HOHE LUFTpost – Wahlkampf, Krankheit und Geheimnisse

HOHE LUFTpost vom 23.09.2016: Wahlkampf, Krankheit und Geheimnisse

Hillary Clinton hat sich eine Lungenentzündung eingefangen. Kein Wunder, bei all dem Wahlkampf-Stress und den zahllosen geschüttelten Händen. Eine Lungenentzündung ist kein Drama, außer man steckt gerade in der heißen Phase des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs, und auf der anderen Seite lauert Donald Trump, der seine Konkurrentin auf jeden Huster hin für unpräsidiabel gebrechlich erklärt. Clinton versuchte, ihren Infekt zu verheimlichen, tat einen Schwächeanfall als »Überhitzung und Dehydrierung« ab, winkte demonstrativ in die Kameras und rief »Ich fühle mich großartig«.

Natürlich kam es doch raus, die Erkrankung bekam ein noch größeres Gewicht, und Clinton stand als notorische Heimlichtuerin da – ein Image, gegen das sie vorher schon kämpfen musste. Die Episode zeigt, dass Heimlichkeit eine riskante Strategie ist, und umso riskanter, je mehr man im Rampenlicht steht. Denn sie zeigt sich nur in Situationen, in denen sie scheitert, niemals in Situationen, in denen sie funktioniert. Und wenn sie scheitert, wirft sie weite Schatten: »Wer weiß, was sie uns noch alles verheimlicht?« Unangenehme Frage für Clinton. Offenheit ist meistens die bessere Strategie. Nicht nur für Hillary Clinton.

– Tobias Hürter