HOHE LUFTpost – Weder »Transit« noch »Zone«

HOHE LUFTpost vom 13.11.2015: Weder »Transit« noch »Zone«

Ein Unwort geistert durch die Debatten um die Flüchtlingskrise: »Transitzonen«. Manche Politiker wollen sie an den Grenzen einrichten, um den Zustrom von Flüchtlingen einzuschränken. In der Sprachwissenschaft gibt es den Grundsatz der Arbitrarität des Zeichens: Der Zusammenhang zwischen Zeichen und Bezeichnetem ist pure Konvention, sonst haben beide nichts miteinander zu tun. Aber natürlich ist es nicht egal, wie man etwas bezeichnet. Die Bezeichnung eines Dings sagt oft etwas über das Ding aus, und diese Aussage kann richtig oder falsch sein.

Eine Transitzone wäre ein Bereich, der möglichst glatt zu passieren ist. »Transit« kommt vom lateinischen Verb für hinübergehen oder hindurchgehen. Eine Transitzone soll aber gerade verhindern, dass Flüchtlinge die Grenze überqueren. In den seit Jahren eingerichteten »Transitzonen« an Flughäfen werden Asylsuchende in Gefängnissen interniert. Auch »Zone« ist daher ein in diesem Zusammenhang zumindest irreführend unspezifischer Ausdruck. »Transitzonen« sind keine Transitzonen.

– Tobias Hürter