„Luxus bedeutet Freiheit“

„Über Gott und die Welt – Philosophieren in unruhiger Zeit“: Lambert Wiesing im Gespräch in der HOHE LUFT-Leselounge auf dem Philosophicum in Lech.

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Lambert Wiesing mit Greta Lührs

Ist Religion das Thema der Stunde?

Kommt drauf an. Es ist eines der großen Themen neben anderen, die ebenso wichtig sind. Ich habe mich selbst gewundert, dass ich hier als Vortragender eingeladen wurde, weil mein Thema „Luxus“ eigentlich ein ästhetisches Thema ist. Andererseits führt auch der Luxus zu der großen Frage, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Welches Thema oder Problem hält Sie nachts wach?

Mich besorgt die Tendenz, zu glauben, es gäbe auf jede Frage nur eine richtige Antwort. Rationalisierungsprozesse und Effizienzdruck bestimmen immer mehr unser Leben, alles wird auf seinen Nutzen befragt. Ich zucke zusammen, wenn jemand behauptet, jeder sollte nur das bekommen, was er unbedingt braucht. Ich bin doch keine Maschine!

Ist es nicht zynisch, in der heutigen Zeit für mehr Luxus zu plädieren?

Das hängt davon ab, was man unter Luxus versteht. Luxus ist eine ästhetische Erfahrung der Verweigerung. Menschen ohne Mittel leiden unter anderem darunter, ihre Freiheit nicht entfalten zu können. Luxus ist eine Form, in der man seiner Freiheit gewahr werden kann. Erst wenn ich auch irrational handeln kann, bin ich frei.

In den Bergen zusammen philosophieren – bringt das irgendetwas? Was können Philosophen überhaupt tun?

Ich habe nicht die Hoffnung, dass Philosophen eine ausschlaggebende Wirkung auf diese Welt haben. Aber Philosophen können Menschen zum Selberdenken anregen und das kann die Situation des Menschseins verbessern.