Kategorie: Aktuell


Schwerpunkt Anthroposophie

Die »Anthroposophie« Rudolf Steiners ist eine Erfolgsgeschichte. Von der Waldorf-Pädagogik über den biodynamischen Landbau bis zur anthroposophischen Medizin: Kaum eine andere Lehre hat auf derart viele Bereiche des praktischen Lebens gewirkt. Dennoch ist die Anthroposophie bis heute umstritten. Die einen halten sie für eine spirituelle Weltanschauung, für ein ganzheitliches Lebenskonzept, das eine Alternative bietet zum Materialismus unserer Zeit, die anderen für nebulöse Esoterik mit weltfremden und antimodernen Zügen.

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Wie links ist die Gewalt?

Brennende Autos, zerbrochene Scheiben, zerstörte Läden – so sieht Chaos aus. Dazu Sprechchöre, Polizeisirenen, der Lärm der kreisenden Helikopter – Szenen wie aus einem Bürgerkrieg. Aber welches Ziel hatten die vermummten Steinewerfer, Brandstifter und Plünderer, die während des G-20-Gipfels Teile des Hamburger Schanzenviertels in ein Schlachtfeld verwandelten? Und was hat das mit linkem Protest zu tun?

Nichts, sagen manche. Für die einen handelt es sich um reine Kriminelle, für die anderen um einen neuen Typ radikaler Partyhopper, die Autos anzünden statt abzutanzen. Dennoch gibt es auch gute Gründe, die Hamburger Ausschreitungen in die Tradition linker Militanz einzuordnen. Schließlich war und ist der Kampf gegen das »System«, gegen den Kapitalismus und den »bürgerlichen« Staat, gegen die »Bullenschweine« fester Bestandteil einer radikalisierten linken Ideologie.

Die Referenzpunkte der linken Militanz reichen vom Spanischen Bürgerkrieg über Che Guevara bis zur RAF; in Ausläufern bis zur Punk- und Hausbesetzerszene. All diese verschiedenen Ausprägungen linker Gewalt gründen schließlich in einer gemeinsamen Denkfigur: Es ist letztlich die Vorstellung, dass der »revolutionäre« Zweck, die Überwindung des Feindes Kapitalismus, auch den Einsatz von Gewalt rechtfertigt oder sogar notwendig macht. Diese Vorstellung reicht zurück bis zu Marx´Idee der sozialen Revolution. So legitimieren radikale Linke bis heute physische Gewalt als Antwort auf die »strukturelle« Gewalt, die vom »System« und seinen Handlangern ausgehe.

Die marxistische Theorie nahm lange Zeit ein revolutionäres »Subjekt« an, dem die historische Aufgabe zukommen sollte, die dem Kapitalismus innewohnenden Widersprüche zuzuspitzen und schließlich in der Revolution aufzuheben – dem Proletariat. Doch dieses revolutionäre Subjekt existiert nicht mehr. Von diesem Verlust hat sich die Linke nie erholt. Oder anders: Jeder kann nun ein solches Subjekt »spielen«. Dazu muss man weder Marx gelesen, noch sich über die Globalisierung informiert haben. Man braucht dazu nur eine schwarze Maske, ein paar Böller und Steinschleudern – und ein internetfähiges Handy, um alles live zu dokumentieren.

Das Mittel – die Gewalt – scheint zum Zweck geworden zu sein, die revolutionäre »Tat« zum Event, die Befreiung vom System zur Selbstverwirklichung. Die Marxsche Dialektik ist einer pervertierten Logik zum Opfer gefallen: Im emanzipatorischen Kampf gegen das System zerstören sich die notorisch Unterlegenen selbst, indem sie eben nicht nur Porsches abfackeln, sondern auch die Kleinwägen derer, die noch ihnen unterlegen sind. Ihr eigenes Viertel. Ihre eigenen Ideale. Ihre eigenen Werte. Steht am Ende des linken Widerstandes ein neuer Nihilismus?

Rebekka Reinhard, Thomas Vašek

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Reflexe #7: Gegen Epistokratie

Jörg Friedrich sichtet für seine Kolumne »Reflexe« aktuelle philosophische Bücher und Strömungen. Heute setzt er sich kritisch mit den Thesen des US-amerikanischen Philosophen Jason Brennan auseinander, dessen Buch »Gegen Demokratie« kürzlich erschienen ist. 

Jason Brennan ist Amerikaner, und vielleicht muss man sein Buch „Gegen Demokratie“ deshalb mit einer gewissen Nachsicht lesen, auch wenn 2016, also das Buch im Original erschien, der amerikanische Präsident noch Obama und nicht Trump hieß. Die deutsche Fassung erschien im April diesen Jahres, da war der neue Präsident schon im Amt, und viele, vermutlich auch der Autor selbst, werden das Ergebnis der amerikanischen Präsidentschaftswahl als Bestätigung der Hauptthese des Buches sehen: die Demokratie führt dazu, dass die falschen Leute an die Macht kommen, und diese falschen Leute treffen die falschen Entscheidungen, sodass die Ergebnisse demokratischer Politik schlecht für die Bürger sind, die von ihr betroffen sind. Den ganzen Artikel lesen

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Seminar: Stressprävention und Resilienz

Am 13. und 14. Oktober findet es statt – das erste HOHE LUFT BUSINESS CLASS-Seminar am Margarethenhof.

In einer Zeit des schnellen Wandels kommt die Aufmerksamkeit auf die eigene Person oft zu kurz. Die Folgen: mentale Übersteuerung, Überreiztheit, Stress. Wie schafft man es, trotz permanenten Zeitdrucks und Überlastung bei sich zu bleiben? Wie kann man den eigenen körperlichen, seelischen und geistigen Bedürfnissen gerecht werden? Wie hängen Selbstsorge und Selbstführung zusammen?

Lernen Sie in unserem neuen Seminar wirksame Methoden der Stressbewältigung kennen, um künftig schwierige Lebensumstände in Beruf und Privatleben gestärkt meistern zu können. Freuen Sie sich auf inspirierende philosophisch-psychologische Vorträge und praktische Übungen, die Ihre Leistungsfähigkeit trainieren und Sie künftig vor Überlastung und Burnout schützen.

Seminar-Themen

  • Sich wahrnehmen
  • Selbstsorge
  • Achtsamkeit

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Wählt BASIC! Warum wir ein Grundeinkommen für alle brauchen

Noch vier Monate bis zur Bundestagswahl. Soziale Gerechtigkeit, innere Sicherheit, Europa sind beherrschende Wahlkampfthemen. Was fehlt, das ist eine Idee. Eine große und zugleich handfeste Idee, die jeden angeht. Eine Idee, die etwas in Gang setzt – die uns träumen lässt. Von einer sorgenfreieren Existenz, von einer Freiheit, die niemand fürchten muss.
Diese Idee, so meinen wir, ist das bedingungslose Grundeinkommen. Noch ist es nur ein vielversprechendes Konzept, das unsere Gesellschaft zum Besseren verändern könnte. Das könnte und sollte sich schnell ändern. 

Soziale Gerechtigkeit als solche ist kein geeignetes Wahlkampfthema. »Soziale Gerechtigkeit« – das kann alles oder nichts heißen. Es gibt ganz verschiedene Begriffe von Gerechtigkeit, die allesamt blass bleiben, solange sie sich nicht an einem Thema festmachen lassen.
Eine ernsthafte und engagierte Diskussion über das Grundeinkommen könnte nicht nur eine sehr konkrete Gerechtigkeitsdebatte initiieren, mit konkreten Folgen. Es könnte auch endlich den Anstoß liefern, sich darüber zu verständigen, wie wir in Zukunft leben wollen. 

Genau das ist die Diskussion, die den Wahlkampf jetzt beleben muss. Ein erster Schritt wäre, das bedingungslose Grundeinkommen umzubenennen. Statt einer technokratischen Umschreibung schlagen wir vor: BASIC. Bedingungslos, Alternativ, Sozial, International, Cool. Mehr dazu lesen Sie in der Titelgeschichte unserer neuen Ausgabe, seit heute am Kiosk und im Onlineshop.

Wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen!

Rebekka Reinhard und Thomas Vašek  

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Muss ich arbeiten? Oder darf ich träumen? HOHE LUFT 4/17

Wir brauchen eine neue europäische Vision, eine sichere Grundlage, auf der wir uns frei entfalten können und die uns ermöglicht, über die wirklich wichtigen Fragen nachzudenken. In der neuen Ausgabe lesen Sie, warum wir jetzt das Experiment eines bedingungslosen Grundeinkommens wagen sollten.

Außerdem im neuen Heft: Der US-Philosoph Paul Boghossian spricht über Wahrheit in Zeiten von Trump, Brexit und Fake-News. Wozu ist Kritik gut?
Die Demontage der »Political Correctness«. Geschichten und Philosophie. Das wilde Leben der Existenzialisten. Was tun wir mit Erinnerungen – und sie mit uns? Die Phänomenologie des Lambert Wiesing.

Nach fünf Jahren haben wir HOHE LUFT zu dieser Ausgabe optisch und inhaltlich etwas weiterentwickelt. Vor allem ging es uns dabei darum, das Heft noch zugänglicher und leserfreundlicher zu machen – und das eine oder andere neu auszuprobieren. Zum Beispiel eine Cover-Illustration, mehr Zusatzelemente und eine erweiterte Bücherstrecke.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und sind gespannt, wie es Ihnen gefällt!

Hier finden Sie das neue Inhaltsverzeichnis

Und hier unseren Online-Shop.

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Was gibt Ihnen Zuversicht, Christoph Kappes?

Große Fragen zeichnen sich dadurch aus, dass jeder kluge Kopf sie auf seine Weise beantwortet. In unregelmäßiger Folge stellen wir große Fragen an verschiedenste Persönlichkeiten. Unsere dritte große Frage: WAS GIBT IHNEN ZUVERSICHT? Es antwortet: Christoph Kappes, Jurist, Unternehmer und Publizist. 

»Große Fragen« vor einem leeren Blatt nehmen mir für kurze Zeit die Zuversicht. Daher bin ich froh, dass ich niemanden trösten, sondern nur von mir Auskunft geben soll. Meine Zuversicht kann nur aus meiner Vergangenheit folgen, da ich die Gegenwart oft als fragil wahrnehme und ich die Zukunft nicht kenne. In meiner Vergangenheit hielt die Gewissheit des Kindes, dass die Dinge gutgehen werden, noch sehr lange an. Ländlich­-übersichtliche Verhältnisse, viel Kontakt zur Natur und eine katholische Erziehung haben mir früh das Gefühl vermittelt, dass die Welt wohlgeordnet ist und ich in etwas Größeres eingebettet bin. Die Umstände, in die ich geboren wurde, erwiesen sich im Nachhinein als Glück: Ich bin aufgewachsen wie ein Hund, dem man den Fressnapf hinstellte. Ich war frei und unbesorgt. Ich war der deutsche Pippi Langstrumpf.

Später gab es Erschütterungen, ich schien aus einem Traum zu erwachen. Ich war plötzlich Objekt: eingegliedert in eine fremde Familie, zweifelnd am Glauben, von Systemen prozessiert (Staatsexamen), getrieben von den eigenen Zielen (Unternehmen). Unglücke kamen: Der Tod meines besten Freundes, dem ich nicht helfen konnte, und der Tod meines Vaters kurz nach unserem Kennen­ lernen. Ich musste lernen, Ich und Du zu unterscheiden, Angst zu sehen, Alleinsein auszuhalten, Muster und Projektionen zu verstehen. Erst nach Jahren stellte sich ein Zustand reflektierter Zuversicht ein. Eine Zuversicht, in der die Möglichkeit des Scheiterns immer mitläuft. Diese Art Zuversicht verdanke ich nicht der Philosophie, sondern der Psychotherapie. In der vorerst letzten Phase wühle ich in Theorie. Soziologische Lektüre hat mich staunen gemacht, wie gut Gesellschaft mit ihren Interdependenzen funktioniert und doch fragil ist, wenn wechselseitige Erwartungen irritiert und Routinen gestört werden. Doch Theorie kann mich nicht halten: Ich sehe immer mehr, dass alles auch ganz anders sein könnte. Und wo es im Wandel doch wenigstens Muster geben könnte, fürchte ich mich vor ihrer Wiederholung. Es mag seltsam und meinem Alter geschuldet sein, aber so, wie meine Zuversicht auf persönlicher Vergangenheit gründet, wird auch meine Sorge aus einer geschichtlichen Vergangenheit gespeist.

Der Jurist, Publizist und Berater Christoph Kappes (*1962) besitzt eine Beratungsagentur für Digital Business. Kürzlich startete er das Netzwerk »Schmalbart« gegen Fake-News und Rechtspopulismus.

Weitere Antworten Prominenter finden Sie im aktuellen Heft (HOHE LUFT 3/2017) – jetzt am Kiosk oder im Onlineshop.

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HOHE LUFT 3/17: Was ist Haltung?

Meinungen und Einstellungen hat jeder. Doch was zeichnet eine Haltung aus? Was macht sie so besonders und so wertvoll? Was hat Haltung mit Halt zu tun? Im neuen Heft erklären wir, wieso es gerade in haltlosen Zeiten die Haltung ist, auf die wir bauen und an der wir uns orientieren können.

Außerdem: Ist Martin Heideggers Werk noch zu retten? Darüber streiten in dieser Ausgabe die Heidegger-Expertin Marion Heinz und die ungarische Philosophin und Holocaust-Überlebende Ágnes Heller.

Weitere Themen: Brauchen wir einen neuen Gesellschaftsvertrag? Das Denken des Jacques Lacan. Darf ich mich selbst lieben? Mary Wollstonecraft rebelliert. Die Macht der Scham. Facebook und der Tod.
Und: Was gibt Ihnen Zuversicht? Prominente antworten auf die »Große Frage«.

Das neue Inhaltsverzeichnis finden Sie hier.

Das neue Heft ist ab dem 30. März im Handel erhältlich oder hier versandkostenfrei bestellbar.

HOHE LUFT 4/2017 erscheint am 24. Mai 2017. 

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Reflexe #5: Es geht um die Macht, nicht darum, recht zu haben

Jörg Friedrich sichtet für seine Kolumne »Reflexe« aktuelle philosophische Bücher und Strömungen. Dieses Mal: die politische Philosophie von Chantal Mouffe, von der zuletzt »Agonistik. Die Welt politisch denken« erschien. Eine ihrer Grundthesen besagt, Ausgangspunkt aller Politik sei der Widerspruch – und ein Konsens selten die geeignete Lösung.   

Wer in der gegenwärtigen Welt Hilfe in der politischen Philosophie sucht, um Pegida und AfD, den Arabischen Frühling und die Occupy Bewegung oder den Wahlsieg Donald Trumps und den Brexit zu verstehen, dem seien die Bücher der Philosophin Chantal Mouffe dringend empfohlen. Ihr Werk ist politische Philosophie im besten Sinne des Wortes: es liefert prägnante Begriffe und grundsätzliche Thesen, mit denen sich die Nachrichten und Ereignisse aus der politischen Sphäre der Gesellschaft verständlich machen lassen. Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass Chantal Mouffe eine der wichtigsten Stimmen der gegenwärtigen politischen Philosophie überhaupt ist.

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Was können wir gegen die Ohnmacht der Vernunft tun?

Die Vernunft hat es gerade schwer. Sie wird übertönt von rechtspopulistischen Parolen, von postfaktischen Reden, Fake-News und Stimmungsmache. Die HOHE LUFT-Redaktion hat Gedanken dazu gesammelt, was wir angesichts der Ohnmacht der Vernunft tun können. Was sind Ihre Vorschläge? Schreiben Sie uns, hier in den Kommentaren, auf Facebook, Twitter oder an redaktion(at)hoheluft-magazin.de.  Den ganzen Artikel lesen

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