HOHE LUFT_live in der Glücksmaschine

„Die Spekulation auf das Glück“ war der Titel des ersten HOHE LUFT_live Events in München. Am 07. November luden wir gemeinsam mit der Earthrise-Society zum philosophischen Abend ins Südliche Schlossrondell am Nymphenburger Schloss ein. HOHE LUFT Chefredakteur Thomas Vašek und seine Diskussionspartnerin Dr. Rebekka Reinhard widmeten sich der heißen Frage nach dem Glück und seiner philosophischen Bedeutung.

Für Rebekka Reinhard ist die Frage danach, was Glück ist, mit der Frage nach dem guten Leben verbunden. Damit folgt sie der Glückskonzeption, die ihren Ursprung in der antiken Philosophie Platons und Aristoteles‘ hat. Das Glück fassten diese Herren als ein gelingendes Leben auf – das gute Menschenleben ist auch ein glückliches Menschenleben. Glücklich zu sein ist laut Aristoteles das, wonach jeder Mensch strebt, das Endziel allen Handelns. Während die hellenistischen Philosophen noch eine sehr klare Vorstellung davon hatten, wie ein glückliches Leben aussehen sollte, taten sich besonders in der Aufklärung einige Kritiker der Vormachtstellung des Glücks hervor.
Wie Thomas Vašek darlegte, bezweifelten Immanuel Kant und auch Sigmund Freud die Möglichkeit, Glückseligkeit zu erreichen. Laut Kant ist das Glück zwar ein hohes Gut, das wir erstreben, aber nicht nach Vernunftprinzipien bestimmen können, sodass es als Ideal nur in der Vorstellung existiert. Nach Kant ist ein tugendhafter Mensch zwar des Glückes würdig, aber nicht zwangsläufig glücklich. Thomas Vašek ist der Meinung, dass das Glück kein vernünftiges Lebensziel sei, sondern ein Motor, der einen zum Handeln antreiben kann. Er illustrierte diese skeptischere Haltung dem Glück gegenüber mit einem Gedankenexperiment: Würden Sie sich an eine Glücksmaschine anschließen, die Ihnen ab sofort ein absolut glückliches Leben simuliert in dem jedes Unglück ausgeschlossen ist und Sie nur freudvolle Erlebnisse haben? Wenn Sie nichts anderes als glücklich sein wollen, wäre dies doch ein reizvolles Angebot. Dass so gut wie niemand dieses wirklich annehmen würde, darüber sind sich die Vortragenden und das Publikum schnell einig. Wir wollen nicht nur irgendein Glück empfinden, sondern durch unser eigenes Leben glücklich werden, meint Rebekka Reinhard. Zumal scheint ein Leben ganz ohne Unglück bei näherer Betrachtung auch nicht wünschenswert – Thomas Vašek ist sich sogar sicher, dass es ohne Unglück und Traurigkeit keine Kunst geben würde. Wenn wir also nicht an die Glücksmaschine wollen, haben wir gute Gründe dafür. Doch wie findet man nun das Glück? Mit diesem scheint es sich wohl so zu verhalten, wie es Hegel an einem Beispiel zeigte: Eine Person, die Obst kaufen will, scheitert mit ihrem Vorhaben, da es bloß Äpfel, Birnen oder Kirschen im Angebot gibt – aber kein Obst! Genauso ist es aussichtslos, dem einen Glück nachzujagen, da es schlichtweg nicht existiert. Wie Freud es formulierte, muss doch jeder auf seine Fasson selig werden. Darauf können sich am Ende des Abends alle einigen. Dem eigenen Glück wurde dann noch bei einem Glas Wein und einem Stück Schokolade auf die Sprünge geholfen.

Wir bedanken uns für den gelungenen Auftakt bei allen Gästen und natürlich unserem Partner der Earthrise-Society. Infos zur nächsten HOHE LUFT_live Veranstaltung in München erfahren Sie zu gegebener Zeit hier.

Dr. Rebekka Reinhard, Marianne Obermüller (CEO Earthrise), HOHE LUFT Chefredakteur Thomas Vašek, HOHE LUFT Herausgeberin Dr. Katarzyna Mol-Wolf (von links)

Dr. Rebekka Reinhard, Marianne Obermüller (CEO Earthrise), HOHE LUFT Chefredakteur Thomas Vašek, HOHE LUFT Herausgeberin Dr. Katarzyna Mol-Wolf (von links)

Rebekka Reinhard und Thomas Vašek beim Diskutieren

Rebekka Reinhard und Thomas Vašek beim Diskutieren

In den großzügigen Räumen Schlossrondells ließ sich gut über das Glück nachdenken

In den großzügigen Räumen des Schlossrondells ließ sich gut über das Glück nachdenken.

Katarzyna Mol-Wolf und Marianne Obermüller

Katarzyna Mol-Wolf und Marianne Obermüller