich bezweifle, ob sie die Ehrenmord-Frage befriedigend lösen würden.
Der amerikanische Philosoph Alex Rosenberg betrachtete all dies kürzlich in einem Artikel auf der Website der New York Times und kam zu dem Schluss: Über Moral lässt sich nicht streiten.

Ich muss Rosenberg widersprechen. Was wäre eine Moral wert, über die sich nicht streiten ließe? Ich bin überzeugt, dass es sinnvoll ist, mit Muslimen darüber zu streiten, ob ein Mord ein geeigneter Weg ist, einen Ehrenkonflikt zu lösen – vorausgesetzt, sie sind ebenfalls bereit, darüber zu streiten. Die Basis dafür liegt weder im Gefühl noch in der Vernunft, sondern darin, dass wir alle zivilisierte Menschen mit gemeinsamen Werten sind.

– Tobias Hürter

Kommentieren (2)

Verändern wir die Welt! – Philosophisches Manifest

Unter dem Titelthema der neuen Ausgabe „Mutig, weiblich, wichtig – Manifest für eine Philosophie, die uns bewegt“ haben wir in zehn Punkten zusammengefasst, wie unserer Ansicht nach eine relevante, moderne Philosophie aussehen sollte. Uns interessiert, wie Sie darüber denken. Welche Erwartungen haben Sie an zeitgemäße Philosophie? Welche Rolle sollte sie in der Gesellschaft spielen?

Das ganze Manifest können Sie nun hier lesen und uns in den Kommentaren, auf Facebook oder Twitter Ihre Meinung dazu sagen. Wir freuen uns sehr über zahlreiche Stimmen und sind gespannt auf Ihre Ideen und Vorschläge für eine Philosophie, die uns alle angeht und bereichert.

Kommentieren (2)

Mutig, weiblich, wichtig – das neue Heft ist da!

Mutig, weiblich, wichtig – Manifest für eine Philosophie, die uns bewegt 

HoheLuft0515_CoverWas soll Philosophie heute leisten? Moderne Philosophie ist für uns weder rein akademischer Diskurs noch ein weiterer Ableger der Wellness-Industrie. Vielmehr lässt sie uns die wirklich wichtigen Fragen für unser Zusammenleben stellen, regt uns an, die Dinge zu hinterfragen und neu zu denken.
Unser Titel widmet sich darum dieses Mal einem Manifest für eine zeitgemäße Philosophie, die sich selbst als wichtigen Teil der Gesellschaft versteht und keine Angst hat, sich einzubringen.

Weitere Themen dieser Ausgabe: Fokus Nachhaltigkeit – Was bedeutet es, nachhaltig zu leben? Die Vernunft auf dem Prüfstand, der kosmopolitische Philosoph Kwame Anthony Appiah im Interview, Über das Eigentum, das Schicksal des Mittelalter-Philosophen Peter Abaelard, Stoiker vs. Epikureer. Plus: 14 Seiten Themenschwerpunkt über den wohl einflussreichsten Denker der abendländischen Philosophie Immanuel Kant.

Hier geht’s zum Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 5/15.

Hier können Sie das Heft versandkostenfrei bestellen.

Kommentieren (1)

HOHE LUFTpost – Veganismus und das gute Gewissen

HOHE LUFTpost vom 17.07.2015: Veganismus und das gute Gewissen

Essen Sie Fleisch? Eier? Tragen Sie Leder? Der Veganismus gewinnt derzeit merklich an Anhängern. Im Gegensatz zur Vegetarier-Bewegung von früher stehen dabei oft ethische Gründe im Vordergrund, nicht die Gesundheit. Wer Fleisch konsumiert, unterstützt Massenschlachtungen. Wer Eier isst, finanziert die industrielle Haltung von Hühnern. Kurz gesagt: Wer tierische Produkte kauft, vermehrt das Leid in der Welt. Und Leid ist schlecht. Folglich ist Veganismus gut.

Einfach, oder? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Denn nicht immer führt der Konsum tierischer Produkte zu vermehrtem Leid. Man kann sich Eier von wirklich glücklichen Hühnern in die Pfanne hauen. Man kann Milch von Kühen trinken, die auf saftigen Bergweiden leben. Oder Insekten essen, die nach der Auffassung von Biologen gar nicht in der Lage sind, Schmerzen zu empfinden.

Ethischer Veganismus ist zunächst mal ein erfreuliches Phänomen. Doch so richtig überzeugt er mich nur, wenn er konsequent ist in seiner ethischen Ausrichtung – und wenn er Teil eines Lebensstils ist, der auch in anderen Bereichen so konsequent ist in seiner Vermeidung von Leid. Darf ein strikter Veganer mit dem Auto zur Arbeit fahren? Ich bezweifle es. Aber gleichzeitig denke ich mir: Es ist immer noch besser, inkonsequent ethisch zu sein, als gar kein Gewissen zu haben.

– Tobias Hürter

Kommentieren (4)