„Philosophie hält Fragen offen“

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Käte Meyer-Drawe (links) und Denise Du Rieux

„Über Gott und die Welt – Philosophieren in unruhiger Zeit“: Käte Meyer-Drawe von der Ruhr-Universität Bochum im Gespräch in der HOHE LUFT-Leselounge auf dem Philosophicum in Lech.

Ist Religion das Thema der Stunde?

Auf jeden Fall! Ich vermisse die selbstbewusste Auseinandersetzung mit Andersgläubigen. Zudem aber auch eine – durchaus auch kritische – Beschäftigung mit der eigenen Religion. Wir sollten Konfessionen nicht herunterspielen, sondern jeder muss sich mit seiner speziellen religiösen Sozialisation auseinandersetzen. Darum bin ich auch dagegen, den Religionsunterricht abzuschaffen und durch einen konfessionsfreien Ethikunterricht zu ersetzen.

Welches Thema beschäftigt Sie zurzeit?

Syrien. Ich kann nicht verstehen, wie ein Krieg mit diesem Ausmaß an Grausamkeit im 21. Jahrhundert stattfinden kann und eine aufgeklärte Gesellschaften nichts dagegen zu tun scheint. Religion wird dabei mit Machtansprüchen vermengt, wie dem Zugang zu Öl.

Sich in den Bergen treffen und philosophieren – bewirkt das etwas? Was können Philosophen tun?

Das Philosophicum habe ich in den letzten Jahren als sehr wirkungsvoll empfunden.  Die Referenten sind klug und ausgewogen ausgewählt und finden sich mit ihren Vorträgen in einigen Zeitungsberichten wieder, was den Theorien natürlich wiederum eine Plattform gibt und damit definitiv Wirkung hat!
Die Aufgabe der Philosophie sehe ich darin, dass sie Fragen offen halten muss. Nur so verwahren wir uns davor, in eine totalitäre Abgeschlossenheit zu geraten. Philosophie ist prinzipielle Fraglichkeit.

Ihr bisheriger Aha-Moment dieses Philosophicums?

war am Eröffnungsabend: Konrad Paul Liessmann und Michael Köhlmeier diskutierten über den Zusammenhang von Grausamkeit und Lust; eine für mich beeindruckende und interessante These.